PC-Standards für Handys
Der Linux-Pinguin watschelt auf den Mobilfunkmarkt

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Die IT-Käufer sollten den neuen Versuch begrüßen, eine mobile Linux-Plattform zu entwickeln, die sich anschickt, breite Unterstützung durch die Industrie zu bekommen.

Namenloses Konsortium füttert den Pingu

PC-Standards für Handys

Ein neues Konsortium, zu dem Motorola, NEC, NTT, DoCoMo, Panasonic, Samsung und Vodafone gehören, fördert Linux als Betriebssystem für Mobiltelefone. Die Gruppe, die sich nur noch auf einen Namen dafür einigen muss, will die Softwarekosten von Mobiltelefonen reduzieren und eine offenere Umgebung für alle Parteien schaffen.

Das sind hehre Ziele, aber der Weg dorthin wird wohl steinig sein.

Zurzeit haben wir zwei Hauptlieferanten von Betriebssystemen für Smartphones – Symbian und Microsoft. Außerdem haben viele Hersteller ihre eigenen proprietären Systeme.

Vielleicht überraschend – es tummeln sich auch eine ganze Reihe Linux-Modelle auf dem Markt. Allein Panasonic hat acht Millionen Handsets nach Japan geliefert. Im Laufe der letzten Jahre wurden von mehr als 20 Herstellern über 30 Linux-Modelle angekündigt. Motorola will mit rund einem Dutzend dabei sein.


Mobiles Linux bisher inkompatibel

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Linux-Systeme für Mobiltelefone wurden von mehreren Unternehmen entwickelt und per Lizenz an Telefonhersteller vergeben. Wind River, Trolltech, MoltaVista und A la mobile sind Firmen, die in diesem Bereich aktiv sind. Jeder hat seine eigene Programmiernorm und es ist nicht ganz leicht, Anwendungen zu schreiben, die auf allen laufen können. Das neue Konsortium mag gut und gerne diese Probleme in den Griff bekommen, wenn sie die Plattformen vereinheitlichen – nur zu welchem Preis für die bestehenden Linux-Lieferanten?

Es ist durchaus lohnenswert, einen Blick auf die Beziehungen, der Firmen untereinander zu werfen, die in dem neuen Konsortium vertreten sind: Alle vier Hersteller haben bereits mobile Linux-Produkte. Motorola, Panasonic und Samsung lizenzieren auch SymbianOS, für das Panasonic und Samsung Aktionäre sind. Panasonic und NEC haben gemeinsam Linux für NTT DoCoMo entwickelt. Vodafone und NTT DoCoMo profitieren, weil sie Telefone billiger einkaufen können und mehr Kontrolle über die Features haben. Es liegt auf der Hand, dass all diese Firmen aus dem neuen Projekt großen Nutzen ziehen können.


Der neue Standard hat hohe Überlebenschancen

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Was auch immer dabei herauskommt – kurzfristig wird das Projekt weder für Symbian noch für Microsoft eine Bedrohung darstellen. Symbian wird in starkem Maße von den großen Telefongesellschaften, einschließlich Nokia und Sony Ericsson genutzt und man müsste ihnen schon sehr viel bieten, damit sie auf ein anderes Betriebssystem umsteigen. Microsoft ist stetig dabei, mehr Hersteller an sich zu binden, aber liegt noch immer ein Stück hinter Symbian.

Jedoch haben weder Symbian noch Microsoft im Low-End-Telefonmarkt, wo proprietäre Systeme dominieren, viel Einfluss. Möglicherweise könnten die potentiell geringeren Kosten des Linux-Betriebssystems für zusätzliche Marktanteile sorgen, vorausgesetzt, die Hardware kann vernünftig damit arbeiten.

In der Vergangenheit sind viele Konsortien zu einem bestimmten Zweck aus dem Boden geschossen – und eine ganze Reihe erwiesen sich als Versager. Ich glaube, dass dieses neue Projekt bei der Entwicklung einer gemeinsamen Plattform erfolgreich sein wird, die dann tatsächlich von den Unternehmen genutzt wird. Die Frage ist, ob es auch auf dem weiträumigeren Markt bestehen kann.

Mehr Wettbewerb ist im Allgemeinen eine gute Sache – wenn er aber zu mehr inkompatiblen Plattformen führt, wird die Gesamtwirkung kaum positiv sein.