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Vista-Tools im Praxistest
Neue Tools in Windows Vista Beta 2

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Viele neue Tools für Profis und Einsteiger schlummern unter der Oberfläche von Windows Vista Ultimate. PC Professionell testet die aktuelle Beta 2 und gibt Tipps für Ihre eigenen Beta-Tests.

Vista Beta-2 für alle

Vista-Tools im Praxistest

Erstmals kann die ganze Welt in der öffentlichen Beta-2-Build von Windows Vista Ultimate bestaunen, woran die Microsoft-Entwickler die letzten fünf Jahre gebastelt haben. Dabei staunen die einen, dass die Integration von Features wie flexibleren Benutzerrechten, Festplatten-Backups und DVD-Brennen so lange hat auf sich warten lassen.

Die anderen wundern sich, warum nur Anwender der Ultimate- und Enterprise-Editionen in den Genuss sinnvoller Features wie Bitlocker-Festplattenverschlüsselung und Virtual PC Express kommen.


Erfreuliches bei Vista

Vista-Tools im Praxistest

Viele neue Funktionen bieten Grund zur Freude. Dazu zählen etwa die Schattenkopien, die per Klick ältere Versionen von Anwenderdateien zurückholen. Auch die Spracherkennung funktioniert gut. Mit ihr lassen sich sehr einfach Texte diktieren und – etwas gewöhnungsbedürftig – Windows-Funktionen steuern.

Ebenso positiv fällt das Complete-PC-Backup für das schnelle Anlegen von partitionsbasierten Sicherungen auf. Admins finden zudem in den neuen Gruppenrichtlinien einfachere und flexiblere Konfigurationswerkzeuge, mit denen sich jetzt endlich USB-Ports besser schützen lassen. So lässt sich nun festlegen, welche Anwender welche Geräte am USB-Port wie nutzen dürfen. Schlussendlich brennt Windows per Explorer Daten- und per DVD-Maker auch Video-DVDs, die dann der Mediaplayer wiedergibt.


Grund zum Ärger

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Doch nicht alles an der Vista-Beta gefällt. Noch immer fehlt Windows ein Tool zum Aufspüren von potenziell gefährlichen Rootkits und versteckten ADS (Alternate Data Streams). Auch fehlt Vista eine Virtualisierungsfunktion, wie sie in vielen Linux-Distributionen mit XEN integriert ist. Darüber hinaus sollen Startmenü und Windows-Explorer komfortabler und übersichtlicher sein. Davon spürt der Anwender jedoch auch nach einwöchiger Eingewöhnung nichts. Im Gegenteil, trotz der leicht zugänglichen Suchfunktion – die in der Beta-2-Version leider oft nicht findet, was man sucht – ist der Windows-Explorer in Vista eher ein Rückschritt.

Lästig sind auch die Pop-ups, die vor systemnahen Aktionen warnen und temporär vom Benutzer mehr Zugriffsrechte erfordern. Das ist zwar sicherer und schützt vor unbemerktem Ausführen von Schadcode, stört jedoch den Arbeitsfluss.


Windows Defender im Test

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Die Antispyware starten Sie über den Windows-Button und Alle Programme/Windows Defender. Die Optionen rufen Sie über das kleine Dreieck rechts neben Überprüfung auf. Sie können den Spyware-Check schnell, vollständig oder benutzerdefiniert für ausgewählte Order und Laufwerke starten. Umfassende weitere Einstellungen wie Automatiken, Aktionspläne und Ausnahmelisten führt der Menüpunkt Extras/Optionen auf.

Im PCpro-Test benötigt Defender für 594 325 Objekte mit etwa 15,5 GByte knapp 15 Minuten. Im Anschluss prüft Defender eine spywareverseuchte CD mit 34 noch nicht installierten Spywares. Neun davon findet Defender. Zum Vergleich: Spybot Search & Destroy 1.4 erkennt hier gar keine Gefahren.


Erkennung noch nicht ausgereift

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Bei manueller Installation von zehn Spywares meldet sich Vista nur zweimal mit deutlichen Gefahrenhinweisen. Sonst wird ein “nicht identifiziertes Programm” gemeldet. Defender zeigt danach sechs Gefahren und entfernt angeblich alle vollständig. Doch Spybot Search & Destroy entdeckt noch neun Spyware-Relikte, unter anderem zwei EXE-Dateien. Zwei zusätzliche Keylogger und eine Backdoor bleiben ungemeldet auf dem PC. Diese entdeckt allerdings auch Spybot nicht.

Unter Verlauf zeigt Defender, welche potenziell verdächtigen Prozesse welche Ressourcen (zum Beispiel Registryschlüssel oder Systemordner) nutzen wollen, und ob der Anwender dies zugelassen hat oder nicht. Installierte oder kopierte Programme können Sie weiter von Defender überwachen lassen unter Verlauf/Zugelassene Elemente. Abgewiesene ausführbare Dateien finden sich unter Elemente in Quarantäne.

Derzeit ist die Erkennung noch nicht ausreichend. Sämtliche Prozesse werden ohne Namen und ohne Warnstufe aufgelistet. Ändert man die Startseite des Internet Explorer 7, meldet Defender im Verlauf witzigerweise: “Das Verhalten dieses Programms ist potenziell unerwünscht.”


Defender-Explorer

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Administrator-Rechte benötigen Sie für den Punkt Software-Explorer. Über dieses nützliche Tool erhalten Sie Informationen zu installierten Programmen und laufenden Prozessen auf Ihrem Rechner und können diese dann gezielt von Windows Defender überwachen lassen.

Wer sich schon immer gefragt hat, welche Prozesse sich in dem Windows-Sammeldienst svchost.exe verstecken, erhält hier Klarheit. Rufen Sie einfach die Kategorie Zurzeit ausgeführte Programme auf, und wählen Sie einen der Einträge namens Microsoft Host Process for Windows Services. Im rechten Fenster werden wichtige Infos angezeigt wie Dateityp, -name, -pfad, -größe, -version, abhängige Dienste, Benutzername, Herausgeber, Prozesskennung (PID), Signatur und Spynet-Abstimmung.

Weitere Kategorien sind Autostartprogramme, Über Netzwerk verbundene Programme und Winsock-Dienstanbieter. Zu der letzten Kategorie zählen beispielsweise NetBIOS-, TCP/IP- und UDP-Dienste.


Erweiterte Firewall

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Sie können über Windows/ Systemsteuerung/Sicherheitscenter auf die Windows-Firewall zugreifen. Einfacher ist es aber, wenn Sie unter Windows-Button/Suche kurz fire eingeben. Vista findet dann nicht nur den Standard-Eintrag, sondern auch Windows Firewall mit erweiterter Sicherheit. Damit greifen Sie auf den Konsolenstamm (mmc.exe) zu, über den Sie die Firewall detaillierter konfigurieren als über den Standard-Dialog.

Die Windows-Firewall lässt sich hier für drei Profile anpassen: Ein Domänenprofil wird automatisch aktiviert, wenn der PC in einer Domäne angemeldet ist. Ein Privates Profil gilt für den PC zu Hause, das Öffentliche Profil für einen frei zugänglichen Rechner. Über Windows-Firewalleigenschaften legen Sie den Sicherheitsstandard für eingehende und ausgehende Verbindungen, Benachrichtigungen und Protokollierungen je Profil fest. Darüber hinaus nehmen Sie hier IPsec-Einstellungen vor für die sichere Online-Kommunikation, zum Beispiel die Authentifizierungs-Methode, Sicherheits-Faktoren für den Schlüsselaustausch (Algorithmen, Gültigkeitsdauer) und Datenschutzoptionen.


Neue Firewall-Regeln

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Zahlreiche Regeln für ausgehende und eingehende Verbindungen finden sich im Konsolenstamm bereits vordefiniert. Diese lassen sich übersichtlich filtern nach Namen, Status, Gruppen und Profilen sowie zehn weiteren Faktoren. Über Aktionen/ Neue Regel legen Sie eigene Regeln an und fügen diese der Liste hinzu. Markieren Sie eine Regel, ist diese über das Kontext- sowie das Aktionenmenü je nach Status zu aktivieren oder zu deaktivieren. Der Eintrag Eigenschaften führt zu den anpassbaren Optionen und informiert über die jeweiligen Einstellungen sowie von der Regel betroffene Prozesse, Ports und Benutzer. Unter Protokolle und Ports können Sie Regeln auch für verschiedene Interfaces bestimmen wie lokale Anschlüsse, Protokolltypen und Remoteports.

Am schnellsten legen Sie einfache Regeln mit dem Standarddialog der Windows-Firewall fest. Unter Ausnahmen markieren Sie dabei die Dienste, die von der Firewall nicht überwacht oder blockiert werden sollen. Über die entsprechenden Buttons fügen Sie
der Liste Programme oder Ports hinzu.


ReadyBoost: Mehr RAM

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Um Ihr System schnell und kostengünstig mit virtuellem Arbeitsspeicher zu erweitern, nutzen Sie ReadyBoost. Das geht ganz einfach: Schließen Sie beispielsweise einen USB-2.0-Speicherstick an, klicken Sie mit der rechten Maustaste das entsprechende Laufwerk des angemeldeten USB-Sticks an und wählen Eigenschaften/ReadyBoost.

Jetzt ist der USB-Speicher als Systemressource zuschaltbar. Dafür wählen Sie den Befehl Dieses Gerät verwenden. Mit dem Schieberegler legen Sie jetzt fest, wie viel Speicher Sie Vista spendieren wollen. Der gewählte Wert wird dann vom System reserviert und lässt sich erst wieder mit persönlichen Daten befüllen, wenn ReadyBoost für den Stick deaktiviert wurde.

Vista Ultimate Beta 2 akzeptiert derzeit nur USB-Speicher mit mehr als 256 MByte Kapazität. In der Finalversion soll dieses Limit aufgehoben sein.

Wer temporär an einer großen Grafik- oder Videodatei arbeitet, kann mit ReadyBoost zwar etwas zügiger arbeiten, doch eignet sich das Tool nicht für den Dauereinsatz und bewirkt auch definitiv keine Highspeed-Wunder.


Leistung kontrollieren

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Mit der neuen Leistungsdiagnosekonsole (Performance Monitor) besitzt Vista ein gutes Benchmark-Tool. Am schnellsten rufen Sie es über Windows/Suche starten und perfmon auf. In der Ressourcenübersicht zeigen jetzt Kontrollen für CPU, Festplatte, Netzwerk und Arbeitsspeicher die Leistungskurven parallel an. Ein Klick darauf öffnet die jeweilige Detailansicht. So sieht der Administrator, welche Prozesse und Dateien welchen Anteil an der Systemauslastung haben. Um Störer und Flaschenhälse aufzuspüren, ist dies ein wertvolles und übersichtliches Werkzeug.

Unter Leistungsdiagnose/ Überwachungstools finden sich noch zwei weitere Hilfen. Der Systemmonitor basiert auf dem Performance Monitor von Windows XP. Standardmäßig zeigt dieser nur die CPU-Last an. Mit einem Rechtsklick auf Leistungsindikator starten Sie aber zahlreiche weitere Benchmarks, von Anforderungen für HTTP über Server-Anfragen und Schnittstellen wie USB-Ports bis hin zu WMI-Objekten.


Stabilitäts-Monitor

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Das zweite Überwachungstool der Leistungsdiagnose ist die Zuverlässigkeitsüberwachung (Reliability Monitor). Damit erkennen Sie Hardware- und Software-Komponenten, die sich negativ auf die Systemstabilität auswirken.

Installationsroutinen, Applikationen und Windows werden getrennt überwacht, was für die Lokalisierung der Fehler hilfreich ist. Im oberen Teil des Fensters zeigt ein Diagramm den Stabilitätsindex samt Daten und Ereignissen an. Im unteren Teil des Fensters finden Sie die Berichte, die alle Details in Listenform darbieten.


Unflexibel: Backup

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Über Systemsteuerung/Sicherung und Wiederherstellen erreichen Sie die neuen Backup- und Imaging-Tools. Um ein Datei-Backup zu starten, wählen Sie den Punkt Sicherung einrichten. Zunächst gilt es, Ziel- und Quelldatenträger zu bestimmen. Dann wählen Sie die Dateitypen, die Vista in bestimmten Abständen automatisch sichern soll.

Auf welche Datei-Endungen sich die Optionen Fotos, Bilder, Zeichnungen, Videos und Filme oder Dokumente beziehen, bleibt dem Anwender jedoch verborgen. Zudem sind nur Partitionen und Dateigruppen, nicht aber Ordner wählbar. Ein professionelles Backup-Tool macht Vista also noch nicht überflüssig.


Schnell: Imaging

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Der Befehl Computer sichern legt im laufenden Betrieb vollständige Sicherungen von Partitionen an (Images). C:\ ist dabei voreingestellt. Die mit 9,78 GByte belegte Systempartition sichert Vista im Test innerhalb von 7:29 Minuten. Das Image wird unter

X:\WindowsImageBackup\%Computername%\Backup%Datum%

abgelegt. Die VHD-Datei des Images umfasst 7,8 GByte plus einige XML-Steuerdateien. Ein in 6:56 Minuten auf DVD angelegtes Image hat lediglich 3,25 GByte. Die Kompression kann der Anwender jedoch nicht manuell beeinflussen.

Nachdem die Systempartition für den Test komplett zerstört wurde, booten wir von der Vista-DVD und wählen Systemwiederherstellungsoptionen und Complete-PC-Restore. Der Assistent zeigt die auf angeschlossenen Festplatten verfügbaren Images automatisch an. Vom Klick auf Fertigstellen bis zum Weiterarbeiten unter Vista vergehen nur 7:13 Minuten. Vorsicht: Das Wiederherstellen eines Images von DVD funktioniert in der Beta 2 noch nicht und wird mit einer Fehlermeldung »Debug-Info Link not enabled idLoadDrivers« abgebrochen.


Schattenkopien

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Eine kaputt veränderte Datei retten Anwender unter Vista schnell, indem sie einfach eine ältere Version reaktivieren. Möglich macht dies die Funktion Schattenkopie, die von geänderten Dateien automatisch Sicherungen erstellt. Sind Sie etwa mit einem in der neuen Windows-Fotogalerie verfärbten Bild nicht mehr zufrieden, führen Sie einen rechten Mausklick auf die Datei aus und wählen Eigenschaften/Vorherige Versionen. Hier markieren Sie die gewünschte Dateiversion und klicken Wiederherstellen.

Voraussetzung dafür ist, dass zuvor Systemwiederherstellungspunkte gesetzt wurden. Um einen solchen anzulegen, gehen Sie zu Systemsteuerung/System/ Computerschutz und wählen Erstellen. Nachfolgend geänderte Dateien können Sie dann wie beschrieben auf den Stand vor dem Wiederherstellungspunkt zurücksetzen.


Viel Neuland

Vista-Tools im Praxistest

Im neuen Windows finden Sie über die Suchfunktion schnell weitere nützliche Tools: Der Media Player 11 bietet neue Wiedergabeoptionen und Codecs. Die Bitlocker-Festplattenverschlüsselung ließ sich hingegen auch mit einem PC mit TPM 1.2 und aktuellem BIOS nicht aktivieren.

Windows Vista Ultimate Beta 2 liefert zudem eine neue Windows-Fotogalerie für das einfache Verwalten und Bearbeiten Ihrer Bilder von Digicam, CD/DVD und Scanner. Mit Windows DVD Maker erstellen Sie schnell einfache Video-DVDs mit Filmen und Diashows inklusive Menüs und Kapitelmarken. Die Spracherkennung lässt Sie Texte diktieren und Windows per Spracheingabe steuern. Im Test funktionieren diese Features gut, ersetzen allerdings keine Stand-alone-Programme für Anwender mit gehobenen Ansprüchen. Sie eignen sich dank einfachster Bedienung jedoch gut für Gelegenheitsnutzer.

Zusätzlich gibt es in Vista Ultimate neue Versionen von Movie Maker, Media Center und Tablet PC. Das sehr einfach gehaltene Windows Mail soll Outlook Express ersetzen. Für Administratoren ist die objektbasierte neue PowerShell nützlich.

Wir werden über alle Features im Detail berichten. Schreiben Sie uns, welche Erfahrungen Sie mit der Beta 2 machen und was Sie an Vista am meisten interessiert. Wir bemühen uns, Ihre Wünsche in unseren kommenden Tests und Hintergrundberichten zu berücksichtigen.