Der 10-Sekunden-Start
Windows XP schneller starten

BetriebssystemWorkspace

Mit wenigen Kniffen kitzeln Sie aus jedem PC einen 20 bis 40 Prozent schnelleren Start. Und es geht sogar noch schneller.

Windows Kaltstart

Der 10-Sekunden-Start

Windows XP braucht nicht zwangsläufig eine halbe Ewigkeit zum Hochfahren. Im Praxistest beschleunigen die PCpro-Tester den Windows-Kaltstart verschiedener Rechner nun zwischen 20 und 40 Prozent.

Der getweakte Highend-Rechner etwa – mit einem frisch installierten Betriebssystem – startet um 38 Prozent schneller. Bei einem Test-Notebook dauert der Normalstart 109 Sekunden, die Weckphase aus dem Stand-by ist in 8 Sekunden vorbei – macht 93 Prozent Zeitersparnis unterm Strich.


Windows-Start-Geheimnisse

Der 10-Sekunden-Start

Der Windows-Start ist in mehrere Sequenzen gegliedert, die allesamt aufeinander aufbauen. Zunächst lädt das BIOS den Master Boot Record (MBR) in den Arbeitsspeicher, der sofort seinen Startcode ausführt. Der Startcode des MBR sucht in der Partitionstabelle nach der aktiven Partition und lädt nach erfolgreicher Suche deren ersten Sektor (Start- oder Bootsektor) in den RAM. Letzteres ist besonders wichtig, da im Bootsektor die für den Start zwingend nötige Datei Ntldr.dll (NT-Loader) abgelegt ist. Findet Windows XP diese Datei nicht, kann das Betriebssystem nicht hochfahren. In diesem Fall müssen Sie die Boot-Dateien Ntldr.dll und Ntdetect.com manuell von der XP-Installations-CD in das Root-Verzeichnis der aktiven Partition – in den meisten Fällen ist das C:\ – kopieren. Sie finden beide Elemente im Ordner i386.

Bei Problemen im Zusammenhang mit MBR und Bootsektor hilft die Wiederherstellungskonsole weiter. In der Praxis ist es ratsam, die Recovery Console im Boot-Menü zu integrieren, so dass Sie jederzeit darauf zugreifen können. Legen Sie die XP-CD ein, klicken Sie auf Start/Ausführen, tippen Sie den Befehl
d:\i386\winnt32.exe/cmdcons ein und bestätigen Sie den folgenden Dialog mit Ja. Beim nächsten Start steht die Wiederherstellungskonsole im Boot-Menü zur Auswahl und sie können mit den Befehlen fixmbr und fixboot Master Boot Record sowie Bootsektor wieder reparieren.

Tipp: Wie alle anderen Dateien lassen sich auch die Boot-Dateien manuell defragmentieren. Sie klicken auf Start/Ausführen und tippen den Befehl defrag c: -b ein. Dieser Vorgang lässt sich durch einen Registry-Tweak auch automatisieren.


Dreh- und Angelpunkt Boot.ini

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Ist Ntldr erfolgreich geladen, wechselt das System in einen geschützten Modus, um den kompletten Arbeitsspeicher nutzen zu können. Im nächsten Schritt lädt XP die Systemdatei Boot.ini und überprüft, ob mehrere Betriebssysteme installiert sind. Ist das der Fall, wird 30 Sekunden lang ein Systemauswahlmenü eingeblendet. Findet der Loader die Datei Hiberfil.sys, dann weckt er das System stattdessen aus dem Ruhezustand, eine nützliche Abkürzung.

Interessant ist im Zusammenhang mit der Datei Boot.ini der Recovery-Konsolen-Befehl bootcfg/rebuild. Damit weisen Sie die Wiederherstellungskonsole an, nach früheren Windows-Installationen zu suchen und eine zerstörte Boot.ini zu restaurieren. Dabei können Sie selbst auswählen, welche der gefundenen Windows-Installationen in die Boot.ini aufgenommen werden sollen.

Bei nur einer Windows-Installation unterschlägt XP das Boot-Menü und fährt gleich mit der Hardware-Erkennung fort. Die aus Boot.ini, Hardware-Erkennung und Registry gewonnenen Informationen übergibt der Loader dann an Ntoskrnl.exe, den XP-Betriebssystemkern weiter. Im letzten Schritt lädt Windows dann alle benötigten Treiber, Dienste und Anwendungen. Dieser Vorgang beansprucht am meisten Zeit, so dass hier das größte Optimierungspotenzial steckt.


Gekonntes Boot-Tuning

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Wie der kurze Abriss des XP-Startvorganges zeigt, sind die Eingriffsmöglichkeiten auf die Boot.ini eingeschränkt. Bei der Konfiguration stehen Ihnen zwei Wege offen. Die komfortable Variante führt über das Systemkonfigurationsprogramm, das Sie über Start/Ausführen und die Eingabe von msconfig aufrufen. Bringen Sie das Register BOOT.INI nach vorne und tippen Sie bei Zeitlimit: einen kürzeren Wert, minimal 3 Sekunden ein. Fortan wird das Betriebssystem bei unbeaufsichtigtem Start bereits nach drei statt nach 30 Sekunden Wartezeit geladen. Wer auf ein parellel installiertes System umschalten will, muss dabei jedoch gut aufpassen.

Für eine weitere, aber recht geringe Zeitersparnis sorgt der Befehl /NOGUIBOOT. Damit verhindern Sie, dass während des Startvorgangs der VGA-Treiber geladen wird – Windows XP zeigt dann keine Statusmeldungen an. Die weiteren in diesem Dialog anzutreffenden Optionen drehen sich um Analyse- und Protokollfunktionen und haben keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Startdauer von Windows XP.

Bevorzugen Sie das direkte Editieren der Boot.ini, klicken Sie auf Start/Ausführen und tippen notepad C:\boot.ini ein, um die Systemdatei im Editor zu laden. Für die Wartezeit zuständig ist der Befehl timeout, die Anzeige des Splash Screens unterdrücken Sie mit /noguiboot.


Autostart-Check

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Zahlreicher sind die Möglichkeiten, die dem Anwender nach dem Hochfahren des Betriebssystems offen stehen. Die erste sinnvolle Tuningmaßnahme dreht sich um die Autostart-Funktion. Zum einen steckt hier ein sehr großes Optimierungspotenzial. Zum anderen wird das Autostart-Feature häufig von Trojanern missbraucht, so dass Sie ohnehin regelmäßig überprüfen sollten, welche Elemente Windows automatisch lädt.

Der Autostart-Check funktioniert mit Bordmitteln. Allerdings ist die XP-Routine msconfig nicht besonders informativ und weit davon entfernt, vollständig zu sein. Bringen Sie das Register Systemstart nach vorne, um einen Überblick über automatisch mit Windows initialisierte Anwendungen zu erhalten. Um den Auto-Start zu unterbinden, entfernen Sie die Markierung vor dem Systemstartelement. Streichkandidaten sind etwa Nero Check (NeroCheck.exe), Adobe Acrobat Schnellstart (SC_Acrobat.exe) und Quicktime Task (qttask.exe).


Autoruns macht XP Beine

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Erfahrene Anwender, die ganz genau wissen wollen, was im Hintergrund läuft, müssen zu externen Analyse-Tools greifen. In der Praxis bewährt hat sich Autoruns 8.51. Die englischsprachige Freeware analysiert das System und listet laufende Anwendungen, geladene Treiber und gestartete Services auf. Die zur Auto-Start-Optimierung wichtigen Infos finden Sie im Register Logon. Im Gegensatz zu Msconfig liefert Autoruns auch Beschreibungen und listet – falls vorhanden – den Herstellernamen auf.

Eine große Hilfe bei der Suche nach Elementen, die nicht mit Windows starten müssen. Gut geeignet zum Aufspüren unnötiger Autostarts sind auch die Tools Codestuff Starter 5.6.2.0 und Autostart Manager 2006.

Tipp: Auf Rechnern, auf denen regelmäßig neue Software installiert wird, ist es ratsam, von der Autoruns-Vergleichsfunktion Gebrauch zu machen. Damit erkennen Sie schnell, welche neuen Elemente die XP-Autostart-Funktion nutzen. Starten Sie Autoruns und wählen Sie File/Save As. Geben Sie den Speicherordner an, und tippen Sie einen aussagekräftigen Dateinamen ein, etwa das aktuelle Datum. Den eigentlichen Vergleich führen Sie so durch: Klicken Sie auf File/Compare und laden Sie die Protokolldatei. Alle neu hinzugekommenen Elemente hebt das Tool durch eine grüne Markierung hervor.


Startbremse Windows-Dienste

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Hand in Hand mit den automatisch initialisierten Anwendungen gehen die während des Hochfahrens geladenen XP-Dienste. Ratsam ist es, auch die Services einer Überprüfung zu unterziehen, da Windows in der Standardeinstellung einige Dienste lädt, die für einen reibungslosen Betrieb nicht zwingend nötig sind.

Statt die Konfiguration aber in Eigenregie durchzuführen, sollten Sie zum bewährten Kommandozeilen-Tool SVC2KXP 2.2 Build 7b greifen. Handelt es sich um einen Einzelplatzrechner, der nicht in einem LAN eingebunden ist, führen Sie die Datei svc2kxp.cmd aus und entscheiden sich für die Option <3> ALL. Den Startvorgang von Netzwerk-PCs beschleunigen Sie hingegen durch die Option <2> LAN.


Streitthema Prefetching

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Windows XP analysiert das Startverhalten des Rechners und Nutzerverhalten des Anwenders. Anhand der gewonnenen Informationen lädt XP die für den Startvorgang wichtigen Dateien in optimaler Reihenfolge. Außerdem werden Teile häufig genutzter Programme gleich mitgeladen.

Ein Blick auf die im Ordner Windows\Prefetch gespeicherte Datei Layout.ini zeigt, welche Komponenten in den Genuss der Optimierung kommen. Die Datei NTOSBOOT-B00DFAAD.pf ist für den Bootvorgang zuständig. Mit dem Programm Strings können Sie den Inhalt der Datei ansehen. Tippen Sie dazu strings.exe C:\Windows\Prefetch\NTOSBOOT-B00DFA AD.pf > bootprefetch.txt in die Kommandozeile ein. Die anderen in diesem Verzeichnis abgelegten PF-Dateien dienen zum schnelleren Start häufig genutzter Anwendungen. Der Boot-Prefetcher verwendet nur die Infos der letzten acht Starts. Aus diesem Grund bringt es keinen Vorteil, den Ordner zu leeren.


Messungen der Windows-Startgeschwindigkeiten

Der 10-Sekunden-Start