Screen Recording
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Interaktive Hilfen, aufgenommene Präsentationen und Demovideos werden für die erfolgreiche Produktpräsentation immer wichtiger. Wie Sie eine solche Aufnahme fürs Web realisieren, verrät dieser Artikel.

Visuelle Hilfen

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Im Bereich der Demos, Hilfen und der Wissensvermittlung wirken sich die stetig steigenden Webbandbreiten positiv aus. Über die Jahre sind Videos zum integralen Bestandteil geworden, und in Verbindung mit dem gesprochenen Wort oder eigenen Hilfetexten und Informationen entstehen völlig neue Anwendungen. Dass bewegt und bunt nicht immer gleichzeitig gut sein muss, ist zwar eine oft beobachtete Tatsache, hält den Trend zu interaktiven, anschaulichen How-tos und anziehenden Produkt-Demos aber nicht auf.

Um die eigenen Schritte am Rechner nachzuvollziehen und als Video zu speichern, bieten sich so genannte Screen-Recording-Werkzeuge an. Diese Programme schneiden das Geschehen auf dem Bildschirm oder in einem Teilbereich des Bildschirms mit und nehmen teilweise noch zusätzlich Audio-Informationen auf. Was dabei zu beachten ist, erfahren Sie in diesem Artikel. Außerdem zeigt ein Beispiel, wie Sie mit der Software Camtasia ein Video vom Bildschirm aufnehmen.


Formate en masse

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Spricht man über Videos für das Web, taucht als Erstes die Formatfrage auf. Die Frage ist, in welchen Playern und Plug-ins Ihr Video funktionieren soll. Der Windows Media Player mit WMV rühmt sich zwar großer Verbreitung, schließt aber Linux- und Mac-Nutzer komplett aus. Der Real Player und Apples Quicktime sind auch auf diesen Plattformen daheim, haben aber auch individuelle Nachteile. Der Real Player kann mit seinen vielen Nachfragen beispielsweise ein recht lästiger Geselle für den Anwender werden. Soll Ihr Video wirklich plattformübergreifend und in den Browser integriert sein, bietet sich als Alternative ein Flash-Film an, der den Videocodec direkt integriert hat.

Die Vielzahl an möglichen Formaten stellt an Screen-Recording-Programme natürlich die hohe Anforderung, möglichst verschiedene Formate zu konvertieren. Hier lassen sich am Markt Spezialisten von Allroundern unterscheiden. Beispielsweise bietet das Open-Source-Tool Vnc2swf ein Capturing von virtuellen Computern mit Real VNC zu SWF, sprich einen Flash-Film als einziges Ausgabeformat. Das kommerzielle Programm Camtasia dagegen produziert mehrere Formate. Die Spanne reicht hier von den Standardvideoformaten wie AVI, WMV und MOV über Real-Media-Dateien mit und ohne Streaming bis hin zu Webformaten wie GIF-Animationen, SWF und FLV (Flash Video).


Besondere Fähigkeiten

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Eines der Hauptprobleme beim Screen-Recording sind die hohen Datenmengen. Die Taktiken der einzelnen Programme sind hier unterschiedlich. Einige Programme wie Macromedia Captivate simulieren den Weg der Maus. Dadurch ändert sich nur ein sehr kleiner Teil der Oberfläche und der Hintergrund bleibt gleich. Echte Bewegungen können allerdings auch als Animationen aufgenommen werden. Die meisten Größeneinsparungen realisieren Sie aber über das Videoformat und die gewünschte Komprimierung. Sie sollten bei der Wahl einer Screen-Recording-Software darauf achten, ob sie im gewünschten Format gut komprimiert oder ob sie zumindest ein Austauschformat zur Verfügung stellt, das dann mit einer Videobearbeitung verkleinert werden kann.

Sind die wichtigsten Fragen zu Format und Komprimierung getestet, geht es um die Funktionalität. Hier ist wichtig, welche Bildschirmbereiche aufgenommen werden. Bei den Allroundern können Sie festgesetzte Bereiche, Fenster oder gar den ganzen Bildschirm wählen. Für das Web sollten die Videomaße aber tendenziell eher kleiner sein, da sonst die Dateigröße ausufert. Für Online-Hilfen und Demos ist als weitere Funktion unbedingt notwendig, dass das Screen-Recording-Programm Audio über Mikrofon mit aufnehmen kann. Sind diese Fähigkeiten gegeben, lässt sich bereits ein einfacher Film erstellen. Komfortfunktionen wie eine besonders einfache Möglichkeiten, Powerpoint-Präsentation mitzuschneiden, sind zwar hilfreich, aber nicht unbedingt notwendig.


Camtasia im Einsatz

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Am Beispiel von Camtasia soll gezeigt werden, wie Screen-Recording funktioniert und worauf Sie achten müssen. Die Wahl fiel auf Camtasia, da es bei relativ günstigem Preis sehr viele Funktionen bietet und eine hervorragende Datenkomprimierung an Bord hat. Einen Workshop mit Macromedia Captivate finden Sie übrigens in Internet Professionell, Ausgabe 1/2005.

Prinzipiell gilt, dass Sie vor dem Aufzeichnen im Kopf haben sollten, was in etwa in dem Video vorkommen soll. Auch eine ungefähre Videolänge sollten Sie anpeilen. Vor allem zu lange Videosequenzen überfordern die Aufmerksamkeit des Betrachters und meist auch die Bandbreite seines Internet-Anschluss. Camtasia ordnet die aufgenommenen Clips in einem Projekt. Beim Start werden Sie gefragt, ob Sie das Projekt aus einer neuen Aufnahme oder mit bestehenden Dateien starten sollen. Starten Sie hier mit einem neuen Projekt und einer neuen Aufnahme.

Sie werden daraufhin gefragt, welcher Bereich des Bildschirms für die Aufnahme herangezogen werden soll. Sie können den Bereich selbst aufziehen, ein Fenster oder den gesamten Bildschirm wählen.

Wenn Sie ein Fenster verwenden, wandelt Camtasia automatisch die Maße und die Position des Fensters in Koordinaten für einen festen Bereich um. In diesem Bereich können Sie selbstverständlich auch andere Fenster sichtbar machen. Im vorliegenden Beispiel soll das Fenster den Browser darstellen. Das Fenster erhält eine feste Größe von 800×600 Pixel. Um das zu erreichen, skalieren Sie das Browserfenster oder ziehen zuerst den Bereich auf und passen dann das Fenster darin an. Achten Sie aber auf jeden Fall darauf, das Fenster nicht nachträglich zu verschieben. Kleine Ungenauigkeiten, und sei es nur eine um einen Pixel falsche Position, wirken in einem Video verheerend.

Als Nächstes legen Sie fest, ob zusätzlich zur Bildschirmaufnahme auch Audio oder ein Video per Webcam aufgenommen wird. Die Audio-Aufnahme werden Sie gerade für längere Videostücke aktivieren. Sie benötigen dafür ein Headset oder ein Mikrofon. Hier ist – neben einer guten Sprechstimme – vor allem die Qualität des Mikrofons und eine geringe Geräuschkulisse in der Umgebung entscheidend. Schon der Lüfter des eigenen Rechners kann sich renitent in die Audiospur legen. Das Mikrofon sollte vor allem in ausreichender Lautstärke aufnehmen und Störgeräusche filtern können. Die Audioaufnahme ist es auch meistens, die bei professionelleren Produktionen nachbearbeitet werden muss und die am meisten Sorgfalt erfordert.

Neben der Audio-Aufzeichnung erlaubt Camtasia, gleichzeitig mit dem Screen-Recording auch von einer Webcam Bilder aufzunehmen. Diese können dann als kleinere Darstellung in das Hauptvideo eingeklinkt werden und so beispielsweise den Referenten zeigen, während er eine Präsentation hält. Speziell für Maus- und Tastenklicks nimmt Camtasia auf Wunsch auch eigene Sounds mit in das Video auf. Sie finden diese Optionen auch bei der Aufnahme im Camtasia Recorder.


Kamera ab: Die Aufnahme

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Im nächsten Schritt geht es an die eigentliche Aufnahme. Dafür verwendet Camtasia standardmäßig zwei Tasten: [F9] startet die Aufnahme oder pausiert sie. [F10] beendet eine Aufnahme und speichert das Video. Vorsicht: Wenn Sie eine Aufnahme einmal mit [F10] gestoppt haben, können Sie das Video nur noch verlängern, indem Sie einen neuen Videoclip aufnehmen und die beiden zusammenschneiden.

Die Tastenkombinationen für das Aufnehmen und Beenden der Aufnahme lassen sich in den Optionen ändern. Im Register Tastenkombinationen finden Sie alle notwendigen Angaben. Statt der Tastenkürzel können Sie beim Aufnehmen auch die Schaltflächen im Camtasia Recorder verwenden. Allerdings hat das den Nachteil, dass Sie mit der Maus während der Aufnahme aus dem Bild fahren müssen und dann noch einen Moment brauchen, bis Sie auf die Schaltfläche geklickt haben.

Die z
weite Hürde neben der Audioaufnahme besteht darin, nicht den vorherigen Status des Fensters oder die Mausposition zu verändern, wenn Sie pausieren. Wenn Sie beispielsweise die Firefox-Erweiterungen vorstellen, gerade im Browser scrollen und sich versprechen, ist es schwierig, die richtige Anknüpfposition wieder zu finden, damit das Video reibungslos aussieht. Außerdem sollten Sie die Maus nur sehr gezielt bewegen und nicht während des Sprechens mit der Maus hin- und herfahren. Dies macht auf den Zuschauer einen sehr unruhigen Eindruck.


Nachbearbeitung

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Wenn Sie die Aufnahme beendet haben, speichern Sie sie als Camtasia-Aufnahmedatei mit der Dateierweiterung CAMREC. Vorher erhalten Sie allerdings noch eine Vorschau im Camtasia-eigenen Player. Sobald Sie die Aufnahme gespeichert haben, haben Sie die Wahl, ob Sie eine weitere Aufnahme erstellen, die Aufnahme bearbeiten oder das Video in einem Ausgabeformat produzieren möchten.

Bei den letztgenannten Optionen öffnet sich das Camtasia Studio. Diese Bearbeitungsoberfläche enthält die Videoclips aus Ihrer Aufnahme, als Vorschau den Camtasia Player und im unteren Bereich eine Zeitleiste, auf der Sie Audio- und Videospuren mixen können. Sie können hier einzelne Clips durch Drag and Drop einfügen und dann über die Symbole über der Zeitleiste ausschneiden, ein- und ausblenden und bearbeiten.

Wenn Sie das Ausgabeformat produzieren, erscheint direkt ein Assistent. Den können Sie allerdings auch jederzeit über den Befehl Video produzieren aus der Symbol- oder Taskleiste des Studios aufrufen. Zu Anfang sehen Sie nur die wichtigsten Formate, können weitere aber per Klick auf Mehr Dateiformate einblenden. Für MOV und FLV benötigen Sie Quicktime auf dem System. FLV braucht zusätzlich den Flash Video Encoder von Macromedia, der bei den Professional-Versionen von Flash dabei ist.


Flash-Film

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Je nach Format erhalten Sie im nächsten Dialogfeld die jeweiligen Einstellungsoptionen. Im Fall eines Flash-Films (SWF) betreffen die wichtigsten die Komprimierung und die Ablaufgeschwindigkeit. Dazu kommen die Angaben für die Audiospur und unter Erweiterte SWF-Optionen Einstellungen für den Ablauf des Flash-Films.

Im nächsten Schritt bestimmen Sie die Videogröße. Die klare Empfehlung geht hier dazu, die Originalgröße zu erhalten. Eine Verkleinerung sorgt immer für leichte Qualitätseinbußen, und eine Vergrößerung klappt so gut wie nie. Deswegen ist es in der Praxis auch sehr wichtig, schon beim Erstellen des Videos die endgültige Größe im Blick zu haben.

In den nächsten Dialogfeldern können Sie noch für Spezialanwendungen einige Einstellungen treffen. Beispielsweise lässt sich das Video mit einem Wasserzeichen versehen oder nach dem Scorm-Standard für E-Learning exportieren. Aus mehreren Clips kann Camtasia außerdem dynamisch ein Inhaltsverzeichnis erzeugen.

Zum Schluss wählen Sie den Namen und Speicherort für das produzierte Video. Im vorliegenden Beispiel wird ein SWF erzeugt, das dann zusammen mit einer HTML-Datei und einem Controller gespeichert wird. Der Controller besteht aus einer SWF- und einer XML-Konfigurationsdatei, die die notwendigen Flash-Einstellungen vornehmen. Ist das festgelegt, rendert Camtasia das Video. Sie erhalten eine Zusammenfassung des Ergebnisses mit allen relevanten Daten.


Mehr Funktionen

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Die hier gezeigte einfache Filmproduktion ist natürlich nicht alles, was Camtasia kann. Neben dem Studio, dem Player und dem Recorder gibt es noch weitere Camtasia-Programme. Der Audio-Editor erlaubt das detailliertere Bearbeiten der Tonspur. Mit Theater und Menumaker erstellen Sie für Ihr Video eine Navigation. Das Theater ist der zentrale Menüverwalter, einzelne Menüs entwickeln Sie mit dem Menumaker. So lassen sich Titelclips und Steuerungen anlegen. Und auch bei der Aufnahme lassen sich noch mehr Optionen nutzen: Beispielsweise gibt es die Möglichkeit, Markierungen, so genannte Callouts, zu setzen und einfache Kameraschwenks einzubauen. Für diese nicht alltäglich benötigten Optionen helfen die umfangreiche Online-Hilfe und die Dokumentation weiter.


Fazit

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Screen-Recording eignet sich für unterschiedliche Anwendungen. Klar ist auch, dass man sich aktuell noch mit einem gut gemachten Video von der Masse abheben kann. Auf Dauer ist allerdings damit zu rechnen, dass kleine Videos nicht mehr nur bei Software-Anbietern zum guten Ton gehören.