Die Kristallkugel für den IT-Manager
Ein Vorgeschmack auf die Zukunft

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Die Chief Information Officers werden merken, dass sie im Jahr 2010 eine wesentlich zentralere Rolle im Unternehmensgeschehen einnehmen werden.

Nicht so wie in BladeRunner

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Im Jahr 2010 wird sich das Leben zwar nicht ganz so abspielen, wie in dem Science-Fiction-Film BladeRunner , wo es fliegende Autos und sprechende Roboter gibt – aber der technologische Fortschritt wird trotzdem für eine radikale Veränderung der Arbeitswelt sorgen.

Was also könnte auf der “To do”-Liste eines CIO stehen, wenn er sich auf kommende Zeiten vorbereiten will?

Ein Bereich, der mit Sicherheit Veränderungen unterworfen sein wird, ist die Erwartungshaltung der IT-Nutzer – und die Hiobsbotschaft hierbei ist, dass diese dann das Leben der CIOs sicherlich nicht leichter machen werden. Weil Techniken wie Breitband und mobile Mail heutzutage von Hinz und Kunz genutzt werden, erwarten die Nutzer einfach mehr von ihren IT-Abteilungen.

Auch rechnen sie damit, dass die IT ihr Leben in noch anderen Bereichen erleichtert. Bereits fast ein Viertel der Menschen, arbeitet zumindest teilweise zu Hause, und da diese Anzahl ständig wächst, muss der CIO die firmengebundene IT auf das häusliche Umfeld erweitern – und das, ohne die Sicherheit zu beeinträchtigen.


Globale Kompetenz ist gefragt

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Damit nicht genug, denn der Zuwachs an Auslagerungen ins Ausland fordert von den CIOs, dass sie das Erbringen von IT-Dienstleistungen auf anderen Kontinenten überblicken und dabei Herausforderungen wie die Infrastruktur in der Dritten Welt und die internationale Zeitzonen meistern.

Hierzulande bereitet der unaufhörlich wachsende Datenberg Kopfschmerzen, und die werden bis 2010 sicher noch stärker werden. Denn immer mehr Daten werden in digitalem Format erzeugt – so wird es beispielsweise mit der zunehmenden Nutzung von Voice over IP sogar möglich und gleichzeitig auch noch wirtschaftlich sein, betriebliche Sprachkommunikation zu speichern.

Nicht zu vergessen sind die zunehmende Last von Vorschriften und unsere immer mehr prozesssüchtige Gesellschaft, die eine Angstkultur kultivieren wird, wo Unternehmen und Organisationen Daten zum reinen Selbstschutz speichern. Der CIO steht nun zum einen unter dem Druck, sichere und erschwingliche Speicherkapazität zu beschaffen und zum anderen, Suchtechnologien bereitzustellen, um die Datenmassen zu steuern.


IT drint ins Unternehmensherz vor

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Aber es gibt nicht nur schlechte Nachrichten. Die Rolle des CIO wird in dem Maße mehr ins Zentrum des Geschehens rücken wie die IT stärker in die Betriebsabläufe integriert und für diese entscheidungsrelevant wird. Die IT wird in die tagtäglichen Unternehmensprozesse Eingang finden. So wird beispielsweise die zunehmende Nutzung der digitalen Kommunikation dem analogen Telefon den Todesstoß versetzen und Videokonferenzen und Webseminare zu ganz alltäglichen Kommunikationsmethoden quer durch das gesamte Unternehmen werden lassen.

In den 90er Jahren gab es viel Rummel um das Wachstum der Vrekaufswege über das Internet. Bis 2010 wird der vorher überzogene “Hype” E-Commerce aber seinen Durchbruch geschafft haben – und Online-Shopping wird den physikalischen Einkaufstempeln den Rang ablaufen. Einzelhandelsunternehmen werden auf das Web umsteigen oder aus dem Rennen geworfen durch neuere, rein webbasierte Anbieter. Die erfolgreichsten CIOs werden diejenigen sein, die diese Gelegenheit zu nutzen wissen, um mit der Informationstechnologie ins Herz des Unternehmens vorzudringen.


Der Druck bleibt

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Es gibt aber Dinge, die auch 2010 noch Bestand haben werden. Weiterhin wird der CIO unter Druck stehen, Kosten zu senken. Vielleicht wird man aber auf einige der preisgünstigen Alternativlösungen zurückgreifen können, die mittlerweile ausgereift sind, wie z.B. ThinClient-PCs auf den Schreibtischen und OpenSource Software im Netz.

Der Sicherheit wird weiterhin hohe Priorität eingeräumt werden. In einer Unternehmensumgebung, die wesentlich stärker vernetzt ist, sind die Auswirkungen eines Sicherheitsbruchs höher, insbesondere, wenn die Grenzen zwischen Back- und Front-Office-Systemen verschwinden. Viren, Würmer und anderer bösartiger Code wird nicht nur das IT-Gefüge des Unternehmens schädigen, sondern auch Telefonsysteme, Fertigungsstraßen und Geräte für die Abwicklung von Verkaufsvorgängen.


Juristische und bildungsorientierte Gefahren

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Die wachsende Abhängigkeit von mobilen Geräten bringt auch noch Gefahren in eigener Sache mit sich. Manchmal kommt die Bedrohung aus einer Ecke, wo man sie gar nicht vermutet. Wenn man es auch erst einmal schaffen muss, die BlackBerrys durch substanzielle, elektronische Bedrohungen in die Knie zu zwingen, so waren Anfang des Jahres 3,2 Millionen Nutzer in den USA dennoch von einem Dienstausfall bedroht (http:// www.computing.co.uk/2154066), der nicht von einem Virus hervorgerufen wurde, sondern durch gerichtliches Vorgehen.

Auch der Mangel an beruflicher Qualifikation wird weiterhin ein Problem auf der Tagesordnung sein. Während die ständige Zunahme an IT-Training weltweit für einen immer größeren Pool von technischen Spezialisten sorgen wird, werden nur die größten Unternehmen Anstrengungen unternehmen, die besten Talente zu rekrutieren und zu halten.

Die wirklich hochkarätigen IT-Absolventen strömen zu den globalen Systemintegratoren, Outsourcern und Beratungsunternehmen, in denen die IT eine Kernkompetenz darstellt, die sie in die Vorstandsetage katapultieren kann – und wo sie nicht Gefahr laufen, ins Back Office verbannt zu werden.


CIOs hoffentlich bald so wichtig wie Finnzdirektoren

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Lässt man sich auf Vorhersagen für die Zukunft ein, so ist es immer einfach, die Auswirkungen einer kurzfristigen Veränderung über zu bewerten und die langfristigen Folgen zu vernachlässigen. Bis 2010 sind es nur noch vier Jahre und deshalb ist es eher unwahrscheinlich, dass zu diesem Zeitpunkt die Arbeitswelt einer Szene aus der US-Zeichentrickserie “Jetson Family” (die Feuersteins der Zukunft) gleichen wird.

Kosten, Leistung und Sicherheit werden weiterhin die Gemüter der CIOs bewegen, aber es wird sowohl mehr Möglichkeiten als auch mehr Risiken geben – schon deshalb, weil die IT immer mehr Lebensbereiche durchdringt. Deshalb wird die Rolle des CIO noch entscheidender für den Erfolg des Unternehmens sein.

Vielleicht wird als wichtigstes Maß für die Veränderung ihres Status das Verhalten von Aktionären sein, wenn diese beginnen, der Ernennung eines CIO ein ebenso großes Interesse entgegenzubringen, wie sie es heute bei der Ernennung des Finanzdirektors tun.

Die Autoren
Neville Howard ist Consulting-Partner für und Lee Ayling leitender Angestellter bei Deloitte Consulting.