HDTV
Die Wahrheit über HD

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High Definition: Brillante Bilder auf riesigen Displays, so verspricht es die Werbung. Doch ohne Kaufberatung greift der Kunde schnell zum falschen Gerät.

HDTV mit Sat und Kabel

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Am Anfang war das Bild: So oder ähnlich müsste die HD-Schöpfungsgeschichte eigentlich beginnen. HD-Bildschirme gibt es derzeit zwar, HD-Filme oder -Sendungen sind dagegen rar. HDTV-Bilder bekommt der Zuschauer im Moment nur über Premiere, Sat1 und Pro7. HDTV-Sender sind flächendeckend nur über Satellit zu empfangen. Für die Fußballweltmeisterschaft braucht es sogar ein Premiere-HD-Abo für satte 440 Euro.

Eine Analog-Sat-Anlage reicht nicht aus, zum Empfang ist ein digitaler LNB (Low Noise Block Converter) nötig. Sat-Schüsseln gibt es mit Digital-LNB für rund 100 Euro beispielsweise über eBay.


Neue Empfänger braucht das Land

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Egal, ob Sat oder Kabel. Zum Empfang von HDTV wird ein Receiver fällig, meist eingebaut in eine Set-Top-Box, die im Wohnzimmer steht und an das TV-Gerät angeschlossen wird. Die Box muss für HDTV-Empfang den neuen MPEG-4-Standard mit der leistungsfähigen, aber rechenintensiven H.264-Kompression decodieren können.

Geeignete Sat-Set-Top-Boxen (DVB-S2-tauglich) gibt es von Humax, Pace und Philips. Wichtig: In der Box sollte das Conditional Access Module (CAM) integriert sein. Es nimmt eine Smartcard auf, die die digitalen Programme entschlüsselt. Die TV-Anstalten wollen nämlich möglichst bald die Fernsehprogramme sowohl in PAL als auch in HDTV verschlüsselt über Satellit ausstrahlen, und können somit nur per Smartcard entschlüsselt werden – klassisches Free to air ist damit Vergangenheit.

Zum Empfang von HDTV via Kabel ist ebenfalls ein spezieller, MPEG-4-tauglicher HD-Receiver notwendig. Derzeit gibt es allerdings noch keine regulären HDTV-Sender für ganz Deutschland. Rechtzeitig zur WM speist der Kabelanbieter »Kabel Deutschland« HD-Signale in sein bundesweites Kabelnetz. Bis dahin soll auch der erste Kabel-HDTV-taugliche und von Premiere zertifizierte Receiver von Humax erhältlich sein.


Alternativen zu Sat und Kabel

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Der mit Millionenaufwand etablierte Fernsehstandard DVB-T wird ohne HDTV auskommen müssen. Technisch ist dies zwar ohne Probleme möglich, Australien und Taiwan sind die besten Beispiele. Dafür müsste man allerdings die Programmvielfalt in Deutschland stark einschränken – die Bandbreite für HDTV ist bei DVB-T zu knapp.

Noch ein wenig zögerlich setzen sich die Tripleplay-Angebote (TV, Telefon und Internet über ein Kabel) einiger Provider durch. Die Telekom startete im Mai mit einem Feldversuch in einigen Städten, und will damit auch HDTV auf diesem Wege empfangbar machen. Dafür ist allerdings ein breitbandiger Anschluss notwendig, der erst mit VDSL (Very High Speed Digital Subscriber Line) eingeführt wird. Die Datenübertragung (maximal 52 MBit/s) erfolgt via Glasfaserkabel bis zur letzten Meile. Danach werden die Daten in der Regel via Kupferkabel durch das Haus geleitet.

Klar im Vorteil sind dabei die Haushalte, die bisher benachteiligt waren: nämlich die im so genannten OPAL-Gebiet. OPAL steht für »Optischer Anschluss«, ein Umstand, den gerade Haushalte im Osten Deutschlands mit der Abwesenheit von DSL bezahlt haben. Wann es erste HDTV-Inhalte über VDSL geben wird, ist noch unklar. Daher ist der einfachste Weg momentan der Empfang via Satellit. Wer also auf eine möglichst große Programmvielfalt (Standardauflösung) setzt und schnell vom HDTV-Angebot profitieren will, ist mit dem Satellitenempfang auf der sicheren Seite.


HD: (K)eine Frage der Auflösung

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Auf fast allen HD-Bildschirmen, selbst bei den günstigen Supermarkt-Displays, prangt inzwischen das HD-ready-Logo. Damit signalisiert der Hersteller, dass der Bildschirm den vorgegebenen HD-Standards der Organisation EICTA entspricht. Für die Auflösung bedeutet das: mindestens 720 Zeilen im Widescreen-Format 16:9.

Die EICTA-Vorgabe ist allerdings schwammig, und so gibt es im Handel Monitore mit unterschiedlichsten Auflösungen. Davon sollte man sich als Kunde nicht beeindrucken lassen, denn die native (physikalische) Auflösung des Bildschirms in Pixel mal Pixel sagt nichts über die tatsächliche Bildqualität des Displays aus. Beispielsweise gibt es Displays mit 1920 x 1080 Pixel Auflösung (Full HD), die HD-DVDs deutlich unschärfer als Bildschirme mit einer nativen Auflösung von 1280 x 720 wiedergeben. Auch der Gelehrtenstreit, ob 720p (Vollbild mit 720 Zeilen) oder 1080i (Halbbild mit jeweils 520 Zeilen) besser ist, sollte bei der Display-Kaufentscheidung keine Rolle spielen. Alle deutschen Sender arbeiten mit einer Auflösung von 1080i.

Daher unsere Empfehlung: Immer das Gerät vor dem Kauf vor Ort ansehen, und zwar am besten im Fachhandel und nicht bei Mediamarkt & Co. Denn in großen Elektronikmärkten werden selbst teure Flachbildschirme in den wenigsten Fällen mit einem qualitativ hochwertigen und somit aussagekräftigen High-Definition-Signal versorgt.


LCD-TV oder Plasma?

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Immer wieder wird erbittert darüber diskutiert, ob Plasma oder LCD die bessere Technologie ist. Tests im PCpro-Labor zeigen: Die Schwächen von LCD und Plasmas sind nahezu ausgemerzt. So ist der Blickwinkel der LCD-Geräte mittlerweile voll fernsehtauglich, Gleiches gilt für die Farbdarstellung.

Im Stromverbrauch geben sich die beiden Technologien nichts: Ein 42-Zoll-Gerät verbraucht etwa 200 Watt, ein vergleichbarer LCD-Bildschirm in etwa 225 Watt. Auch das Einbrennen bei Plasmas ist bei sachgemäßer Handhabung des Geräts kein Problem. In Sachen Bildqualität haben die Plasmas insgesamt einen leichten Vorteil.


Die wichtigsten Fragen zum Display-Kauf

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Billig- oder Markenfernseher: Die Unterschiede liegen häufig in der signalverarbeitenden Elektronik. Billig-Flachbildschirme haben beispielsweise häufig Probleme, das aktuelle Standard-TV-Signal (PAL) auf die native Bildschirmauflösung zu skalieren. Wer viel ARD und ZDF (Sendungen in PAL) sieht, ist mit hochwertigen Geräten erfahrungsgemäß besser bedient.

Größe des Fernsehers: Hängt von der Sehgewohnheit und von den Räumlichkeiten ab. Als Faustregel für den Abstand bewährt sich bei Widescreen-Bildschirmen (16:9) folgende Rechnung: Das Zweifache der Bilddiagonale wird von vielen als angenehmer Abstand empfunden. Bei einem 42-Zoll-Bildschirm reichen knapp 2 Meter Abstand. Kleiner als 30 Zoll sollte der TV im Wohnzimmer nicht sein. Vorsicht: Die Flachbildschirme produzieren Abwärme. Immer etwas »Luft« lassen, damit die Displays nicht überhitzen.

16:9- oder 4:3-Fernseher: Dem 16:9-Fernsehformat gehört die Zukunft. Beispielsweise wird die WM 2006 nur in diesem Widescreen-Format ausgestrahlt.

Plasma oder LCD: Beide Technologien sind in der Bildqualität inzwischen nahezu gleichwertig. Entscheidend ist die Bilddiagonale: Ab 42 Zoll Bilddiagonale sind Plasmas in der Regel günstiger, bei kleineren Bilddiagonalen sind LCDs empfehlenswerter.

Kompatibilität zwischen Receiver und HD-Bildschirm: Vor dem Kauf der Geräte die Kombination ausprobieren. Nicht jeder Fernseher versteht auch das HDMI-Signal des Receivers. Auch die DVI-Schnittstellen sind nicht immer untereinander kompatibel.

HDMI oder DVI: HDMI (High Definition Multimedia Interface) ist die TV-Schnittstelle der Zukunft, quasi der digitale Nachfolger von analogem Scart, und wird langfristig Standard sein. Allerdings: HDMI-Kabel kostet teilweise doppelt so viel die DVI-D. Dafür sind bei HDMI längere Kabellängen möglich (15 Meter HDMI, 5 Meter DVI-D).