Don´t touch my Music: Vatikan will Dance-Hit online wie offline verbieten

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INQ_TouchMyMusic.jpg Da merkt man doch gleich wieder, dass der amtierende Papst vorher der Ober-Inquisitor (ja, die nennen das jetzt anders) der Römischen Kirche war: Ein Verbot gegen einen Pop-Song, den jeder überall hören, downloaden, kaufen und auflegen kann, wollen die Jungs in Schwarz durchsetzen. Und zwar NUR in den deutschsprachigen Ländern.

Konkret richtet sich der katholische Zensurversuch gegen den neuen Song “Touch my Body” von Produzent De Lancaster. Namentlich das päpstliche Institut für kirchliche Musik im Vatikan schickte gestern eine gerichtliche Anklage und fordert das Verbot des Hitparaden-Songs, der in den deutschen Clubhits nur auf Platz 20 rangiert. Auch Radio Vatikan hatte sich bereits über das Lied beschwert.

“Erst, wenn eine konkrete Ehrenbeleidigung, wie zum Beispiel eine Herabsetzung und Entwürdigung der religiösen Lehre vorliegt, könne der Vatikan mit dem Verbot des Songs rechnen. Ansonsten kommt die Meinungs- und Kunstfreiheit als Grundrecht zur Geltung, die somit die Veröffentlichung des Stückes erlaubt”, kommentiert Anwalt Axel Anderl, Experte für Medienrecht, den römischen Vorstoß in Österreich, Deutschland und der Schweiz.

Die kirchlichen Polemiken richten sich gegen den Song-Titel, die sexistischen Szenen des Videos und eines Bibel-Zitats (“Du sollst nicht zahlen den Hurenlohn”). Nach den ganzen Provokationen durch Madonna wirkt diese Reaktion etwas unverständlich. Das Münchner Musiklabel von De Lancaster, SizeMusic, wollte die Angelegenheit mit einer Geldspende aus der Welt schaffen, doch das wurde von der Kirchenführung dankend abgelehnt. Die verlangt, den Titel überall aus dem Sortiment zu nehmen. “Wir werden unser Ding durchziehen, ob mit oder ohne Segen des heiligen Vaters”, so die trockene Antwort vom Plattenlabel. (rm)