Zukunft ungewiss: Draft-N-WLAN-Produkte
WLAN-Standard-Wirrwarr

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Noch ist der neue WLAN-Standard IEEE 802.11n nicht fertig. Das hält die Hersteller aber nicht davon ab, schon mal halbfertige Produkte anzubieten.

600 MBit in der Sekunde

Zukunft ungewiss: Draft-N-WLAN-Produkte

Die neueste Zutat in der WLAN-Buchstabensuppe heißt IEEE 802.11n. Das Besondere daran ist, dass der Standard zu den Vorgängern 802.11a und 11g abwärtskompatibel ist. Diese vertragen sich untereinander aber nicht. Erfreulich ist auch das Versprechen, dass 802.11n-Geräte Bruttodatenraten von 600 MBit in der Sekunde schaffen sollen, also mehr als das Zehnfache des heute gebräuchlichen 802.11g.

Doch noch ist der Standard nicht finalisiert – Anfang Januar einigten sich die 27 Firmen hinter 802.11n auf eine Vorabversion – und somit können auch noch keine 11n-fähigen Produkte in den Handel kommen. Wahrscheinlich wird sich die Finalisierung der Norm ins Jahr 2007 verschieben, bis alle Probleme gelöst sind. So ist nicht klar, wie die hohen Datenraten zustande kommen sollen.


Hohes Risiko mit mäßigem Nutzen

Zukunft ungewiss: Draft-N-WLAN-Produkte

Das hält Firmen wie Netgear, Belkin, D-Link, Buffalo oder Linksys nicht davon ab, WLAN-Equipment auf Basis des Vorabstandards (Draft) auf den Markt zu werfen. Ganz klar mit »Draft-N« gekennzeichnet, tragen sie die Unvollständigkeit schon im Namen. Den vermeintlichen Fortschritt lassen sich die Hersteller teuer bezahlen: Bis zu 270 Euro werden für einen Draft-N-Access-Point fällig.

Der Nutzen der Investition ist jedoch zweifelhaft. Denn zum einen sind die Vorabprodukte verschiedener Hersteller – ganz entgegen sonstiger WLAN-Gewohnheiten – aufgrund unterschiedlicher Chipsätze nicht zueinander kompatibel. Zum anderen könnten sich die Produkte als Investitionsruinen entpuppen: Keiner weiß heute, ob Draft-N-Geräte mit einem simplen Firmware-Update auf den finalen Standard zu bringen sind oder ob 802.11n Änderungen an der Hardware voraussetzt. Angesichts der hohen Kosten ein sehr hohes Risiko mit mäßigem Nutzen.

Wer heute schon Datenraten über denen von 802.11g will und obendrein hohe Funkreichweiten braucht, der greift besser zu einem der seit langem erhältlichen MIMO-Access-Points.