Podcast mit Loudblog
Audioblog mit PHP

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Noch hat der Weblog-Taumel nicht seinen Höhepunkt erreicht, da gibt es schon eine Steigerung in Form des Audioblogs. Nicht mehr die Augen konsumieren, sondern das Gehör.

Der neue Hype

Podcast mit Loudblog

Podcasting zeichnet sich als der neue Hype im Web ab. Jedermann geht auf Sendung, wenn man den professionellen Webbeobachtern glauben darf. Allein in Deutschland waren zu Beginn des Jahres rund 1300 Podcaster auf Sendung. Und auch die Profis sind schon auf den Zug aufgesprungen. Kaum ein Radiosender kann es sich noch leisten, nicht zumindest einen Teil seiner Sendungen als Podcast anzubieten. Einen Podcast-Kongress gab es ebenfalls, schon veranstaltet am 7. April 2006 vom Eco-Verband in Köln. Bei soviel Aktivitäten darf natürlich auch ein Verband nicht fehlen – der Verband deutscher Podcaster e.V. (www.podcastverband.de). Und es gibt eine Diplomarbeit zu dem Thema, eingereicht an der Fachhochschule Mainz von Gerrit van Aaken (praegnanz.de/weblog/diplom-ist-abgegeben).

Das würde nun in erster Linie akademische Kreise interessieren, wenn nicht der Gegenstand dieser Arbeit ihren besonderen Reiz für Podcaster in aller Welt hätte, nämlich eine Blog-Software, speziell entwickelt für die Präsentation von Podcasts im Web. Der Diplomand hat seinem Werk den Namen Loudblog gegeben und das Motto lautet »Audio-Blogging und Podcasting on your PHP-Server«.


Technik zum Einstieg

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Wer in der Podcast-Szene mitmischen will, kommt um ein paar technische Voraussetzungen nicht herum. Zur Erstellung der notwendigen Audiodateien für einen Podcast wird natürlich entsprechendes Equipment in Form einer Soundkarte und eines Mikrofons benötigt. Außerdem ist eine Software erforderlich, mit der die Sendung aufgezeichnet und in das entsprechende Format gebracht werden kann. Den Hardware-Part bringen die meisten modernen PCs onboard mit. Mikrofone gibt es für wenig Geld und die Software in Form von Freeware in ausreichendem Umfang umsonst. Natürlich kann man dem Thema auch mit Profi-Ausstattung zu Leibe rücken und seinen PC mit entsprechender Hard- und Software in ein digitales Tonstudio verwandeln. Für ein privates Audioblog wäre das jedoch übertrieben.

Das vorherrschende Audio-Format im Podcasting-Bereich ist MP3. Die verwendete Software sollte also in der Lage sein, diesen Output zu produzieren. Auch das dürfte kein größeres Problem darstellen, denn das ist bei den gängigen Freeware-Tools das Format der Wahl. Bleibt noch die Software, mit deren Hilfe das produzierte Audio-Material im Web zur Verfügung gestellt werden kann. Und das ist der Part der PHP-Applikation Loudblog. Wer mehr über Theorie und Programmierung der Software erfahren will, kann sich durch die 65 Seiten der Diplomarbeit des Autors durcharbeiten und dabei viele interessante Details erfahren.


Funktionen von Loudblog

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Wichtiger für den angehenden Podcaster sind die Funktionen, die die Applikation bietet. Sie weist viele Ähnlichkeiten mit klassischen Weblog-Applikationen wie zum Beispiel WordPress auf, nur dass eben nicht das geschriebene Wort im Vordergrund steht, sondern die Sendung. Die Textinhalte dienen eigentlich nur als eine Art Bildunterschrift für den bereitgestellten Podcast. Entsprechend unterentwickelt ist die Ausgestaltung in Sachen Wysiwyg.

Für die Bereitstellung des Audio-Materials gibt es drei Wege: Man kann es via Browser direkt von dem lokalen PC, auf dem es produziert wurde, hochladen, es aus einem per FTP beschickten Ordner auf dem Server übernehmen oder auf einen im Web vorhandenen Fundus zurückgreifen.

Das sollte man jedoch nicht als Aufforderung missverstehen, im Web auf Beutezug zu gehen. Bekanntlich befindet sich die Musikindustrie auf Kriegspfad in Sachen Diebstahl geistigen Eigentums und es ist nicht ratsam, sich da eine Blöße zu geben. Falls es an eigenem Content mangelt, stehen als legale Alternativen die diversen Angebote an lizenzfreier oder Creative-Commons-lizenzierter Musik zur Verfügung, die es durchaus gibt. Unter dem Begriff Podsafe hat sich ein Musikangebot im Web etabliert, das Werke anbietet, die explizit und kostenlos in Podcasts verwendet werden dürfen. Die Website Podsafe Audio (www.podsafeaudio.com) und das Podsafe Music Network (music.podshow.com) sind hier gute Anlaufstellen.

Wichtig für die Präsentation ist natürlich der integrierte Player. Loudblog greift hier auf die Flash-Technik zurück und präsentiert einen Player automatisch neben oder unterhalb des Blog-Eintrags, je nach verwendetem Template. Eine sicher gute Lösung angesichts der großen Verbreitung des Flash-Players auf PCs.

Dazu kommen noch Audioblog-spezifische Spezialitäten: Man kann seine Podcasts mit ID3-Tags versehen. Das sind jene Zusatzinformationen (Metadaten), mit denen man MP3-Dateien anreichern kann. Bei Loudblog geht das über ein Formular, das man optional einblenden kann, um die Daten einzugeben. Folgende Felder stehen zur Verfügung: Titelname, Interpret, Album, Jahr, Titelnummer und Musikrichtung. Ferner kann man den Beitrag mit einem Kommentar und einem Coverbild versehen. Interessant sind diese Metadaten vor allem für Nutzer von iPods und iTunes, da diese Clients ID3-Daten interpretieren und darstellen können.


RSS-Feed automatisch

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Ferner generiert Loudblog noch automatisch einen Feed, mit dessen Hilfe sich Podcaster über das Angebot informieren können, ohne die Loudblog-Website besuchen zu müssen. iTunes-Anwender können mit Hilfe dieses Feeds das Angebot bequem abonnieren und sich so jederzeit auf dem Laufenden halten.

Für die Besucher bietet Loudblog wie klassische Weblogs auch eine Kommentarfunktion, allerdings mit der Besonderheit, dass der Kommentator seinen Beitrag ebenfalls als Audiofile bereitstellen kann. Damit hier nicht dem virtuellen Vandalismus Tür und Tor geöffnet wird, kann der Administrator solche Aktivitäten in vielfältiger Weise begrenzen. Einmal lässt sich die Kommentar-Funktion komplett abschalten, nur auf Textbeiträge beschränken oder die maximale Größe von Audio-Kommentaren begrenzen. Für das Audiobloggen im Team stellt die Software eine Benutzerverwaltung zur Verfügung. Die ist einfach aufgebaut und erlaubt es, einen Mitblogger mit bis zu vier Berechtigungsstufen auszustatten. Weiterhin bietet Loudblog die Option, bei starkem Blog-Aufkommen diese in Kategorien einzuteilen und damit die Übersicht über das Angebot zu erhöhen.


Einfache Installation

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Die Anforderungen, die Loudblog für eine Installation stellt, sind minimal. PHP ab Version 4.3 muss zur Verfügung stehen und eine MySQL-Datenbank ab Version 4. Die Mindestanforderung von einem MByte Webspace dürfte heute kein Problem sein, da selbst Hosting-Einsteigertarife dieses Volumen locker überschreiten. Allerdings dürfen diese Mindestanforderungen nicht über die grundsätzliche Problematik eines Audioblogs hinwegtäuschen.

Multimediadaten zählen immer noch zu den Boliden in Sachen Speicherplatzverbrauch, auch wenn sie im MP3-Format codiert sind. Der Platz auf dem Server dürfte dabei noch das geringere Problem sein. Kritisch kann dagegen die Angelegenheit durchaus im Bereich des Transfervolumens werden, vor allem wenn ein einmal aufgesetztes Audioblog anfängt zu boomen und sich zahlreicher Besucher und Abonnenten erfreut.

Die Verbreitung via RSS-Feed und automatischem Abo durch Clients wie iTunes sorgen für stetige und möglicherweise steigende Nachfrage, die unter Umständen das Freikontingent in Sachen Transfervolumen überschreiten kann. Der Betreiber eines solchen Audioblogs ist daher gut beraten, die Quota mit wachem Auge zu verfolgen.

Will man die Fähigkeiten von Loudblog voll ausschöpfen, sollte die PHP-Installation so konfiguriert sein, sie das Öffnen von URLs per Skript (ini_get(?allow_
url_fopen?) == true)
und den Upload von Files größer als zwei MByte erlaubt. Ersteres ist für die Nutzung von Blogbeiträgen aus fremden Webseiten und Letzteres für die Uploads von umfangreicheren Podcasts oder Kommentaren via Browser hilfreich. Allerdings lässt sich Loudblog auch ohne diese Features betreiben, da ja noch andere Optionen für das Erstellen von Blogs zur Verfügung stehen.

Die eigentliche Installation ist dank eines Setup-Skripts einfach. Das entpackte Archiv wird auf den Webspace übertragen und dann wird install.php gestartet. Der Rest geht Step by Step. Die eingeblendeten Instruktionen liefern alle notwendigen Informationen darüber, was zu tun ist.


Templates und Plug-ins

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Das Aussehen des Frontends kann mit Hilfe von Templates dem Geschmack des Betreibers oder der Besucher angepasst werden. Zwei solcher Templates gehören zur Standard-Installation, der Switch zwischen den beiden erfolgt über den Menüpunkt Einstellungen im Admin-Bereich. Weitere Templates stehen im Download-Bereich der Loudblog-Homepage zur Auswahl.

Auch die Konstruktion eigener Templates oder die Anpassung vorhandener ist keine große Affäre. Alles wird gesteuert von der Datei index.html im jeweiligen Template-Ordner (loudblog/custom/templates/). Hier kann man mit Hilfe von HTML, CSS und Illustrationen sich einfach ein eigenes Outfit für das jeweilige Audioblog zusammenbasteln. Die Logik des Loudblog-Skripts wird durch spezielle Loudblog-Tags integriert, die auf der Projekt-Homepage gut dokumentiert sind.

Um zum Beispiel an einer bestimmten Stelle fünf Postings einzublenden, muss folgender Code an dieser Stelle in das Template-File eingegeben werden:



Code for a single posting goes here

Auch eine funktionale Erweiterung von Loudblog ist mögliche. Sie läuft über Plug-ins, die im Ordner loudblog/custom/plugins abgelegt sind und die das Skript um spezielle Features wie einen Kalender, ein Archiv oder einen RSS-Integrator erweitern. Auch hier steht wieder eine Auswahl an Erweiterungen auf der Loudblog-Homepage zur Verfügung.


Eigene Plug-ins programmieren

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Auch eigene Plug-ins lassen sich programmieren, vorausgesetzt, man verfügt über die notwendigen PHP-Kenntnisse. Die API-Definitionen für ein Plug-in sind einfach. Man packt das gewünschte Zusatz-Feature in eine PHP-Funktion – natürlich können auch mehrere Funktionen verknüpft sein – und legt das Skript im Ordner für Plug-ins ab. Hat man zum Beispiel ein Plug-in nach dem Muster

function helloworld() { }

geschrieben und im Ordner abgelegt, kann es mit folgender Zeile Code

in das Template-File eingebunden werden. Natürlich geht es auch noch etwas komplexer. So können zum Beispiel auch aus dem Template-File heraus Argumente und Attribute an die Funktion übergeben werden.

Anleitungen für die Programmierung und Anwendung eigener Plug-ins gibt es auf der Loudblog-Projektseite. Am besten lädt man sich eine der im Download-Bereich angebotenen Erweiterungen auf seinen PC und studiert an Hand der PHP-Sourcen, wie ein solches Skript aufgebaut ist und welche Effekte es an welcher Stelle beim Einbinden in das Template-File auf dem Frontend von Loudblog schließlich auslöst.


Alle Dateien und Listings zum Workshop finden Sie auf der Heft-CD und unter listings.internet-pro.de.