Der Media Center PC treibt tot im Wasser (Kommentar)

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Wie oft schon wurde der graue Alltags-PC angehübscht, um ihn ins Wohnzimmer zu jubeln? Hat irgendwie nie funktioniert. Warum also sollte es dem Media Center PC da besser ergehen?
INQ_MediacenterPC.jpg Eigentlich hätte es klappen müssen, denn die Marketing-Profi-Jubler schrieben dem System derart viele Funktionen und tolle Eigenschaften zu, dass es kaum noch zu glauben war: ein PC, der nicht mehr nach Computerkiste aussieht, sich nicht so anhört. Ein PC, der zu TV-Apparat wie Internet engste Beziehungen pflegt. Ein PC, der Musik, Video, Fotosammlung und DVD-Filme vorführte. Einfach der ideale PC (Ende der Werbeeinblendung).

Mit einem fetten Plopp zerplatzte jetzt der rosige Traum vom omnipräsenten Media Center PC. Schuld sind die bösen Marktdatensammler von GfK, die schamlos bekannt gaben, dass der Marktanteil sich in den letzten zwölf Monaten je nach Land so um die 5 Prozent eingependelt habe. Keine Spur von Millionenverkäufen, von einer Invasion des Wohnzimmers – nach lächerlichen drei Jahren intensiver Bemühungen. Die wohl im falschen Feld geführt wurden, denn IT-Jünger kennen die MCPCs – und belächeln sie ob der vielen Wundereigenschaften – aber die Besitzer der Wohnzimmer mit ihren guten alten Röhrengeräten (und DVD-Playern!) haben keinen Schimmer von dem Stuben-Rechner. Die Botschaft ist völlig an ihnen vorbeigerauscht. Und dabei schauen die doch im Fernsehen alles an, auch die Werbung. Aber da waren keine attraktiven Models, die sich wohlig um einen Center-PC geräkelt hätten. Keine riesigen Anzeigenkampagnen, keine Titelgeschichten oder sonstigen Berichte über Begeisterungsstürme oder kampierende Käufer. Nichts!

Und Mundpropaganda findet auch keine statt, denn die wenigen Besitzer der Media Center sind auch kein Quell der überbordenen Begeisterung. Dabei funktionieren die Geräte sogar, machen ihren Job recht ordentlich, trotz der vielen MS-Technologie. Aber es fehlt das gewisse Etwas. Jenes Etwas, das Nintendo mit DS Lite, Motorola mit dem Razr V3, Sony mit der PSP und Apple mit allen seinen iPods erzeugt. Dieses sexy Gefühl, etwas Supernettes zu besitzen, es gerne zu benutzen und es noch lieber vorzuzeigen (Neid ist geil!). Vielleicht hätte Microsoft ja das Media Center lieber portabel gestalten sollen? Dann hätten es seine Jünger womöglich liebendgern ins Wohnzimmer getragen, um es auf dem TV-Altar anzubeten?!?

Ergo hofften Intel und Microsoft offenbar, dass sich die Technologie kraft ihrer Herrlichkeit von selbst aufdrängen würde. Passt das etwa zu der Aussage, es sei eine Schlüsseltechnologie, die den Markt in Zukunft treiben würde? Dann hätte man jede Litfasssäule vollpflastern, jedem Medienzaren und Abgeordneten so ein Ding schenken müssen. Oder glaubten die Erschaffer selbst nicht an ihre eigenen Erfolgsaussichten?
(nach einem Kommentar von Martin Lynch /rm)

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