Linux-Business-Tools
Business-Software

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Ein verbreitetes Vorurteil über Open-Source-Software lautet, dass es dafür kaum Business-Anwendungen gibt. Falsch, denn inzwischen sind zahlreiche betriebswirtschaftliche Software-Pakete für Linux verfügbar.

Populäre Anwendungen

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Standard-Programme sind das A und O, wenn sich Linux weiter durchsetzen soll. Die in letzter Zeit viel zitierte »Eroberung des Desktop durch Linux« braucht dringend Anwendungen, wie sie die Windows-Welt den Business-Anwendern beschert hat. Zwar steht mit Open Office inzwischen eine leistungsfähige und ebenbürtige Alternative zum Office-Konkurrenten von Microsoft zur Verfügung. Doch Textverarbeitung, Tabellenkalkulations- Programme und Präsentations-Software sind nur ein kleiner Teil dessen, was in der Praxis benötigt wird. Vor allem die vielen kleinen und mittleren Betriebe, die liebend gern eine Alternative zu teuren Windows-Programmen haben würden, benötigen spezielle Anwendungen, die Buchhaltung, Finanzwesen und Auftragsbearbeitung übernehmen können.

Business-Software für Linux
Um Linux in kleineren und größeren Handwerks- und Handelsbetrieben zu etablieren, sind deshalb auch für Linux dringend betriebswirtschaftliche Programme notwendig. Ein schwieriges Unterfangen, denn Business-Software gehört nicht unbedingt zu den Anwendungen, die bei Linux-Programmierern auf großes Interesse stoßen. Die wenigsten Linux-Entwickler können sich für diese Art von Programmen begeistern, da sie diese nicht selbst benötigen. Doch genau diese »langweiligen« Programme sind es, die Linux zur Grundlage für den »normalen« Einsatz machen – und damit dafür sorgen, dass sich Linux auch beim Händler um die Ecke etabliert.


Finanzen im Griff

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Für die meisten betrieblichen Funktionen wie Buchhaltung, Warenwirtschaft oder Kundendatenverwaltung sind mittlerweile alternative Programme auf Open-Source- Basis erhältlich. Gerade kleinere Unternehmen, die bei der Anschaffung einer Software zur Finanzbuchhaltung aus Kostengründen zaudern, sollten einmal einen Blick auf die kostenlose Linux-Alternative Calamar werfen (http://calamar.sourceforge.net/). Das unter LGPL lizenzierte Programm enthält die wesentlichen Funktionen einer ordentlichen Finanzbuchhaltung: Mandantenfähigkeit, Benutzerverwaltung,Mehrzeilenbuchungen, automatische Mehrwertsteuerabrechnung, Kostenstellensystematik und eine flexible Auswertung für Bilanz sowie Gewinn- und -Verlust-Rechnung. Calamar ist in Java realisiert und damit neben Linux noch auf anderen Plattformen einsetzbar. Das Produkt ist in Deutsch erhältlich, wurde allerdings seit Sommer 2002 mit der Version 0.31nicht wesentlich weiterentwickelt. Besser gepflegt als Calamar ist GnuCash (www.gnucash.org). Es stammt ursprünglich aus dem Bereich der privaten Finanzverwaltung und hat sich inzwischen zu einem Finanzbuchhaltungspaket für kleine Unternehmen gemausert. In GnuCash gingen die alten Projekte Xacc, GnoMoney und Watermark auf. Das unter GPL lizenzierte Programm mit der aktuellen Versionsnummer 1.8 ist eine in C geschriebene Gnome- Applikation, läuft aber auch unter KDE oder jedem anderen Window-Manager.

Nach kaufmännischen Regeln
Im Gegensatz zu vielen anderen Finanzverwaltungsprogrammen arbeitet GnuCash nach den anerkannten Regeln des kaufmännischen Rechnungswesens. Es erlaubt, den Überblick über Vermögen, Verbindlichkeiten, Aufwendungen und Erträge zu behalten. Auch Homebanking über HBCI ist möglich, wenn die Bibliothek OpenHBCI installiert ist. Für den Geschäftsverkehr ist die Verwaltung von Kunden, Lieferanten und Rechnungen enthalten. Weitere Features sind terminierte Buchungen, Import von OFX-Dateien und QIF-Dateien, zahlreiche Berichte und Grafiken mit Torten- und Balkendiagrammen und eine benutzerdefinierbare Oberfläche. Für Neueinsteiger ist ein Assistent zur Kontenerstellung vorhanden. Bestehende Dateien mit Finanzdaten, beispielsweise aus Quicken, können über den QIF-Import eingelesen werden. Die Quelltext-Pakete von GnuCash sind abrufbar unter der Web-Adresse www.gnu cash.org/pub/gnucash. GnuCash 1.8 benötigt die vollständigen Entwicklerpakete von Gnome 1.4 sowie die Programmpakete Guppi, Guile, SLib, und G-Wrap.


Warenwirtschaft und Buchhaltung

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Brauchen Sie eine einfache Warenwirtschaft und Auftragsbearbeitung, können Sie auf Tudo von Jörg Bemme zurückgreifen (www.bemme.de). Das Programm beinhaltet eine Finanzbuchhaltung, die mit der Auftragsbearbeitung direkt verbunden ist. Die von Bemme im Alleingang entwickelte, früher als Qttudo bekannte Software ist für Suse Linux optimiert und wendet sich insbesondere an kleine und mittlere Unternehmen. Für den Einsatz von Tudo wird PostgreSQL als Datenbank benötigt. Der Quellcode von Tudo steht unter der GPL, er wird zwar mit ausgeliefert, ist jedoch nicht veröffentlicht. Ausdrücklich verweist der Autor auf seiner Website auf die GPL, wonach keine Verpflichtung zur Veröffentlichung des Codes besteht und für Dienste Entgelt genommen werden kann. 199 Euro kostet das Paket, im Preis enthalten ist das Programm mit Quellcode, Benutzerhandbuch und 30 Tage kostenlosem E-Mail-Support. Die aktuelle Version trägt die Nummer 2.1 und wirdper E-Mail oder Post-Versand zugestellt. In eine ähnliche Kerbe wie Tudo schlägt Linux Kontor (http://sourceforge.net/projects/kontor/). Kernkomponenten des Systems sind auch hier Warenwirtschaft und Buchhaltung. Das Projekt wurde ursprünglich von Björn Bayard, Geschäftsführer der IoS GmbH, ins Leben gerufen. Inzwischen befinden sich Dateien wie der Quellcode, kompilierte Versionen und die Webseiten bei Sourceforge (www.sourceforge.net).


SQL-Ledger

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Die wohl bekannteste Business-Anwendung für Linux ist SQL-Ledger ( www.sql-led ger.org ). Das Open-Source-Projekt wurde 1998 von dem Kanadier Dieter Simader begonnen und hat seitdem eine weltweite treue Nutzergemeinde um sich geschart, deren Mitglieder auch selbst zur Entwicklung beitragen. Lokalisierungen existieren für alle wichtigen europäischen Sprachen. Auch die deutsche Nutzergemeinde ist sehr aktiv. Die aktuelle Version vom März 2005 trägt die Nummer 2.4.11. Das Paket verdankt seinen guten Ruf vor allem seiner Funktionsvielfalt, der leichten Handhabbarkeit und den vielfältigen Schnittstellen. Die browserbasierte Warenwirtschafts- und Finanzbuchhaltungs- Software lässt sich unter GPL in kleinund mittelständischen Betrieben etwa für die Auftragsbearbeitung, Buchhaltung oder Rechnungsstellung einsetzen. Ein besonderer Pluspunkt von SQL-Ledger ist die sehr gute Verknüpfung von Warenwirtschaft und Finanzbuchhaltung. Viele Vorgänge können auf diese Art automatisiert und somit Fehlerquellen eliminiert werden.

Modularer Aufbau
SQL-Ledger ist modular aufgebaut. Es bietet unter anderem Features für offene Posten, Mahnwesen, Quittungen, Schecks drucken, Angebote, Buchungen im Hauptbuch, Lagerwesen, Projektverwaltung, Gewinn& Verlust und Bilanzen. Es unterstützt zudem automatische Rechnungsstellung inklusive PDF-Rechnungen zur Versendung per E-Mail und komplett anpassbare Vorlagen und Berichte.
Als Anzeige dient ein ganz normaler Webbrowser, auch über rein textbasierte Browser wie Lynx lässt sich SQL-Ledger bedienen. Über die Schnittstellen kann das Programman spezifische Unternehmensbedürfnisse angepasst werden. Dazu sind allerdings gute Perl-Kenntnisse notwendig. SQL-Ledger ist in Perl geschrieben, die Daten werden in einer PostgreSQL- oder Oracle-Datenbank gespeichert.

Schulungen
In Deutschland hat sich besonders die Firma Linet um die Open-Source-Software verdient gemacht. Linet Services übernimmt Support und Schulu
ngen für das Programm und sorgt zusammen mit anderen Entwicklern für lokale Anpassungen. Zur Anpassung an den deutschen Markt wurde eine eigenständige Variante von SQL-Ledger unter dem Namen Lx-Office ERP aus der Taufe gehoben. Die Lösung steht unter der GPL, wird aber vorerst nicht zum kostenfreien Download angeboten. Es gibt aber bereits eine im Internet erreichbare Testversion. Zugang erhält man über die Homepage von Lx- Office (www.lx-office.org).


ERP-System – Compiere

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Im Unterschied zu den bislang vorgestellten Paketen sind ERP-Systeme viel umfangreicher. Sie bestehen aus einer Vielzahl verschiedenster Applikationen, welche die Geschäftsprozesse eines Unternehmens unterstützen sollen. Neben Buchhaltung, Lieferantenverwaltung und Warenverwaltung sind dies Einkauf und Verkauf, Personalverwaltung und vieles mehr. Wenn ein Open-Source-Projekt in dieser Güteklasse auftreten will, konkurriert es mit proprietären Herstellern von ERP-Software, allen voran der deutschen Firma SAP mit ihrem Produkt SAP R/3 oder Baan mit der gleichnamigen Software.

SAP-Konkurrenz
Das am weitesten verbreitete offene Paket in dieser Klasse ist Compiere (www.compiere.org). Bei Sourceforge gehört Compiere zu den erfolgreichsten der gehosteten Open-Source-Projekte und zählt zu den Top-Programmen. In der Statistik der Seitenabrufe und Downloads belegt es regelmäßig vorderste Plätze. Gründer des bis 1991 zurückreichenden Projektes ist Jörg Janke, der auf eine langjährige Erfahrung mit SAP undOracle zurückblicken kann. Die anderen acht Entwickler im Kernteam haben einen ähnlichen beruflichen Hintergrund wie Janke. Der eigentliche, vom Reifenhersteller Goodyear gesponserte Start von Compiere begann im Jahre 1999. Aktuell liegt das unter MPL lizenzierte Programm als Version 2.5.2 vor. Die Ziele von Compiere sind sehr hoch gesteckt, entsprechend anspruchsvoll ist die eingesetzte Technologie. Compiere stellt sowohl hohe Anforderungen an Server als auch an Clients. Server-seitig ist für den Einsatz von Compiere eine Oracle-9i-Datenbank und ein installiertes Java SDK in der neuesten Version notwendig. Client-seitig wird die Java-Runtime-Engine 1.4 verwendet. Dafür bietet Compiere beeindruckende Features: Das System vereint alle Bereiche betriebswirtschaftlicher Software unter einem Programm und ist mit dem kommerziellen SAP durchaus vergleichbar: Auftragseingang, Bestellwesen, Lagerhaltung, Buchhaltung, Projekt- und Kundenmanagement (CRM), Lieferkettenmanagement (SCM) sind die wichtigsten davon. Dabei richtet sich Compiere immer an tatsächlichenGeschäftsprozessen aus. So sind beispielsweise alle kundenorientierten Prozesse von Debitoren- Buchhaltung, Auftragsverwaltung von Einkauf und Verkauf sowie Lagerverwaltung in einem Funktionsbereich »Customer Management « zusammengefasst.

Komplexe Workflows
Compiere erlaubt es auch in einem Maße wie keine andere Open-Source-Software, hoch komplexeWorkflows umzusetzen. Die Leistungsfähigkeit und Vielschichtigkeit der Software hat jedoch ihren Preis. Die Bedienung ist nicht gerade einfach und die Anpassung setzt zumindest fortgeschrittene Java-Kenntnisse voraus. Als Alternative bietet Compiere Beratung und Support zu den in diesem Marktsegment üblichen Konditionen. Wenn Sie mal eben eine Finanzbuchhaltung brauchen, dann ist Compiere zweifellos überdimensioniert. Wenn Sie jedoch für Ihren Betrieb eine Highend- Anwendung suchen, werden Sie mit Compiere bestens bedient.


GNUe – ERP für Unternehmen

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Noch ehrgeiziger als Compiere ist das von Derek A. Neighbors initiierte GNU Enterprise Project (www.gnuenterprise.org). Im Vergleich zu Compiere hat GNUe allerdings einen entscheidenden Nachteil. Das bereits 1995 als reine Buchhaltung gestartete Projekt steckt noch voll in der Entwicklung. Ursprünglich richtete sich das Projekt an kleine bis mittlere Unternehmen, doch die Orientierung ist nun auf Unternehmen jeder Größe und Art erweitert worden. Im Moment arbeiten an GNUe neben Neighbors ein Kernteam aus Freiwilligen sowie Angestellte aus etlichen größeren Computerunternehmen, Universitäten und staatlichen Stellen der USA. Da Entwickler aus allen Ecken der Welt daran beteiligt sind, ist auch die umfassende Internationalisierung eines der Ziele des Projektes.

ERP als Open-Source
Das Paket soll in nächster Zukunft aus einer Gruppe von Werkzeugen und Anwendungen bestehen, die zur Lösung der typischen Bedürfnisse eines Unternehmens dienen. Von Lohn- und Gehaltsverrechnung über Finanzbuchhaltung, CRM, Projektmanagement bis zu Bestellabwicklung oder E-Commerce. Als reine Open-Source-Software ist das Paket unter der GPL-Lizenz verfügbar. Kernelemente von GNUe sind so genannte Business-Objects, die als Python-Klassen realisiert sind. Diese kommunizieren untereinander gemäß einer zu implementierenden Business-Logik. Die eigentlichen Daten liegen in einer SQL-Datenbank, die Darstellung und Eingabe erfolgt über XML-basierte »GNU Enterprise Forms«. Augenblicklich besteht der bereits funktionale Kern aus GNUe Forms, der GUI-Engine, GEAS, dem Application-Server und libGDA, der Bibliothek zur Abstraktion der Daten. AnGNUeReports, demReport-Server, sowie GNUe Integrator, dem »Enterprise Application Integration (EAI)« Tool, wird im Moment gearbeitet. In der Planungsphase befinden sich etwa EWOK mit Fax und E-Mail sowie GNUe Workflow. Die eigentlichen Anwendungen, die GNUe Packages, werden über die Tools realisiert und sind modular angelegt. Module sind dabei etwa »HumanResources«, »Financials«oder »Customer Relationship Management (CRM)«.

Bild: Bereits fertig: Der GNU Enterprise Contact-Manager. Andere Module sind noch in der Entwicklungsphase


Kommerzielle Programme

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Die vorgestellten Linux-Programme sind meist kostenlos, aber sie beinhalten ein Problem. Um sie zu installieren und anzupassen, brauchen Sie gute bis sehr gute Programmierkenntnisse. Zumindest sollten gute Linux-Kenntnisse vorhanden sein. Den meisten klein- und mittelständischen Betrieben aber fehlt ein solcher Linux-Spezialist. Programme wie Linux Kontor, SQL-Ledger oder Compiere, die mehr oder weniger umfangreiche Anpassungen erfordern, sind für diese Firmen deshalb nur bedingt geeignet. Was für diese Klientel dringend nötig ist, ist leicht zu installierende und preisgünstige betriebswirtschaftliche Standard-Software. Im Windows-Bereich gibt es diese Programme zu Preisen zwischen 250 und 500 Euro von Lexware oder Sage. Auch hier hat sich bei Linux zuletzt einiges getan. Viele Anbieter von Business- Standard-Software haben ihre Programme auf Linux portiert. Sohaben Branchengrößen wie SAP schon seit längerem Linux-Versionen im Angebot, adressieren allerdings vorwiegend größere Unternehmen. An kleine Firmen wenden sichHersteller wie Abas, Pro Alpha oder CoreBiz mit ihren Business-Programmen für Mittelständler. Einen Überblick über kommerzielle betriebswirtschaftliche Linux-Software finden Sie auf der nächsten Seite.


Betriebswirtschaftliche Linux-Software

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Open-Source-Software

Calamar

Finanzbuchhaltung LGPL
http://sourceforge.net/project/showfiles.php?group_id=47090

Compiere
Umfangreiches ERP-System auf Java- und Oracle-Basis MPL
compiere.org

GNU
Enterprise Großes ERP-System in C und Python GPL
gnuenterprise
.org

GnuCash
Finanzbuchhaltung, private Finanzverwaltung GPL
gnucash.org

KmyMoney2
Persönlicher Finanzplaner für KDE GPL
http://kmymoney2.sourceforge.net

Linux Kontor
Warenwirtschaft und Finanzbuchhaltung in Java GPL
http://sourceforge.net/projects/kontor/

Nakedobjects
Objektorientiertes Framework für Business- GPL
nakedobjects.org

Anwendungen, in Java

SQL-Ledger
Warenwirtschaft und Finanzbuchhaltung mit Web-Oberfläche GPL
http://sql-ledger.com

Tudo
Warenwirtschaft und Finanzbuchhaltung GPL, komerziell
bemme.de

Kommerzielle Software

Abas
ERP-System kommerziell
www.abas.de

Corebiz
Verschiedene Business-Pakete kommerziell
corebiz.de

Linial
WWS Warenwirtschaft kommerziell
linux-warenwirtschaft.de

Moneyplex
Homebanking-Programm, unterstützt HBCI kommerziell
matrica.de

Pro Alpha
ERP-Systeme kommerziell
proalpha.de

StarMoney
Finanzplanung und Online-Banking kommerziell
starmoney.de

Ventas
Diverse Linux-Programme kommerziell
ventas.de