US-Politiker bloggen um ihre Jobs

Allgemein

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In Europa führen die Leute ein Weblog aus Fun, für ihr Hobby, ihre Überzeugungen oder fürs Business. In den USA bloggen Politiker mittlerweile um ihre Existenz: Wer einen guten Eindruck im Internet macht, kann auch mit leeren Wahlkampfkassen einen Sitz im Parlament erobern – ganz zu Schweigen vom Weißen Haus.

Die Amtszeit vom “gottgesandten” George W. Bush nähert sich langsam dem Ende entgegen – Gott sei Dank! Das Gerangel um seine Nachfolge und die übrigen guten Posten in der Regierung tritt nun in die heiße Phase ein. In gut sechs Wochen sind zum Beispiel die Vorwahlen der Demokraten. Doch diesmal ist alles anders, die seit Jahrzehnten eingespielten Rituale verlieren an Bedeutung. Schuld ist das Internet, denn politische Quereinsteiger nutzen das Onlinemedium, um sich gegen Alteingesessene durchzusetzen. Ein aktuelles Beispiel dafür sind die Demokraten im Bundesstaat Connecticut. Dort ist Joe Lieberman, der bereits dreimal das Amt des Senators innehatte, durch den Kabelfernsehunternehmer Ned Lamont unter Druck geraten. Mit Hilfe von Internet-Spendenaktionen und Anti-Irakkrieg Bloggern konnte dieser den Vorsprung seines Konkurrenten beträchtlich verkleinern, berichtet der Guardian in seiner aktuellen Ausgabe.
Ob sich der “Internet-Kandidat” gegen den Irakkrieg-Befürworter Lieberman durchsetzen kann, wird sich bei den Vorwahlen der Demokraten zeigen. Es ist ein Kampf zwischen der alten Art Politik zu machen, die sich um hierarchische Parteistrukturen dreht, und den neuen “Netroot-Kampagnen”, die sich selbst organisieren. Diese Wahl könnte ein Wendepunkt für die Demokraten und fürs politische System sein. Selbst organisierte Internetwahlkämpfe könnten zur Folge haben, dass neue Personen Chancen am politischen Parkett haben. Die Bloggerin Arianna Huffington meinte gegenüber dem Guardian: “Es wird die Dominanz der Berater beenden, die ihre Kampagnen nur nach Zielgruppen und Umfragen richten und damit der Politik längst die Seele raubten.”
Internet-Wahlkämpfe ermöglichen es den Kandidaten, große Summen an Geld durch viele kleine Spenden zu sammeln und dabei unabhängiger von den großen Firmenspenden zu werden, die den Wahlausgang und die politische Angenda stark beeinflussen. Einer der ersten, der diese Taktik anwandte, war Howard Dean (Bild) im Präsidentschaftswahlkampf 2003. Die Demokraten setzten dabei stark auf das Internet und stießen auf großes Mobilisierungs-Potenzial. Das Problem war, dass sie es damals nicht richtig zu nutzen wussten, meint Zephyr Techout, Leiter der Dean-Webkampagne. “Es ist wie wenn man Öl entdeckt. Die ersten Maschinen funktionieren noch nicht so gut damit und es braucht eine Weile, um einen Verbrennungsmotor dafür zu finden.” 2007 soll es mit Hilfe der Blogs und Communities deutlich besser klappen.