Die Spielhalle ist tot, lang lebe das Cyber Café

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Wer heute durch Zufall einmal in eine der legendären “Spielhöllen” von einst stolpert, wird Erstaunliches feststellen: Es gibt fast nur noch Glücksspielautomaten, dazwischen die Karten-, Motiv- und Puzzle-Bildschirme, aber wenig klassische Games. Sie sind in dunkle Ecken zurückgedrängt, kaum zu finden, in beklagenswertem Zustand oder stehen gar als stromlose Staubfänger herum. Wie deprimierend. Wir haben es vielleicht nicht gemerkt, aber die klassische Arcade stirbt.

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Wo es früher Batterien von Flipper-Automaten gab, sind heute lediglich ein paar Alibi-Exemplare zu finden. Typischerweise funktioniert nur ein einziges Gerät, das mir dann auch nach zehn Minuten keinen Spaß mehr macht. Die Flipper brauchen halt frische Gummis und volle Spannkraft, damit die Kugel einigermaßen beherrschbar wird.
An den guten alten Spielautomaten wird es noch trauriger. Sie sind zwar in besserem Zustand, aber dafür langweilen die Billig-Aufguss-Rennspiele, die in 17. Generation geklonten Lightgun-Ballereien und die sinnentleerten Flugkapriolen in Sitzschale. Alles schluckt Münzen wie blöde, ist nach einem Wimpernschlag schon wieder vorbei und kann nicht mal annähernd so fesseln wie noch in den Neunzigern.
Irgendjemand in Japan hat den Arcade-Automaten den Spielspaß weggezüchtet. Warum nur? Okay, die Teile haben es heutzutage natürlich schwerer, schließlich sind wir von unseren Next-Gen-Konsolen und hollywoodartigen Computerspiel-Epen mächtig verwöhnt. Selbst die Spezialcontroller – von der Tanzmatte bis zur Luftguitarre – sind längst kein Vorrecht der Spielhalle mehr.
Die Veränderung merken wir ganz schnell an unseren alten Lieblingsautomaten, die uns nach 20 Jahren nicht mehr wirklich begeistern können – abgesehen von Wiedersehensfreude und schönen Erinnerungen. Tja, wir müssen es wohl zugeben (sagen wir es alle gemeinsam): Die Arcade ist tot!
Das geben auch die Profis hinter vorgehaltener Hand zu. Todd Tuckey von TNT Amusement Inc. gab zu Protokoll: “Diese Industrie stirbt.” Klare Worte. Und es gibt auch klare Fakten: Namco überzog einst den Globus mit einem feinen Netz aus Spielhallen. Letztes Jahr gab es davon nur noch 175 Stück, weitere 75 sollen gerade geschlossen werden. Die Automatenaufsteller verlegen sich heute auf Foyers (z.B. von Kinopalästen), Kneipen (so hatte es angefangen) und Shoppingzentren. Doch einen Ort haben sie völlig übersehen: die Internet- und Cyber-Cafés. Dort gehören die überlebenden Flipperautomaten hin, damit man eine Runde zocken kann, während man auf den nächsten freiwerdenden Computer wartet. Und Zocker sind unglaublich viele in diesen Etablissements zu finden – vor allem im Ausland. Dort hocken die verbissenen Dauer-Onlinespieler, die auch auf Reisen nicht von ihrem Hobby lassen können – oder die sich in Ermangelung eigener Netzwerke hier zum ständigen Teammatch einfinden. Ja, die Cyber-Cafés sind die eigentlichen Spielhöllen von heute. Das hat die Automaten-Industrie aber großflächig übersehen. Schade.