Sinnvolle “Radio Frequency Tags” in weiter Ferne
Gerät RFID ins Stocken?

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James Woudhuysen erklärt, warum überzogene Datenschutz-Sorgen und unterschätzte Kosten eine schnelle Einführung der RFID-Technologie (Radio Frequency Identification) bremsen könnten.

RFID: Viele unterschiedliche Anwendungen

Sinnvolle “Radio Frequency Tags” in weiter Ferne

Ich besuche gerade ein Seminar der Firma GoCordless.com in London, wo es um RFID-Tags geht, und bin gespannt auf die Präsentation von Neil Salton, ein krawattenloser Clark-Kent-Typ, der früher bei Plantronics war. Ich bin beeindruckt: Der Mann erzählt mir, dass ein Tag nicht nur eine ID-Nummer hat, sondern auch Platz für bis zu 1 MByte Daten.

In Australien wird RFID eingesetzt, um Container und Lastkraftwagen über Bildschirme zu überwachen, um etwa ihre Ausnutzung zu verfolgen und Warnmeldungen anzuzeigen, wenn transportierte Nahrungsmittel in Gefahr sind, zu verderben. Bei Marks & Spencer in England unterstützt RFID die Lagerhaltung exklusiver Bekleidungsware. Und in einem der deutschen Max-Planck-Institute verwendet eine Bibliothek RFID, um 5 mit Tag versehene Bücher gleichzeitig zu identifizieren, was mit Pulklesung bezeichnet wird. Das spart etwa 85 Prozent der Arbeitskräfte ein, die für die Bücher-Entleihe früher nötig waren.

Auch Airbus nutzt die Technik für das Tracking europaweit verstreuter Bauteile, und und und… im Internet finden Sie unter dem Stichwort RFID eine wahre Fundgrube von Anwendungen.


(Noch) zu teure Technik

Sinnvolle “Radio Frequency Tags” in weiter Ferne

Die Beispiele können schon beeindrucken, ganz im Gegensatz zu Gartners Prognose. Dass im Jahr 2010 weltweit 3 Milliarden Dollar für RFID-Technologie ausgegeben würde, klingt mir etwas zu bescheiden.

Der Punkt ist, dass Sie heute für Ihren Lieblingsbürostuhl 10 Dollar mehr berappen müssen, wenn er mit einem aktiven Tag versehen wurde, und die passiven Tags müssen in einer Größenordnung von Milliarden verkauft werden, damit sich ihr Preis von 25 Cent auf 5 Cent pro Stück reduziert.

Will man einem neueren Statement von Gerd Wolfram, IT-Chef bei der großen deutschen Einzelhandelskette Metro, Glauben schenken, wird es noch mindestens 15 Jahre dauern, bis nicht nur auf den Versandkartons und Ladepritschen, sondern auf jedem einzelnen Artikel aller 2300 Läden ein RFID-Tag befestigt sind. Tags müssen, so Wolfram, auf einen Stückpreis von 0,01 Cent fallen, um Barcodeleser zu unterbieten.


Datenschutz: Kunden-Angst kocht hoch

Sinnvolle “Radio Frequency Tags” in weiter Ferne

Aber die Kosten sind nicht das einzige Problem bei RFID. Salton erklärte, dass die Käufer von Kleidungsstücken bei Marks und Spencer zwar aufgefordert werden, den Tag zu entfernen, sobald die Ware gekauft ist – um der Angst der Kunden vor Überwachung vorzubeugen -, doch diese Ängste sind damit längst nicht ausgeräumt. Die Einsparungen durch RFID sind fraglos da: In einer Größenordnung von WalMart, berichtet Salton, sind Einsparungen von 3 bis 5 Prozent im Durchschnitt zu verzeichnen, nimmt man sämtliche Partner der gesamten US-amerikanischen Lieferkette des Unternehmens als Basis. Aber sobald im September das Arbeitspapier der Europäischen Kommission zum Thema RFID veröffentlicht wird, darf damit gerechnet werden, dass die Ängste der Verbraucher erst richtig hochkochen.

Man wird der EU-Beauftragten für Informationstechnologie Viviane Reding Recht geben müssen, wenn sie durch RFID “einen neuen Produktivitätsaufschwung in vielen Marktsegmenten” sieht, aber gleichzeitig macht Reding auch deutlich, dass andere “prinzipielle Entscheidungen” bezüglich Sicherheit und Datenschutz dringend geklärt werden müssen, “bevor die Dinge aus dem Ruder laufen”.


Ausnahmsweise: Politik überholt die Wirklichkeit

Sinnvolle “Radio Frequency Tags” in weiter Ferne

Reding möchte genau wissen, welche Information mit RFID gewonnen wird, wie lange sie gespeichert wird, wer darauf Zugriff hat, wie sie vor Diebstahl, Verlust und Missbrauch gesichert werden kann, und wie hoch die Genauigkeit der Information einzuschätzen ist.

Weiter interessiert sich Reding dafür, in welchen Fällen die RFID-Informationen von Strafverfolgungsbehören genutzt werden dürfen, und welche Schutzmaßnahmen hier vorgesehen sind.

Schließlich will Reding sicherstellen, dass persönliche Informationen von den betroffenen Personen eingesehen und gegebenenfalls korrigiert oder auch gelöscht werden können.

Alle Achtung! Und dabei hat noch kaum einer je einen RFID-Tag gesehen. Da soll noch einmal einer sagen, der Gesetzgeber könne mit den technischen Innovationen nicht Schritt halten!

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