Nokia und Siemens im Ehebett

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Machen zwei Verlierer einen Gewinner? Meiner Beobachtung nach oft nicht, aber immer wieder versuchen es die Börsengesellschaft, durch Merger und Zukäufe ihre Schwierigkeiten zu meistern (oder zu verdrängen bzw. zu kaschieren). Nur wie will jemand, der den eigenen Laden nicht in Schuss hält, nun ein größeres Konglomerat besser managen? Zum Glück nicht mein Problem. Genau jenes will Siemens dadurch beseitigen, dass es seine wenig profitable COM-Sparte für Telecom-Infrastruktur in ein 50:50 Joint-Ventures mit Nokias ähnlich gearteter Sparte einbringt. Neuer Firmensitz: schön weit weg in Finnland!

Die Börse frohlockt natürlich, doch das tut sie ja bei jedem warmen Lüftchen (genau was Sie denken :). Natürlich werden gleich wieder die magischen Worte von Synergie, Einsparpotenzial und Jobabbau (gleich 9.000 kostbare Stellen sollen flöten gehen) in die Runde geschmettert. Doch ob der neu formierte, drittgrößte Telekomausrüster der Welt auch dreimal so gut gemanagt wird (was nötig wäre), muss sich erst zeigen. Bis dahin können sich beide Firmen an der Börse feiern lassen und glauben, sie hätten echte Probleme gelöst. Jüngste Beispiele wie Lenovo/IBM oder Siemens/BenQ haben doch gezeigt, dass es eher noch schwieriger und gerne auch mit roten Zahlen verbunden ist. Der Merger Sony/Ericsson hat ebenfalls in geringeren Marktanteilen gemündet.
Beobachter spekulieren angesichts des wieder wild grassierenden Übernahmefiebers, dass nun Motorola mit Ericsson oder Cisco mit Motorola Networks ins Bett springen wird.
Dass erfolgreiche Kooperation wie zwischen NEC und Siemens leise vollzogen den deutlich größeren positiven Effekt haben, wird an der Börse und auch sonst wo geflissentlich verschwiegen. Dafür können sich Manager wohl nicht genügend feiern lassen – und Prämien wie bei den teuren Mergers gibt es dafür auch nicht aufs Privat- oder Schwarzkonto.