Lizenzpolitik: Microsoft schlägt neues Kapitel auf
Der Software-Krösus begreift endlich Kundenbedürfnisse

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Microsofts neue Preisgestaltung und die Interoperabilität mit Java scheint dem Bedarf der Kunden nach Flexibilität Rechnung zu tragen.

Richtungsechsel in aller Stille

Lizenzpolitik: Microsoft schlägt neues Kapitel auf

Früher hat Microsoft jeden zu überreden versucht, seiner Tradition des IT-Business zu folgen – nämlich bei Microsoft-Produkten zu bleiben und regelmäßig neue Lizenzen zu kaufen. In aller Stille scheint Microsoft nun aber seine Vorgehensweise in eine andere Richtung zu lenken.

So passt das Unternehmen beispielsweise seine Lizenzierung an die zunehmende Verwendung von mehrkernigen Prozessoren und Serviceorientierte Architekturen (SOA) an. Während Oracle 75 Prozent des Preises für eine Gesamtlizenz für einen Prozessorkern erhebt, hat Microsoft sich dafür entschieden, den Preis pro Prozessorsockel zu berechnen – was für Kunden und Geldbeutel wesentlich verständlicher ist. Außerdem spricht Microsoft über eine dynamische Fallgestaltung für die Zukunft – im Wesentlichen geht es dabei um ein Geschäftsmodell, das die Zahlung je Nutzung enthält und viel besser auf die SOAs abgestimmt ist.


Endlich “interoperabel”

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Schließlich und endlich gibt Microsoft sogar zu, dass seine eigenen Produkte nicht die Antwort auf alles sind. Microsofts Beteiligung am Sun-Projekt Tango zeigt beispielsweise, dass Java ein wichtiges Marktpotential hat. Das gilt nicht nur für den Enterprise-Markt mit J2EE und der neuesten Schöpfung, Java EE 5, sondern auch für den Markt für mobile Geräte, der in diesem Jahr schätzungsweise eine Gesamtzahl von 2,5 Milliarden Nutzerverträgen aufweisen wird. Analysten sagen nunmehr voraus, dass dieses Jahr 900 Millionen mobile Handsets gekauft werden – also Smartphones, Mini-Notebooks oder PDAs.

Das Projekt Tango ist eine Open-Source-Anwendung von Suns Web Services Interoperability Technology (WSIT) – das erste Ergebnis der von viel Medienrummel begleiteten Annäherung von Sun und Microsoft. Dieses System sollte Sicherheit, zuverlässigen Nachrichtenversand sowie “atomare” Transaktionen unterstützen: Dabei geht es um Datenbanktransaktionen, die entweder ordnungsgemäß ablaufen oder automatisch zurückgeschickt werden, wodurch die Anwendungs-Entwickler keine unvollständigen Transaktionen in ihrem eigenen Code verarbeiten müssen.


Java und .Net sprechen miteinander

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Mittlerweile wird die Entwicklung der Windows Communications Foundation ab Windows Vista eine Referenz-Implementierung zur Interoperabilität von Webdiensten zwischen völlig ungleich arbeitenden Systemen bieten. Ziel ist es, kompatible Stacks von Plug-and-Play-Webdiensten für die Interoperabilität zwischen Java und Microsoft.Net Umgebungen zu erzeugen.

Ein Ergebnis sollte sein, dass Anwendungs-Entwickler über mehr Flexibilität verfügen. Theoretisch könnte ein Entwickler eine Anwendung mit Java schreiben, und wenn eine Interoperabilität mit einer .Net Anwendung erforderlich ist, klappt das auch. Natürlich sind hierbei einige Kinderkrankheiten zu überwinden; dennoch ist diese Initiative ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Ein weiteres Ergebnis sollte sein, dass der Disput, welche Umgebung nun die einzig wahre ist, ein für alle Mal begraben wird – und jeder Nutzer sich ohne zu zögern für die eine oder andere entscheiden kann.


Endlich was gelernt!

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Immer mehr Unternehmen werden beide Umgebungen verwenden oder werden mit Systemen von Dritt-Parteien zusammenarbeiten, die beides benötigen. Deshalb wird die Fähigkeit, dass Java und .Net-Anwendungen zusammenarbeiten können, sehr wertvoll für die Unternehmens-IT sein.

Und vielleicht werden sowohl Microsoft als auch Sun begreifen, dass ein kleiner Teil eines sehr großen Marktes wesentlich mehr wert sein kann als 100 Prozent eines kleineren.