Umstrittenes IT-Wissen
IT-Ausbildung auf Schmalspur?

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Im Informatik-Studium müsse wieder Großrechnerwissen vermittelt werden, forderte das IT-Consulting Unternehmen Harvey Nash. Unsinn, meinen Hochschullehrer und Vertreter der Gesellschaft für Informatik noch immer. Die Kritik an der Ausbildung von Informatikern ist auch jetzt noch nicht vom Tisch.

Dinosaurier-Wissen fehlt

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“Die Ausbildung von IT-Fachkräften ist auf Schmalspur zurückgegangen”, schimpfte Udo Nadolski, Geschäftsführer der Harvey Nash GmbH in Düsseldorf. Das IT-Serviceunternehmen ist zugleich Personaldienstleister. “Weder für uns selbst, noch für unser Kunden finden wir Personal, das sich in Rechnerarchitekturen oder Programmiersprachen auskennt, die in Großrechnern zum Einsatz kommen”, klagte der Manager seinerzeit.

Informatik-Studenten werden seiner Meinung nach auf all das getrimmt, was im Internet abläuft. “Die wirklich wichtigen Geschäftsprozesse spielen sich alle auf Großrechnerapplikationen ab”, berichtet er aus seiner Erfahrung bei Kunden. Es gebe in Deutschland keine Bank und keine Versicherung, die ihre geschäftskritischen Applikationen nicht auf dem Großrechner betreiben würde, meint der Harvey Nash-Geschäftsführer.


“Behauptung aus den sechziger Jahren”

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“So etwas hätte man in den sechziger Jahren behaupten können”, konterte Professor Francois Bry, Ordinarius für Programmier- und Modellierungssprachen am Institut für Informatik der Ludwig Maximilians Universität in München. Großrechneranwendungen würden schon seit Jahrzehnten nicht mehr mit besonderen Betriebssystemen oder Programmiersprachen implementiert, sondern mit herkömmlichen, so der Wissenschaftler.

Im Bereich der Versicherungen gibt es noch Großrechneranwendungen, berichtet Bry. Doch würden für die wenigen Systeme nur eine Handvoll sehr spezialisierter Informatiker gebraucht. Zwar noch langsam, aber immer spürbarer kämen bei diesen Exoten immer häufiger Programmiersprachen wie Java zum Einsatz. “Die Inhalte des Informatik-Studiums sind zeit- und praxisgerecht”, behauptet deshalb Francois Bry, alle notwendigen Kenkomponenten würden vermittelt.


“Großrechnertechnologie ist mega-out”

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Bestätigung findet der Professor beim Chief Information Officer (CIO) von Hewlett Packard (HP) Deutschland: “Die Absolventen der Informatik bringen die Grundvoraussetzungen mit”, so Alexander Langhans. Dazu zählt der CIO von HP, dass die Leute das gesamte Spektrum vom PC bis hin zum Großrechner verstehen und konzipieren können, um sich dann im Job auf einen bestimmten Bereich zu fokussieren. Tools, die im Laufe der Zeit immer wieder hochpoppen, könne man erlernen. Langhans vertritt die Meinung, dass man im Studium und in der Ausbildung von IT-Fachkräften nicht zu stark auf Technologien eingehen sollte, die gerade en vogue sind. “Wichtige ist eine langfristige Ausrichtung, die mit Basiswissen geschaffen wird”, so HPs Cio.

Werner Altmann, Mitglied im Präsidium der Gesellschaft für Informatik (GI) und dort als Sprecher des Beirats für IT-Berufe tätig, teilt weder die Meinung des Geschäftsführers noch die des Wissenschaftlers: “Großrechnertechnologie ist mega-out.” Es wäre seiner Meinung nach Unsinn, jetzt den Informatik-Studenten diese steinzeitlichen Technologien wieder beizubringen, “weil heutzutage leistungsstarke Rechensysteme aus dem Verbund von kleinen, wiederum sehr leistungsstarken Rechnern bestehen”.


Mehr Praxisnähe, bitte

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Die meisten Hochschullehrer würden heute noch der Meinung sein, dass ein Informatikstudium – speziell an den Universitäten – dazu diene, Kernkompetenzen zu erlernen und nicht um eine praxisgerechte Ausbildung zu absolvieren, beklagt er Brys Ansicht stellvertretend für alle IT-Professoren. So würden nur wenige Uni-Studenten im Laufe ihrer Ausbildung eine Projektarbeit machen. “Aber genau das ist es, was sie im Beruf brauchen”, so Altmann.

Der GI-Mann hat ein Software- und Consulting-Unternehmen in München. 40 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Darunter gelegentlich Azubis als Fachinformatiker. Auch die Ausbildung an der Berufsschule lässt nach Meinung von Altmann zu wünschen übrig. “Da unterrichten Lehrer Informatik, die nicht dafür ausgebildet sind. Wie sollen die jungen Leute da etwas lernen?”, klagt er. Einen Ausweg für sich hat die Nürnberger Firma Datev gefunden: Fünf Azubis der Fachinformatik verbringen ihr zweites Lehrjahr komplett an der IT-Akademie in Augsburg. Dort erhalten sie eine intensive Großrechnerausbildung. Datev zählt zu den Unternehmen, die noch auf Großrechnertechnologien setzen.

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