Open-Source- und Freeware-Bildbearbeitungen
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Kostenlos hat vielfach den Beigeschmack umsonst. Dass das nicht sein muss, beweisen einige Open-Source- und Freeware-Bildbearbeitungen, die Kaufsoftware durchaus Konkurrenz machen.

Nicht nur eine Frage des Preises

Open-Source- und Freeware-Bildbearbeitungen

Auch wenn fast jeder Webdesigner ein Lieblingsprogramm zur Bildbearbeitung hat, ist der Blick über den Tellerrand manchmal interessant. Sei es, dass für Spezialaufgaben wie die Produktion von Icons die Leibbildbearbeitung etwas überdimensioniert ist oder für bestimmte Aufgaben eben nicht überall gleich eine Photoshop-Lizenz her muss.

Die wichtigste Motivation hinter dem Einsatz von Open-Source-Software oder Freeware ist natürlich der Preis. Im Bereich der Bildbearbeitung war das in den vergangenen Jahren aber nicht das entscheidende Kriterium: Zwar thront der Marktführer Adobe Photoshop preislich weit über der gesamten Konkurrenz. Diese ist aber, ob nun aus eigenem Haus wie mit Photoshop Elements oder bei der Konkurrenz mit Paint Shop Pro, Ulead Photo Impact und anderen durchweg so preiswert, dass auch sparsame Hobbyfotografen sich die Programme leisten können oder sie gar mit der neuen Digitalkamera oder dem neuen Webspace geschenkt bekommen. Das mag auch ein Grund dafür sein, dass es lange Zeit nur The Gimp als echte Open-Source-Bildbearbeitungsalternative gab.

Mittlerweile haben aber immer mehr Nutzer erkannt, dass Open Source und Freeware mehr sind als nur kostenlos. Die Qualität von The Gimp ist in Version 2 noch einmal deutlich gestiegen, und außenherum haben sich qualitativ hochwertige Programme entwickelt. Dazu kommt, dass viele Grafiker und Webdesigner in anderen Bereichen bereits erfolgreich Open-Source-Software einsetzen und nun auch in der Bildbearbeitung für Alternativen aufgeschlossener sind.

Die Auswahl der Projekte in diesem Artikel ist subjektiv. Einziges Kriterium ist, dass die Projekte Open Source oder Freeware sein müssen. Herausgefallen ist beispielsweise die sehr gute Bildbearbeitung Photofiltre, da sie für den kommerziellen Einsatz eine Lizenzgebühr kostet.


Gimp: Open-Source-Platzhirsch

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Die bekannteste Open-Source-Bildbearbeitung ist sicherlich The Gimp, das Programm mit dem berühmten Maskottchen Wilber. The Gimp zeichnete sich schon vor Jahren mit ausgefeilter Funktionalität und hervorragender Qualität aus. Einzig die Bedienung mit den auf mehrere Fenster verteilten Paletten ist ungewohnt.

The Gimp bietet von einer umfangreichen Filtersammlung über alle Standardmöglichkeiten zur Farbkorrektur bis hin zu Retuschewerkzeugen alles, was man sich im Bildbearbeitungsalltag wünscht.

Sieht man The Gimp als Konkurrenz zu Photoshop, liegen die Schwächen von The Gimp hauptsächlich im Druckbereich. Zu nennen sind vor allem ein nicht ganz so perfektes Farbmanagement, keine Schmuckfarben und wenig CMYK-Unterstützung. Im Web sieht die Sache für The Gimp deutlich besser aus: Es unterstützt alle gängigen Formate und kann über verschiedene Ebenen sogar GIF-Animationen erstellen und testen. Auch die Webformate sind beim Export oder bereits im Programm gut optimierbar. Wer sich für eine komplexe Bildbearbeitung interessiert, sollte auf jeden Fall einen Blick in The Gimp werfen, zum Erlernen der Bedienung aber auch ein wenig Zeit einplanen.


Gimp-Variationen

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The Gimp gibt es mittlerweile auch in abgewandelter Form. Gimpshop ist eine Gimp-Version, die speziell für Photoshop-Umsteiger optimiert ist. Alle Tastenkürzel entsprechen denen von Photoshop, und auch die Menüreihenfolge und -gliederung wurde weitgehend an Photoshop angepasst.

Eine andere Richtung geht Cinepaint. Diese Gimp-Version hat sich schon sehr früh, genauer aus The Gimp 1.0.8, entwickelt und ist eine Variante, die speziell auf die Filmindustrie zugeschnitten ist. Sie wurde unter anderem durch die Verwendung bei Filmen wie Harry Potter bekannt. Speziell für den Mac gibt es basierend auf Gimp-Technik das Seashore-Projekt. Die Oberfläche erinnert allerdings nicht an The Gimp, sondern ist sehr eigenständig. Bei den Funktionen hat man sich ebenfalls zu Gunsten der Übersichtlichkeit etwas eingeschränkt.


Krita: KDE-Bildbearbeitung

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Die Linux-Desktop-Umgebung KDE wollte ursprünglich ein eigenes Gimp als Bildbearbeitung integrieren. Nachdem dies nicht geklappt hat, entschied man sich, mit Krita ein neues Projekt auf die Beine zu stellen. Nach holprigem Start ist Krita heute ein Teil von KOffice und durchaus für die wichtigen Alltagsaufgaben geeignet. Ein wenig ist die Nähe zu The Gimp immer noch zu erkennen: Gimp-Pinsel sind in Krita verwendbar. An anderer Stelle hat das Projekt aber versucht, sich von The Gimp abzuheben. So gibt es in Krita eine etwas umfangreichere CMYK-Unterstützung und ein anderes Farbmanagement.


Artweaver: Windows-Künstler

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Artweaver ist ein deutsches Ein-Mann-Projekt und nichtsdestotrotz eine vollwertige Bildbearbeitung. Seine großen Stärken entfaltet Artweaver beim Arbeiten mit Pinseln. In den Pinseloptionen finden Sie Zufallsoptionen, simulierte Unebenheit, Borsten und vieles mehr.

Bei den Bildformaten lässt sich Artweaver nicht lumpen. Neben den üblichen Austauschformaten TIFF und BMP sind alle Webformate und einige Exoten wie TARGA mit an Bord. Bei den Webformaten bietet Artweaver für GIF und JPEG eine Vorschau, das PNG-Format wird als PNG-24 gespeichert. Als Besonderheit exportiert Artweaver seine Bilder auch als PDF-Dokument (per Datei, Exportieren). Über seine Plug-in-Schnittstelle lässt sich Artweaver flexibel erweitern, beispielsweise um TARGA-Unterstützung mit Transparenz.


Paint.NET: Microsoft?

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Microsoft hat sich auf dem Feld der Bildbearbeitung bisher nicht mit Ruhm bekleckert. Das bei Windows mitgelieferte Paint ist rudimentär, und Programme wie Microsoft Publisher haben ebenfalls keine Maßstäbe gesetzt. Umso erstaunlicher, wie Paint.NET entstanden ist. Diese Bildbearbeitung basiert technisch auf dem Microsoft .NET Framework und ist insofern für alle Windows-Versionen geeignet, für die es das Framework gibt.

Dass aus Paint.NET ein echtes Open-Source-Projekt wurde, war reiner Zufall. Das Programm begann als Projekt an der Washington State University. Und da die in der Nähe von Microsofts Hauptquartier in Redmond liegt, hatte Microsoft für dieses Uniprojekt die Schirmherrschaft übernommen. So kommt es, dass das Programm auch heute noch kräftig weiterentwickelt wird und der Projektleiter, Rick Brewster, mittlerweile bei Microsoft arbeitet. Funktional ist Paint.NET eines der besten Open-Source-Bildbearbeitungsprogramme. Ebenen mit Transparenz und Ebenenmodi sind ebenso integriert wie umfangreiche Farbwerkzeuge von der Tonwertkorrektur (hier Manuelle Anpassung) bis zu den Gradationskurven (hier Korrekturkurven). Dankenswerterweise gibt es außerdem eine deutsche Übersetzung für das Programm. Einzig die Hilfe bleibt leider englisch. Für das Web liefert Paint.NET alle gängigen Formate. Beim Speichern haben Sie die Möglichkeit, die Qualität von JPEGs oder die Farbreduktion von GIFs gleich an einem Vorschaubild zu beurteilen. Das PNG-Format speichert ein Foto allerdings direkt als PNG-24.

Austausch
formate sind leider nicht allzu viele enthalten, wohl aber die wichtigsten: BMP und TIFF. Leider fehlt der Import von Photoshop-Dateien. Dafür ist sogar eine Scanner- und Kamera-Schnittstelle integriert.


Livequartz: Mac-Alternative

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Livequartz macht sich die in MacOS X von Apple integrierten Filter und das Apple-Textmodul zu Nutze und baut darum herum eine kleine und kompakte Bildbearbeitung. Die Oberfläche ist, wie am Mac schon fast gewohnt, sehr aufgeräumt und klar gegliedert. Manche Bedienschritte wie das Duplizieren einer Ebene sind allerdings etwas komplizierter.

Die grundlegenden Funktionen zur Retusche inklusive Stempelwerkzeug und zum Auswählen sind vorhanden. Die Konzentration liegt aber eindeutig auf den Filtern. Von Weich- und Scharfzeichner bis zu Farbkorrektur-Filtern ist hier alles vorhanden. Die Filter werden nicht fest mit der Ebene gekoppelt, sondern lassen sich aktivieren und deaktivieren. Insgesamt ist Livequartz für schnelle Korrekturen und Effekte durchaus gut geeignet. Einzig die noch teilweise gewöhnungsbedürftige Bedienung mit einigen wenigen Bugs trübt die Freude.


Spezis: Imageplay & Image Tricks

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Imageplay ist eine Bildbearbeitung, die sich rein funktional auf Collagen und Effekte konzentriert hat. Sie ist für MacOS X, Windows und Linux erhältlich. Passend zu ihrem Einsatzzweck gibt es Rotiermöglichkeiten und viele Filter. Die Filter werden beispielsweise auch zur Farbkorrektur eingesetzt. Die Bedienung ist recht gut gelöst. Etwas ungewohnt sind Kleinigkeiten, beispielsweise, dass die unterste Ebene im Ebenenstapel oben ist. Beim Test besonders negativ aufgefallen sind mehrere Abstürze unter MacOS X 10.4.5. Sie machen das Programm im Moment noch nicht praxistauglich.

Image Tricks gibt es nur für den Mac. Es geht noch stärker in Richtung Effekte als Imageplay. Das Programm bietet keine Auswahlmöglichkeiten, sondern wendet die Effekte auf das gesamte Bild an. Allerdings lassen sich die Effekte immer nur nacheinander einsetzen. Der Nutzer muss also warten, bis der letzte Effekt berechnet ist.


Pixen: Icons erstellen

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Pixen wartet mit einigen besonderen Eigenheiten auf: Nach dem Öffnen fällt zuerst die doppelte Werkzeugpalette ins Auge. Hier kann für die linke und rechte Maustaste jeweils ein Werkzeug definiert werden. Dies ermöglicht sehr schnelles Arbeiten. Da Apple standardmäßig nur eine Maustaste bietet, verwenden Sie einfach die [Ctrl]-Taste mit dem zweiten Werkzeug.

Neben dieser praktischen Funktion bietet Pixen für jedes Werkzeug und jede Funktion ein Tastenkürzel und unterstützt außerdem zum schnellen Malen Grafiktabletts.

Geht es darum, Icons zu erstellen oder beispielsweise das Firmenlogo auf Miniaturgröße zu optimieren, ist Pixen das Programm der Wahl. Die Funktionen sind durchdacht und der Funktionsumfang ist für dieses Aufgabengebiet ausreichend. Lediglich zwei Werkzeuge zum Schärfen und Weichzeichnen wären noch nützlich, um den Kontrast zu regeln. Leider gibt es Pixen nur für den Mac. Eine Portierung auf Windows wird zwar im Moment in Betracht gezogen, da das zu Grunde liegende Framework GNUStep (www.gnustep.org) auch für Windows entwickelt wird. Bis jetzt gibt es dazu aber noch keine konkreten Aussagen.


Pixeltoolbox: Icons für Windows

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Eine Windows-Alternative zu Pixen ist das Programm Pixeltoolbox. Es ist ebenfalls als Freeware verfügbar und wurde mit Macromedia Director als Shockwave-Lösung entwickelt. Um Bilder speichern und bearbeiten zu können, muss es allerdings einige Erweiterungen verwenden, die aus Pixeltoolbox ein reines Windows-Programm machen.

Beim Öffnen des Programms wählen Sie, ob Sie ein Icon, ein Muster, eine Pixelfläche oder einen Windows-Cursor erzeugen wollen. Außerdem haben Sie die Wahl zwischen den vier Standard-Icon-Formaten und einigen Farbpaletten. Die Entwicklung selbst geschieht in einem pixelorientierten Raster, das Sie füllen oder Pixel für Pixel bemalen können.

Besonders praktisch ist die Snapshot-Funktion, um Zwischenstände zu speichern, zu denen Sie jederzeit zurückkehren können. Pixeltoolbox enthält nicht ganz so viele Funktionen wie Pixen, sondern ist wirklich auf das Erstellen von einfachen Icons beschränkt. Diese Aufgabe erledigt es aber sehr zuverlässig.


Vektorgrafik

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In der Vektorgrafik-Welt ist Open Source im Gegensatz zur Bildbearbeitung Mangelware. Diese mangelnde Vielfalt lässt sich auch im kommerziellen Bereich beobachten, wo Adobe Illustrator, das mittlerweile zu Adobe gehörende Macromedia Freehand und Corel Draw um den Platz an der Sonne kämpfen. Eine interessante Lösung ist das Projekt Inkscape. Der Vektorgrafik-Editor verwendet als Format SVG, das vom W3C auf XML-Basis standardisierte Vektorgrafikformat. Die Entwickler von Inkscape kommen ursprünglich vom SVG-Editor-Projekt Sodipodi, und beiden Projekten ist gerade in Sachen Oberfläche die Nähe zu The Gimp anzumerken.

Neu in der Riege der Open-Source-Programme ist Xara Xtreme. Dieses Vektorgrafikprogramm wird nun unter der GPL-Lizenz als Open-Source-Projekt vor allem für Linux veröffentlicht (www.xaraxtreme.org). Auch eine Mac-Version ist in Planung – die Windows-Version ist allerdings bisher nicht Open Source. Mit Xara Xtreme erhält die Open-Source-Community ein Programm, das bisher schon sowohl in Sachen Funktionalität als auch hinsichtlich seiner Bedienbarkeit zu überzeugen weiß.


Fazit

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Haben Sie nach dem Lesen dieses Artikels und ein wenig Testen ein neues Lieblingsprogramm in Sachen Bildbearbeitung? Auch wenn nicht, so sind doch ein paar Alternativen dabei, die Spaß machen und nützlich sind. Für den Mac hat sich die Open-Source-Gemeinde besonders ins Zeug gelegt und sattelt teilweise auf die von Apple zur Verfügung gestellten Funktionen wie Textwerkzeug und Quartz-Filter auf. Zu überzeugen weiß hier vor allem der Icon-Spezialist Pixen. Am PC erinnert Paint.NET zwar dem Namen nach an das bei Windows mitgelieferte Kleckserprogramm, ist aber wie Artweaver eine ausgewachsene Bildbearbeitung.