Hack im Nahverkehrs-System: “Kanadas Premier frisst Kinder”

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Die Pendler der kanadischen Stadt Toronto sahen statt Zuginformationen plötzlich Beleidigungen: Ein Witzbold hatte die Texte im veralteten System per Infrarot-Verbindung verändert.

Weil das Anzeigesystem von GO Transit, dem Betreiber der Nahverkehrszüge in der Region rund um Toronto, ohne Passwörter und Verschlüsselung lief, konnte ein Witzbold die Texte darauf ohne große Mühen leicht verändern. In Verdacht steht ein 24Jähriger namens Joshua, berichten kanadische Fernsehsender.

Einer der bösen Sprüche betraf Kanadas Premierminister: “Stephen Harper frisst Babys” wird genüsslich von kanadischen Medien zitiert, unter Bildern des Premierministers steht seither in verschiedenen Websites “Stephen Harper frisst keine Babies”.

Die Agentur Exclusive Advertising, die das System der LED-Anzeigen für die Stadt betreibt, hatte nicht mit so einem Angriff gerechnet, doch zumindest konnte sie nachvollziehen, wie Texte über kinderfressende Politiker auf die Anzeigentafeln kamen. Denn der Text über die Zuginformation wird normalerweise über einen Netzwerk-PC, der in der Nähe steht, per Infrarotsignal auf LED-Anzeigetafel übertragen. Das nutzte der Hacker aus, denn in dem proprietären System gibt es noch keine Passwörter und eine Textverschlüsselung.

Zwar hat Exclusive Advertising nach einer Woche Tumult und lokalem Mediengeschnatter sämtliche Infotexte neu in jedes der 800 Displays einprogrammiert, doch mehr wird nicht getan: Das alte System soll 2007 ohnehin durch eine neue Anzeigetechnik ersetzt werden. Die wird dann wohl vorerst sicherer sein. (mk)

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