Intels erste Quad-Core-CPU
Kernexplosion

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Mit zwei Kernen ist noch lange nicht Schluss. Intel zeigt die erste Quad-Core-CPU mit x86-Architektur. Aber auch das alte Server-Schlachtschiff Itanium soll wieder flott gemacht werden.

Rechner mit zwei Clovertown-Prozessoren

Intels erste Quad-Core-CPU

Clovertown: Unter diesem Codenamen entwickeln die Ingenieure bei Intel die erste Quad-Core-CPU der Prozessorschmiede aus Santa Clara, Kalifornien. Zwar soll der neue Server-Prozessor erst Anfang 2007 offiziell vorgestellt werden, aber schon jetzt zeigte Justin Rattner, Intels Chief Technology Officer, einen funktionstüchtigen Rechner mit zwei Clovertown-Prozessoren. Für Server mit mehr als zwei CPUs soll der technisch weitgehend identische Tigerton dienen.

Die Basis für Clovertown und Tigerton bildet der schon dieses Jahr erscheinende Woodcrest, Intels erste Server-CPU auf Basis der neuen Prozessorarchitektur. Sie wird die Pentium-4-Abstammungslinie beenden und CPUs mit einer deutlich geringeren Leistungsaufnahme ermöglichen. So sollte Clovertown mit seinen vier Kernen nicht mehr Energie verbrauchen wie ein aktueller Dual-Core-Xeon auf P4-Basis. Nähere Angaben zu technischen Details oder zur voraussichtlichen Taktrate macht Intel derzeit noch nicht.


Bensley-Plattform: Eigener Bus für jede CPU

Intels erste Quad-Core-CPU

Die neuen Server-CPUs sind alle Bestandteil der Bensley-Server-Plattform. Woodcrest und Clovertown sind aber auch für Workstations gedacht. Diese Plattform wird bei Intel derzeit unter der Codebezeichnung Glidewell entwickelt.

Beiden Plattformen gemeinsam ist ein eigener Prozessorbus (Dual-Independent-Bus) zu jeder CPU statt des bei Intel bisher üblichen gemeinsamen Front Side Bus. Außerdem verwenden beide Fully-Buffered-DIMMs als Arbeitsspeicher. Der Dual-Independent-Bus soll den Flaschenhals zwischen CPU und dem Speichercontroller in der Northbridge wenigstens etwas erweitern. Mit den seriell angebundenen FB-DIMMs ist ein deutlich größerer Arbeitsspeicher von bis zu 64 GByte möglich.

Intels Clovertown und Tigerton werden 2007 aber nicht die einzigen Quad-Core-Prozessoren bleiben. Denn auch AMD arbeitet an einem Opteron mit vier Prozessorkernen und DDR2-Speicherinterface. Der Prozessor soll ebenfalls in der ersten Jahreshälfte 2007 erscheinen.


Neues Triebwerk für den Itanium-Prozessor

Intels erste Quad-Core-CPU

Mit dem Spottnamen Itanic hat die britische IT-News-Seite Inquirer Intels »großen« Server-Prozessor Itanium belegt. Und tatsächlich erinnert das mit großen Vorschusslorbeeren versehene Itanium-Projekt ein wenig an die tragische Geschichte der Titanic: Technisch ungeheuer fortschrittlich, aber mit zu großen Ambitionen gestartet.

Zwar schwimmt die Itanic noch, dümpelt aber eher vor sich hin, statt große Fahrt aufzunehmen. Von der baldigen Ablösung der inzwischen 28 Jahre alten x86-Architektur spricht heute jedenfalls niemand mehr, schließlich wechselt sogar Apple von RISC auf die Intel-Plattform.

Intel hat die Itanium-Familie daher über den x86er-Prozessoren der Xeon-Klasse positioniert. Dort tritt sie gegen große RISC-Prozessoren wie den Power5 von IBM und dem neuen, unter dem Namen Niagara entwickelten Sun UltrasparcT1 an.

Das Triebwerk, mit dem Intel die Itanic wieder flott machen will, ist der Dual-Core-Itanium mit dem Codenamen Montecito. Multi-Core-Chips sind in diesem Sektor im Prinzip nichts Besonderes mehr, schließlich arbeiten auch im Power5 zwei Kerne. im Niagara sind es sogar acht. Trotzdem beeindruckt die Komplexität von Montecito: Mit 24 MByte Level-3-Cache auf dem Die besteht der Kern aus 1,7 Milliarden Transistoren. Erscheinen soll der Montecito Mitte 2006.


Die Zukunft bringt Multi-Core-CPUs

Intels erste Quad-Core-CPU

Quad-Core-x86 und Dual-Core-Itanium sind für Intel nur ein erster Schritt zu immer komplexeren Multi-Core-Prozessoren. Insgesamt 17 Multi-Core-Projekte sind nach Intel-Angaben in der Entwicklung.

Aber auch AMD hat interessante Pläne: Die Ingenieure arbeiten an Prozessoren mit acht Kernen, die das Abschalten kompletter Cores erlauben. So spart der Prozessor Energie, wenn nicht die volle Rechenleistung verlangt wird.