Aus Spielgeld wird realer Mammon
Virtuelle Goldgrube

Allgemein

Der Handel mit virtuellen Gegenständen aus Online-Games hat sich zum Wirtschaftszweig gemausert: 2005 wurden 200 Millionen reale US-Dollar damit umgesetzt.

Der Weg ist das Ziel

Aus Spielgeld wird realer Mammon

Gelegenheitsspieler haben bei Online-Spielen wie World of Warcraft und Everquest 2 häufig das Nachsehen. Wie bei jedem MMORPG (Massive Multiplayer Online Roleplaying Game) ist der Weg das Ziel: Je mehr Zeit man in sein virtuelles Alter Ego investiert, desto besser entwickeln sich seine Fähigkeiten.

Hochwertiges Equipment gilt als Statussymbol: Wer seltene Ausrüstungsgegenstände wie Waffen oder Rüstungen sein Eigen nennt, steigt im Ansehen in der Online-Community. Im Fall von World of Warcraft ist diese Gemeinschaft nicht gerade klein: Das beliebteste MMORPG wurde seit Erscheinen 2004 mehr als fünf Millionen Mal verkauft.


Spielgeld auf eBay kaufen

Aus Spielgeld wird realer Mammon

Vielen Spielern fehlt die Zeit, um ihren Spielcharakter »hochzuleveln«. Das Erschummeln von Gold oder Ausrüstung scheidet ohnehin fast immer aus: Bei World of Warcraft sind die Charakterdaten nicht auf dem heimischen PC, sondern auf den Servern des Spieleanbieters gespeichert und somit sicher vor Manipulation.

An dieser Stelle setzt der Service von Anbietern wie virtualgameworlds.com oder zahllosen Inserenten auf eBay an. Wer sich den lang ersehnten Gegenstand im Spiel nicht leisten kann, kann mit echtem Geld einfach virtuelles hinzukaufen. Zum Beispiel kosten 500 000 »Gold« für das Online-Rollenspiel Guild Wars rund 40 Euro. Bei World of Warcraft bewegen sich die eBay-Preise zwischen 13 Euro (100 Gold) und rund 100 Euro (1000 Gold). Nach Bezahlung erfolgt die Lieferung direkt im Spiel.

Herumposaunen sollte man seinen Kauf dann allerdings nicht: eBay-Kunden gelten als Cheater, also als Schummler, da sie sich gegenüber anderen Spielern einen unlauteren Vorteil verschafft haben.


Virtuelle Inflation

Aus Spielgeld wird realer Mammon

Derlei Aktivitäten sehen auch die Spielehersteller nicht gern. Die Spielbalance könnte durch unkontrollierten Geldfluss außer Kontrolle geraten und eine Art virtuelle Inflation entstehen. Spielern, die sich über eBay und Konsorten mit Spielgeld eindecken, drohen die Hersteller daher mit der Suspendierung vom Spiel oder sogar mit der Sperrung des Spielerkontos (Accounts).

Dann hilft nur die Schaffung eines neuen Spielecharakters und selbst hier hilft das Aktionshaus im Internet weiter: Wer nicht die Zeit aufwenden will, seinen Online-Charakter zur mächtigen Spielfigur aufzupäppeln, kann auf eBay auch bereits bestehende Accounts ersteigern.


Gold im Schichtbetrieb

Aus Spielgeld wird realer Mammon

Der Handel mit virtuellen Waren hat sich zu einem ernst zu nehmenden Wirtschaftszweig entwickelt: Laut einer Studie von Advanced Economic Research Systems (AERS) wurden 2005 über eBay virtuelle Waren im Wert von rund 200 Millionen US-Dollar umgesetzt. Viel Geld, das den Spieleentwicklern entgeht. Einzig Sony versucht mit einer eigens für Everquest 2 eingerichteten Handelsplattform (http://stationexchange.station.sony.com) am Erfolg teilzuhaben: Der Kauf und Verkauf von virtuellen Spiel-Gegenständen und Accounts von Spieler zu Spieler wird darüber legalisiert – ein Projekt, dem die Everquest-Community allerdings stark ambivalente Meinungen entgegenbringt.

Im Gegensatz zu Privatpersonen, die ihr Gold auf eBay anbieten, haben sich andere darauf spezialisiert, Gold innerhalb des Spiels zu produzieren und zu versteigern. Das lohnt sich: Ein eBay-Verkäufer setzte für World of Warcraft bis zu 44 000 US-Dollar laut AERS pro Monat um. Die Online-Spiele sind sogar Lebensgrundlage und Full-Time-Job: Laut Schätzungen der New York Times sitzen die meisten Anbieter virtuellen Golds in China. Wegen der niedrigen Lohnkosten rentiert es sich, dieses nicht von so genannten Bots, sondern von realen Personen einsammeln zu lassen. Als so genannte »Farmer« sollen bis zu 100 000 Chinesen arbeiten. Deren einzige Aufgabe: in Online-Spielen das Gold einsammeln, das später versteigert wird. Reich wird man damit nicht: Ein Farmer erhält ein Monatsgehalt von umgerechnet 250 Euro.