Webbrowser im Praxistest
Browser-Check

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Für Web-Entwickler bedeuten neue Browsergenerationen meist nicht etwa Erleichterungen, sondern neue Herausforderungen. Ein Test aktueller Webbrowser zeigt, worauf Webdesigner ihre Blicke richten müssen.

Wechselnde Machtverhältnisse

Webbrowser im Praxistest

Der Internet Explorer steht mit dem Rücken zur Wand. Firefox und Opera sind schneller, flexibler und schlanker. Ihre größten Pluspunkte sind aber, dass sie die Webstandards des W3C (www.w3.org) in höherem Maße unterstützen. Das könnte die Arbeit für den leidgeprüften Webdesigner um so vieles vereinfachen. Doch solange der Internet Explorer den Ton angibt, heißt die Devise, für jeden Sonderling eine optimierte Version bereitzustellen, Workarounds für nicht unterstützte Funktionen zu bauen und darauf zu hoffen, dass es bald besser wird. Und es wird. Laut Xiti Monitor (www.xitimonitor.com/etudes/equipement13.asp) nutzen in Deutschland bereits 30,3 Prozent der Surfer den Firefox-Browser, Tendenz steigend. Bei Etracker (www.etracker.de) kommt man indes auf circa 21 Prozent. Jedenfalls hat der Browser in jedem Jahr gut zehn Prozentpunkte zugelegt. Opera hinkt da noch etwas hinterher. Nachdem der Browser aus der norwegischen Software-Schmiede auch ohne lästige Werbebanner kostenlos zu haben ist, hat Opera aber wieder mehr Nutzer und ist zudem der schnellste Browser im Testfeld.


Web-Entwicklung: Jetzt umdenken

Webbrowser im Praxistest

Doch welche Konsequenz soll der Webdesigner daraus ziehen? Weiterhin für den IE optimieren und Spezialfunktionen für die anderen Browser dazuentwickeln? Der Test zeigt, dass es andersherum sinnvoller ist. Entwickler sollten jetzt ihre Webseiten fit für die gängigen Webstandards machen – falls es nicht ohnehin schon geschehen ist. Browser-Alternativen wie Firefox und Opera haben nicht nur aus technischer Sicht die Nase vorn, sondern erreichen mittlerweile einen Grad an Verbreitung, der ein Umdenken erforderlich macht. Und die Statistiken zeigen, dass mit dieser Entwicklung noch lange nicht Schluss ist.

Im Internet-Professionell-Browsertest hätten mehr als 20 Kandidaten an den Start gehen können, die allesamt dem aktuellen Microsoft-Browser das Wasser reichen können. Die Tester haben sich die vier vielversprechendsten Kandidaten herausgepickt und auf Herz und Nieren getestet. Dabei stehen die unterstützten Webstandards im Vordergrund, ebenso wie alle Funktionen, die für Web-Entwickler und Installationen im Unternehmen relevant sind. Bei der Programmierung und beim Design ist es wichtig zu wissen, auf welche Techniken man setzen soll, um alle Besucher der Seite optimal zu bedienen. Dazu zählt die Frage, wer ohne ein Plug-in SVG-Grafiken angezeigt bekommt, in welchem Webbrowser die User Skripts deaktivieren können und welche Sicherheitszertifikate unterstützt werden. Für den Einsatz im Unternehmen spielt die Sicherheit außerdem eine wichtige Rolle.


Internet Explorer 7 im Betatest

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Mit Spannung wird der Internet Explorer 7 erwartet, der Bestandteil von Windows Vista sein wird, aber schon vorher in einer XP-Version erscheinen soll. Er soll verlorenen Boden wieder gut machen. In der zweiten Jahreshälfte, wenn der IE 7 erscheinen soll, wird der Microsoft-Browser jedoch bereits gegen Firefox 2.0 antreten müssen. Der Internet Explorer 7 Beta taucht neben der Version 6 ebenfalls im Testfeld auf. Der Funktionsumfang des Internet Explorer hinkt, wie dieser Test beweist, selbst in der kommenden Version 7 weit hinter dem Mitbewerb hinterher. Internet Professionell bewertet den IE 7 nicht, da es sich um eine Beta-Version handelt.

Die Performance der Browser messen die Tester mit einer eigens entwickelten Benchmark-Suite. Diese Messungen ermitteln unter anderem die Startzeit, das Tempo beim Laden einer Website und die Javascript-Geschwindigkeit.


Webseiten korrekt anzeigen

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Der Internet Explorer hält sich nur teilweise an die Vorgaben des WWW Consortiums (W3C), des Gremiums zur Standardisierung des World Wide Webs. Dass viele Seiten dennoch im IE besser dargestellt werden als in anderen Browsern oder gar nur mit ihm laufen, liegt daran, dass die Web-Entwickler es sich zu Eigen gemacht haben, spezielle IE-Features zu verwenden, die nichts mit den W3C-Vorgaben zu tun haben. Besonders deutlich wird dies am Acid-Test (www.webstandards.org/act/acid2/test.html), bei dem eine aus Layern und speziellen CSS-Formatierungen zusammengesetzte Grafik dargestellt werden soll. Beim Internet Explorer ist auch in Version 7 das Smiley, das eigentlich erscheinen sollte, nicht zu erkennen. Diese Abweichung von den W3C-Normen hat zur Folge, dass sich ein paralleler Microsoft-Quasi-Standard gebildet hat. Das funktionierte auch sehr gut, solange Microsofts Browser auf nahezu allen Rechnern im Einsatz war. Erst seit dem Firefox-Boom achten Entwickler wieder verstärkt darauf, den kleinsten gemeinsamen Nenner bei Spezialfunktionen zu verwenden.

Beim Acid-Test überzeugt keiner der Browser hundertprozentig. Die ähnlichste Darstellung zeigt jedoch die Opera-Rendering-Engine, dicht gefolgt von den drei Gecko-gestützten Browsern, bei denen das lachende Gesicht zumindest zu erkennen ist. Als
»Thema verfehlt« muss jedoch die Darstellung des Internet Explorers angesehen werden, der statt des lachenden gelben Gesichts eine rote Fläche mit schwarzen Tupfen im Fenster zeigt.


Beste Vektorgrafik: Opera

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Bei der Darstellung einfacher Grafiken im GIF-, JPEG- und PNG-Format liegen Gecko und Opera gleichauf. Lediglich der Internet Explorer kann die Transparenz in PNG-Grafiken nicht darstellen. Das Vektorgrafikformat SVG (Scalable Vector Graphics) zeigt Opera ohne weitere Treiber am besten an. Zwar hat auch der Firefox 1.5 eine grundlegende SVG-Unterstützung. Diese zeigt jedoch nur einen Teil der Grafiken an. Während Internet Explorer, Netscape und K-Meleon mit den SVG-Treibern von Adobe (www.adobe.com/svg) dazu gebracht werden können, die Vektorgrafiken richtig anzuzeigen, hat diese Installation weder auf Firefox noch auf Opera irgendeine Wirkung.


Sicherheitslücken

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Das Thema Sicherheit beim Surfen im Internet wird immer im gleichen Atemzug mit der Angreifbarkeit des Internet Explorers genannt. Das liegt nicht daran, dass die Microsoft-Entwickler schlampig gearbeitet hätten, sondern vielmehr an der weiten Verbreitung der Software, die den Browser zur lohnenden Zielscheibe macht. Die Recherche unter www.secunia.com zeigt, dass beim IE 6 allein in den vergangenen 24 Monaten über 50 Schwachstellen aufgedeckt wurden. Doch auch Firefox geht es nicht viel besser. Seit dem Firefox-Boom wurden auch hier vermehrt Angriffspunkte festgestellt, mittlerweile immerhin 26. Opera hingegen, mit seinen knapp drei Prozent am Browsermarkt, wird nur elfmal in der unrühmlichen Statistik genannt. Einen kostenlosen Browser-Sicherheitstest bietet www.scanit.be/bcheck. Bei den getesteten Browsern, die allesamt mit den neuesten Patches versehen waren, findet dieser Test keine Sicherheitslücken.


Riskante Techniken

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Neben der Angriffsfläche, die der Internet Explorer allein wegen seiner Popularität bietet, laden bei Microsoft einige Techniken geradezu dazu ein, das System anzugreifen beispielsweise die umstrittene ActiveX-Technik. ActiveX-Plug-ins sind in HTML-Seiten eingebunden und werden beim Aufruf der Webseite automatisch auf den Benutzer-PC geladen und dort wie EXE-Dateien ausgeführt. Das Ziel: Sie sollen mehr Surf-Komfort bringen. So kann ein ActiveX-Steuerelement innerhalb einer Webseite beispielsweise den komfortablen Upload von Bildern zu einem Fotoservice ermöglichen. Die Kehrsei
te ist, dass ein böswillig eingesetztes Modul auch Systeminformationen auslesen und an seinen Entwickler versenden kann. Nur der Internet Explorer arbeitet mit ActiveX-Steuerelementen und setzt Anwender so einem Sicherheitsrisiko aus.

Den zweiten Ansatzpunkt bilden Plug-ins, wie sie alle getesteten Browser zulassen. Auch diese bestehen zum Teil aus Systembibliotheken (DLLs), die wie ActiveX-Controls dieselben Rechte haben wie der angemeldete Benutzer. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass ActiveX-Controls innerhalb einer Webseite eingebettet sind und auf den Rechner gelangen können, ohne dass es der Benutzer merkt. Plug-ins hingegen installiert der Anwender explizit in die Browser-Oberfläche, um den Funktionsumfang seines Webbrowsers zu erweitern.


Werbefilter

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Einen Popup-Blocker bringen alle Kandidaten mit, sogar der Internet Explorer 6 seit dem Service Pack 2 für Windows XP. Ein echter Werbefilter ist hingegen in keinem Browser eingebaut. Die beiden Gecko-basierenden Testkandidaten Firefox und Netscape können über Plug-ins Banner ausblenden. Alle anderen Browser lassen sich mit einem separaten Programm wie Proxomitron (www.buerschgens.de) um diese Funktionalität erweitern.


Lahmer Firefox

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Im Testlabor überprüfen die Tester sämtliche Browser mit Hilfe der speziell für diesen Test entwickelten Benchmarks (www.togs.de/ipro). Bei der Startzeit direkt nach dem vollständigen Hochfahren von Windows liegt Opera mit nur fünf Sekunden klar in Führung, gefolgt von K-Meleon und dem Internet Explorer 6 mit jeweils sieben Sekunden. Das gute Ergebnis des Internet Explorers muss aus technischer Sicht relativiert werden, da bereits beim Systemstart zahlreiche Komponenten des Browsers geladen werden und dessen schneller Start im Grunde auf einem Preloader beruht. Derartige Programme, die bereits Teile einer Anwendung beim Systemstart in den Speicher laden, gibt es auch für die anderen Browser. Wirklich behäbig sind nur Netscape und Firefox mit 14 beziehungsweise 15 Sekunden. Die Verzögerung wird umso größer, je mehr Erweiterungen installiert sind. Ist der Browser erst einmal im Speicher, dauert der erneute Start in allen Fällen nur zwei, beim K-Meleon sogar nur eine Sekunde.

Beim Verbrauch der Ressourcen zeigt sich ein komplett anderes Bild. In Bezug auf die beanspruchte Prozessorzeit während eines kompletten Testzyklus ist der Firefox mit weniger als 9,5 Sekunden ein echter Asket, gefolgt von K-Meleon mit 17,7 Sekunden und Opera sowie Netscape mit 25,7 respektive 27,9 Sekunden. Weit abgeschlagen mit dem vier bis fünffachen Ressourcen-Hunger belasten die beiden Internet-Explorer-Versionen das System.


Opera hängt alle ab

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Mit Hilfe von Javascript stoppt Internet Professionell die Zeit für den Aufbau der Webseite bei der Darstellung verschiedener Inhalte, etwa einer Seite mit 400 Grafiken oder eine Tabelle mit 10000 Zellen. Der Gewinner heißt hier mit Abstand Opera, gefolgt von den drei Gecko-basierten Browsern Firefox, K-Meleon und Netscape. Weit abgeschlagen folgen die beiden Internet-Explorer-Varianten. Auch wenn der Internet Explorer 7 noch als Betaversion vorliegt und nicht endgültig bewertet werden kann, lässt sich an den Ergebnissen bereits absehen, dass sich die Performance der Final im selben Rahmen bewegen wird wie bei der Vorgängerversion. Während die Microsoft-Browser bei der Darstellung von Grafiken oder in verschiedenen Ebenen aufgebauten Webseiten im guten Mittelfeld liegen, brauchen sie bei einer mathematischen Berechnung im Testlabor knapp 20-mal so lange wie Opera, beim Aufbau einer großen Tabelle 80-mal so lange.


IE nur als Zweitsystem

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Um den Internet Explorer kommt der Anwender nicht herum. Es wird sich über kurz oder lang jedoch ergeben, dass dieser ihn nur für Seiten verwendet, die mit keinem anderen Browser zu öffnen sind. Als Browser der ersten Wahl wird Firefox vielleicht schon in Version 2 dem IE den Rang ablaufen. Wenn Firefox ähnlich wie der IE im Firmennetzwerk zum Einsatz kommen soll, bedarf es aber noch der Möglichkeit, Einstellungen und Updates zentral im Netzwerk zu verwalten. Wer auf dieses Feature wartet, muss sich noch gedulden. Die Roadmap für Firefox 2 und 3 enthält noch keine Hinweise auf solche Entwicklungen.

Dank der Anpassungsfähigkeit mit Plug-ins gewinnt Firefox immer mehr Zulauf bei den Privatanwendern. Das Manko des langsamen Programmstarts lässt sich mit dem Preloader (sourceforge.net/projects/ffpreloader) beheben. Aber auch Opera ist ein ernst zu nehmender Kandidat im Rennen um den Browserthron. Schnelligkeit und ein schlankes Programmpaket sprechen ebenso für den Norweger wie die hervorragende Standardkompatibilität inklusive der SVG-Darstellung. Für Netscape als Alternative zu Firefox spricht nichts, da das Programm annähernd die gleichen Funktionen bietet, dafür jedoch mehr Speicherplatz sowie Systemressourcen benötigt. K-Meleon ist etwas für Bastler, denen ein System mit starren Optionen zuwider ist. Da sämtliche Einstellungen, bis hin zur Sprachanpassung, über Javascript-Konfigurationsdateien gesteuert werden, holt ein geschickter Anwender aus K-Meleon das Höchstmaß an Individualität heraus.

Enttäuschend ist, was Microsoft dem IE 7 hat angedeihen lassen. Was die Beta derzeit zeigt, entspricht in Sachen Funktionsumfang, Performance und Bedienerfreundlichkeit noch nicht dem Niveau der Konkurrenz.


Testanwendung online

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Internet Professionell stellt Ihnen eine Testanwendung unter www.togs.de/ipro für eigene Browser-Checks zur Verfügung. Damit prüfen Sie das Rendering von Grafikformaten und führen Leistungstests durch. Es gibt Benchmarks für Bild- und Cache-Verwaltung, Layer, Popups, Tabellendarstellung, Rechenoperationen und weitere Tests.