Software-Industrie sucht nützliche Spione
Die Nutzer sind scharf auf mehr und bessere Spyware

IT-ManagementIT-ProjekteNetzwerk-ManagementNetzwerkeSicherheitSicherheitsmanagementVirus

Wie viele andere große Erfindungen kann auch Spyware sowohl zum Nutzen als auch zum Schaden der Verbraucher eingesetzt werden.

Software-Industrie sucht nützliche Spione

Es widerstrebt mir zutiefst, dies öffentlich zu sagen, aber Spyware ist die Zukunft. Vielleicht wird sich die Spyware sogar verbessern. Das Problem mit der jetzigen Spyware ist, dass sie häufig so schlecht zusammengeschustert ist, dass der Browser des Nutzers deswegen aussteigt.

Dies trifft auch auf Adware zu. Keiner möchte auf die Statusleiste starren, während der Browser mit einem Duzend Werbeseiten kommuniziert, anstatt die Seite zu laden, die man sich ansehen möchte. Über Distractware (Software, die den Nutzer ablenken soll) wollen wir gleich gar nicht reden; blinkende Karikaturen von Flugzeugen oder Hochhäusern, die fünfzehn Mal pro Sekunde ihre Farbe wechseln… das reicht, um zu Firefox zu wechseln und einen Werbeblocker laufen zu lassen (Die Firefox Erweiterung Adblock verwendet übrigens eine Blacklist, welche alles blockt, was darin aufgenommen wird. Das können einzelne Seitenelemente sein, aber auch ganze Server oder sogar komplette Domains).

Wenn man aber auf dem Markt nach einem neuen Auto sucht und zwar ganz spezifisch nach einem bestimmten Modell zu einem bestimmten Preis und eine Anzeige erscheint, die besagt: “Hallo! ich habe genau den 1995er BMW-Kombi, den Sie suchen zum halben Preis, den Sie dafür hingelegt hätten!” – dann würden Sie das nicht als Einmischung betrachten.


“demografische Analysen”

Software-Industrie sucht nützliche Spione

Außerdem, wie von mir bereits in anderen Artikeln über die “Präsenz” im Web erläutert, wird die Fähigkeit, Ihrem Geschmack auf die Spur zu kommen, geradezu alltäglich. Man kann es nun als Präsenzbeobachtung oder aber demografische Analyse bezeichnen. All dem liegt jedoch in dieser oder jener Form der Mechanismus von Spyware zugrunde.

Die Nachricht, dass sich einige Sicherheitsunternehmen zusammenschließen, um den Schutz vor Spyware zu formalisieren, ist toll. Man sollte aber nicht so tun, als ob dies die Lösung des Problems wäre. Die Schwierigkeit besteht darin, dass die Software- und Web-Industrie von der Werbung abhängig sind. Gleichzeitig beginnt nun aber auch die Werbeindustrie ganz allmählich, auf dümmliche Art zu verstehen, dass sie die Software und das Web ausnutzen muss. Nicht die hellsten Köpfchen, nutzen Sie das Medium häufig auf abstoßende Weise statt auf eine produktive.

Es ist doch so: ohne Sponsoren, kann man keine werbefreien Medien haben. Öffentlich-rechtliche Fernsehsender leben von Gebühren oder Steuern (ja nach Land) und könnten eigentlich werbefreie Programme anbieten. Aber außerhalb dieses Modells müssen die Medien große Summen für die Inhalte bezahlen – und dafür Werbesponsoren akquirieren.

Bevor der Software-Industrie dies bekannt war, kam sie ohne Werbung recht gut zurecht; aber jetzt ist sie geradezu süchtig danach und wird nie wieder davon ablassen. Bestenfalls können wir auf gut geschriebene Spyware hoffen, die von ehrlichen Unternehmen und nicht von Gangstern angeboten wird.

Das Fazit ist: Wenn Spyware dezent eingesetzt wird, werden die Nutzer nicht murren. Im Gegenteil: sie bekämen gute, zielgerichtete Werbung für Dinge, die sie mögen anstatt in ihrer Mail-Inbox eine Masse von nutzlosem Spam vorzufinden.