Mobiltechniken für Ahnungslose
Werden die Vorteile drahtloser Kommunikation überbewertet?

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Es besteht eine breite Kluft zwischen den Erwartungen der Nutzer und dem tatsächlichen Leistungsvermögen neuer Technologien. Besonders sticht dies bei Wireless-Technik hervor.

Hosenlos und bodenlos

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Drahtlose Kommunikation ist eine fantastische Erfindung. Schuhe aber auch. Das Problem bei ersterer ist, dass sie als Netzwerklösung in hohem Maße überbewertet wird. Wenn Schuhe mit dem gleichen Anspruch verkauft würden wie die drahtlose Kommunikation, würden wir das Geschäft wohl in dem Wahn verlassen, dass wir niemals mehr Hosen tragen müssten.

Es ist ganz klar, dass die Erwartungen für die reale Welt um ein oder zwei Windungen zurückgeschraubt werden müssen.

So ist zum Beispiel die Auffassung, dass Wi-Fi die mobile Kommunikation einfacher macht, eine grobe Fehleinschätzung. Das mag zwar im Büro zutreffen, wo das Supportteam für den IT-Bereich alles gemäß den Wünschen des Nutzers einrichten kann, aber die gleichen Nutzer scheitern auf Geschäftsreisen, wenn sie versuchen, durch eine Welt von WEP- (Wired Equivalent Privacy), Hex-Codes und Passphrases zu navigieren, wenn sie sich in einem Hotel einloggen wollen. Aus Nutzersicht erscheint das Einstöpseln eines Ethernetkabels um ein Vielfaches leichter.


Ahnungslos im Äther

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Ein Teil des Problems mögen die überzogenen Erwartungen sein. Die Nutzer sind schnell davon überzeugt, dass jeder neue zertifizierte Standard für die drahtlose Kommunikation den Zugang vereinfachen, die Leistung erhöhen, alle Mängel beseitigen und den Weltfrieden bringen wird. Für diese Fehleinschätzung mache ich aber das Marketing seitens der Anbieter verantwortlich, die von der Technologie ebenfalls nichts verstehen.

Das folgende Beispiel stellt zwar keine genaue Parallele zum Markt auf Unternehmensebene dar, aber kürzlich habe ich mich nach einem schnurlosen Telefon umgesehen. Obwohl viele Verkäufer versucht haben, hilfreich zu sein, hatten sie absolut weniger Ahnung als ich.

Dabei habe ich nur solche Fragen gestellt wie: “Welche Batterien brauche ich für die Hardware?” und “Hat es einen eingebauten Anrufbeantworter?”. Für meinen Geschmack waren dies ziemlich grundlegende Fragen: etwa so wie wenn ich in einen Bekleidungsladen gehe, mir ein paar Hemden anschaue und dann frage “Bis wohin reichen die Ärmel?”


Halbwissen für “Spezialisten”

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Wenn Sie mögen, können Sie ja der schlechten Ausbildung des Verkaufspersonals die Schuld geben – ich vermute aber, dass es mehr mit einer falschen Auffassung in der IT- und Elektronikindustrie zu tun hat, wo gilt, dass Halbwissen gleich Spezialwissen ist. Und da jeder von sich überzeugt ist, dass er oder sie ein Spezialist ist, kaufen die Menschen, die nicht die praktischen Auswirkungen einer neuen Technologie verstehen, bereitwillig Ausrüstungen von Leuten, für die dies ebenso ein Buch mit sieben Siegeln ist.

Es geht hierbei nicht um Unehrlichkeit. Die IT-Anbieter lassen vielmehr oft genug Produkte in einem Schweinsgalopp auf den Markt, bevor sie wirklich fertig sind. Das geschieht in dem Glauben, dass es wichtiger ist, als erster auf dem Markt zu sein, als auf die Erfahrung der Nutzer zu bauen. Dies wurde bei der ersten Wi-Fi-Revolution deutlich. Firmen und Privatpersonen haben sich überschlagen, um 802.11 Access-Points (Zugangspunkte) zu installieren, nur um festzustellen, dass die Einrichtung gerade mal die Hälfte der erwarteten Bandbreite lieferte, die dann mit jedem drahtlosen Client in Reichweite geteilt werden musste.


802.112n – auch zu schnell?

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Die Geschichte mag sich bald wiederholen: jetzt da die IEEE einen Spezifikationsentwurf für 802.11n herausgegeben hat, um theoretisch Datenübertragungsgeschwindigkeiten zu unterstützen, die an die 300Mbit/s heranreichen.

Selbsternannte Experten müssen wieder auf den Boden zurückgeholt werden, indem ihnen demonstriert wird, was ein “technologischer Vorzug” auf Nutzerniveau wirklich bedeutet.

So habe ich beispielsweise kürzlich ein Gespräch unter zwei Geschäftsleuten mitbekommen, von denen der eine ziemlich lange auf seinen Handheld zu starren schien. Der andere Mann fragte: “Ist das WAP?” Worauf der erstere antwortete “Nein, Wuthering Heights” (nach dem Roman “Sturmhöhe” ein ziemliches Chaos).