Zensur bei Suchmaschinen
Ist Googles angeschlagenes Image noch zu retten?

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David Neal bewertet den Entschluss von Google, seine chinesische Suchmaschine zu zensieren, als den jüngsten einer Reihe von PR-Flops des Suchkrösus.

Nichts Böses?

Zensur bei Suchmaschinen

Die Nachricht, dass Google eine selbst zensierte, regierungsfreundliche Version seiner Suchmaschine in China gestartet hat, ist mehr als ein Schock. Sie ist keineswegs erst die Spitze eines Eisbergs, sondern eher ein weiterer Brocken des kompletten Berges, der sich uns schon seit geraumer Zeit bedenklich nähert – nicht nur bei Google.

Das Ziel von Googles Mission war es nach eigener Formulierung einmal, weltweit Information so zu organisieren, damit jeder darauf zugreifen und sie nutzbar machen kann. Doch das vorhandene Geld sowie die Marktposition scheinen es zu begünstigen, manchmal genau das Gegenteil zu tun. Ein anderes Statement aus dem Hause Google lautet: “Don´t be evil” – was in etwa so viel heißt wie: Tu nichts Schlechtes. Es steht gedruckt auf den Dokumenten der Aktionäre und klingt nach einer ernst gemeinten Message. Aber wenn man einmal etwas tiefer im Untergrund des Unternehmens forscht, entdeckt man nicht nur die heile Welt.

Unter dem Eindruck, dass Google-Mitarbeiter ihre Zeit damit verbringen, auf saftigen Wiesen zwischen niedlichen Kaninchen herumzurennen und Linsensuppe zu essen – und gelegentlich einmal anzuhalten, um noch ein weiteres Bäumchen zu pflanzen – war es kaum möglich, sich vorzustellen, dass diese Leute jemals – wie auf der neuen chinesischen Version nun geschehen – systematisch Links entfernen würden zu Themen wie “Tiananmen ” oder “Free Tibet”.


Die ersten Schnitzer

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Als die Website Google.cn Ende Januar online ging, war der Schock unter Menschenrechtlern groß. Man prangerte Googles beschränktes Urteilsvermögen an und kritisierte die Zusammenarbeit mit einer Regierung, die unlautere Ziele verfolgt. Aber das war durchaus nicht das erste Mal, dass der Suchmaschinen-Gigant eine kontroverse Diskussion auslöste.

Im letzten Jahr wurde das Unternehmen kritisch beäugt, als es der IT-News-Website CNet Sanktionen auferlegte, als diese Einzelheiten über Google-Chef Eric Schmidt veröffentlichte, die – Ironie des Schicksals – mit Google ausfindig gemacht worden waren. CNet hatte den Wohnort Schmidts, den Namen seiner Frau und ihr ehemaliges Lieblingsrestaurant genannt. Diese Enthüllungen nahm das Google PR-Team sofort zum Anlass, den Kontakt zu CNet abzubrechen.

Einen weiteren groben Schnitzer leistete sich Google, als es mit Google Print geistiges Eigentum von Autoren zu verletzen schien. Die Autoren fanden, dass der Suchdienst, der Einblick in Bücher gab, ein bisschen zu weit ging. Darauf reagierte Google mit einer Namensänderung in Google Book Search und der Erklärung, es habe nur eine Suchdatenbank errichten wollen für Bücher und deren Inhalt – was es im Übrigen ja gerade war, was von den Autoren bemängelt wurde.


Google steuert auf Konflikte zu

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Zeitgleich mit diesem Konflikt zeigte sich ein Entwickler brüskiert, der ein ungeprüftes Add-On für die Google-Deskbar entwickelt hatte und wegen Verletzung des Logo-Coyrights dafür gerügt wurde. Auch die Google Dektop-Suche ist umstritten, weil sie Informationen sammeln kann.

Dann steht noch ein Strafverfahren an, angezettelt von der Presseagentur Agence France Presse, die letztes Jahr eine Klage wegen ungenehmigter Aufnahme von Fotos, Headlines und Berichten in Google News eingereicht hatte.

In einer Welt, in der sich Information – vor allem negative – wie ein Lauffeuer verbreitet, ist jeder dieser Vorfälle eine PR-Katastrophe. Angaben der Analysten von WebSideStory zufolge hält Google am US-amerikanischen Suchmaschinen-Markts eine 50-Prozent-Stellung, doch wenn das Unternehmen nicht aufhört, Anwender und Entwickler derart vor den Kopf zu stoßen, könnte diese Zahl rasch sinken.

In Deutschland hat die Firma über 80 Prozent des Suchmarktes – aber hier hat sich bislang noch keiner beschwert. Deutschland, ein Land der Duckmäuser? Nein, die Deutschen sehen Google nur als Tool. Und dass hier Neonazi-Websites ausgefiltert werden, ist nichts Verwerfliches – und wen interessiert China, mit dem man gute Geschäfte macht?


Diskussion!

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Aber vielleicht sollte sich Google dennoch auf seine anfängliche, relativ klar definierte Aufgabe besinnen, weltweit Information zu organisieren. Dies ist schließlich das Hauptziel, und darin erreicht das Unternehmen ein hohes Niveau. Andernfalls läuft der Suchmaschinen-Gigant Gefahr, die Herzen und Mäuse der Internet-Benutzer allmählich zu verlieren.

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– Spielt der politische Hickhack um Google eine Rolle für Sie?
– Glauben Sie, der Suchmaschinenkrösus wird durch die Negativ-PR Marktanteile verlieren?
– Heizt Microsoft die Diskussion an, um selbst leichter ein größeres Stück vom Suchmarkt-Kuchen zu ergattern?