IT-Markt-Jojo Sun Microsystems
Im fahlen Winterlicht sorgt Sun für sonnige Hitze

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Der Unix-Riese hat seinen Glücksbringer wieder und das dank echter Pionierarbeit bei Servern, Software und der Lizenzierung.

Tiefe Täler der IT-Geschichte durchschritten

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Noch ist es nur Gemurmel – aber es könnte sein, dass Sun es mal wieder geschafft hat. Das Unternehmen, das mehr Comebacks hatte als die Popgruppe The Who, versucht es mit einem altbewährten Trick und nimmt erneut einen brillanten Kurs in Richtung der Rechenzentren auf.

Noch nie hat jemand als besonders schlau gegolten, der die Firma schon abgeschrieben hat, die als Stanford University Networks (einem damaligen Projekt zur Vernetzung der Bibliotheksrechner an der Stanford University) angefangen hat. Vor fünfzehn Jahren, da das Unternehmen als eine aggressive, mutige Firma angefangen und die damalige Welt der Mainframes erschüttert hat, war ein Ding, das als ACE-Konsortium (Advance Computing Environment) bezeichnet wurde, drauf und dran, Sun abzuwürgen. Was von einigen als eine Polizeiaktion nach dem Motto “Fangt Sun” beschrieben wurde, waren die Zwangsmethoden, mit denen ACE die Firmen Mips, Compaq, Digital, Microsoft und andere dahin trieb, eine Spezifikation zu entwickeln, die als ARC (Advanced RISC Computing Specification) bezeichnet wurde. Diese war zwar technisch stark – aber nie von Erfolg gekrönt.


Auch Microsoft kriegte Sun nicht unter

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Danach sollte die Wintel-Kombination, mittels Holzhammermethode Sun nach vorn bringen, indem bei Workstations und Volumenservern ein besseres Preis- Leistungsverhältnis offeriert wurde.

Schließlich wurden durch Pentium und Windows eine Menge Leute zermalmt, aber Sun flog immer noch nicht aus dem Rennen.

Sogar die Wahrnehmung, dass Sparc an Tempo verlor, ließ Sun nicht entgleisen. Auch Scott McNeally&aposs Versprechen “all unsere Anstrengungen auf ein klares Ziel zu richten” – womit er die gebündelte Konzentration auf den Sparc-Prozessor und das Solaris Betriebssystem beschreibt – erwies sich letztendlich nicht als eine tödliche Schwäche, wie sie manche vorausgesagt hatten.

In der Realität wurde Sun stärker als je zuvor, als die Jahre des Internet-Booms bei den Firmen die Jagd auf hochskalierbare, robuste Server entfachten, und der StarFire E 10000 war seinerzeit die heißeste Kiste auf der ganzen Welt.


Larry Ellison, der Retter

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Sun war immer aggressiv. Wie der verstorbene Bill Bluestein, ehemals Analyst bei Forrester Research, einmal sagte: “Niemand will mit Sun ins Bett steigen, denn am nächsten Morgen wäre er tot”. Aber in einer Industrie, wo Vereinbarungen über eine Zusammenarbeit nicht mal die Druckerschwärze wert sind, hat Sun dennoch mit Oracle eine der stärksten Achsenmächte in der Industrie geschmiedet.

Michael Dell hatte den Eindruck, dass Sun ohne den Datenbankriesen als Mitkämpfer an seiner Seite verwundbar wäre und deshalb Oracles Larry Ellison hofiert hat. Diese Strategie schien nun aufzugehen: als Ellison öffentlich verlauten ließ, dass preisgünstige Server, die mit Linux laufen, der richtige Schritt nach vorn sind.

In den letzten Jahren schien Sun zeitweise in Panik zu sein und immer dem neuesten Trend hinterherzulaufen. Das Unternehmen hatte eine zwischen Ja und Nein flimmernde Beziehung zu Linux, ist in die “Wenn-es-geht-machen-wir-es-Open-Source”-Gemeinschaft eingestiegen, hat sich den x86 Chips wegen des Massenbedarfs zugewendet, mit Itanium und Power geflirtet sowie eine neue Lizenz für Solaris x86 vergeben – ein Produkt, bei dem es noch vor ein paar Jahren so aussah, als würde es den Bach runtergehen.

Allerdings hat Sun auch weiterhin in Solaris und Sparc investiert, dazu Größen der Ingenieurkunst zurückgeholt und sich zu wahren technischen Meisterleistungen aufgeschwungen. Die neuesten Sun Fire Server entsprechen voll dem Zeitgeist, sie laufen ohne starke Hitzeentwicklung, verbrauchen Energie nur schlückchenweise und sind für Internet-Transaktionen optimiert.


Ewige Wiederauferstehung

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Bei der Software sorgt Sun ebenfalls für den gewissen Unterschied, indem sie Pionierarbeit bei Programmlizenzen pro Angestelltem leisten, und durch die Übernahme von SeeBeyond, dessen Integrationssystem-Portfolio prompt als Open-Source bereitstellt wird.

Es ist noch zu früh, um sagen zu können, ob Sun seine ewige Wiederauferstehung nochmals wiederholen kann – aber es ist schon selten, dass man noch eine solche Freude unter den Kunden findet, wenn es um eine Produkteinführung geht.

Nur ein Depp würde darauf wetten, dass Sun nicht wieder schnell auf die Beine kommt.