Outsourcing nach Indien unsicher?
Sicherheit bei IT-Auslagerungen überprüfen

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Europäische Unternehmen, die indische IT- und Back-Office-Einrichtungen nutzen, sind dringend angehalten, ihre Sicherheit zu verbessern. Grund: Bei dem jetzigen Verdacht eines terroristischen Anschlags auf Bangalore könnte das Technologiezentrum des Landes – ein beliebter Offshoring-Standort für westliche Unternehmen – in Gefahr geraten.

Bombe verändert IT-Sicherheitsmaßnahmen

Outsourcing nach Indien unsicher?

Der Anschlag auf dem Campus des Indian Institute of Science letzten Monat forderte einen Toten und vier Verletzte. Der Vorfall nährte die Angst, dass Terroristen beginnen, Indiens Technologie-Industrie ins Visier zu nehmen.

Der indische IT-Unternehmensverband Nasscom meinte, dass, obwohl durch die IT-Untenehmen und -Verbände des Landes viele Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden sind, der Vorfall zeigt, dass die Schutzmaßnahmen überprüft und verbessert werden müssen.

Europäische Firmen mit indischen Filialen sollten also dafür sorgen, dass sie solche Sicherheitsvorkehrungen wie Metalldetektoren, Videoüberwachungsanlagen auf der Basis von CCTV (Closed circuit Television), Wachleute und strikte Zugangsrichtlinien haben, riet Peter Ryan der Analystenfirma Datamonitor – eine völlig neue Herausforderung für die IT-Sicherheit. Inwieweit ein westliches Unternehmen einem indischen Vertragspartner hier Vorschriften machen kann, ist jedoch noch nicht ausdskutiert.


Attraktivität von Indien geschrumpft?

Outsourcing nach Indien unsicher?

Der Vorstandsvorsitzende des indischen Technologieriesen TCS, Subramaniam Ramadorai, meint, dass die Unternehmen die Gefahr auch dadurch mindern könnten, indem sie Backup-Stützpunkte and mehreren Orten haben. Aber ist das nur eine Ausrede der Inder, um ihre Aufträge nicht zu verlieren?

Denn trotz solcher Vorkehrungen gibt es Befürchtungen, dass Indiens Attraktivität als Ort für die Entwicklung von Offshore-Standorten durch diesen Zwischenfall leiden könnte.

Martyn Hart vom Britischen Landesverband für Outsourcing (National Outsourcing Association – so etwas gibt es in Deutschland gerade mal als kleine Vereinigung, die seit 2003 Erfahrungen austauscht), meinte, dass weitere Anschläge die verbliebenen Unternehmen veranlassen könnten, keine weiteren Standorte mehr aufzubauen sondern nur noch die Arbeit an indische Dienstleister mit bewährten Sicherheitsmaßnahmen auslagern könnten. Steigt die Gefahr weiter, könnten Unternehmen sogar daran denken, sich nach alternativen Offshore-Standorten umzusehen, fügte er hinzu.

Weitere Anschläge könnten auch westliche Manager davon abhalten, indische Standorte zwecks besserer Integration von Onshore- und Offshore-Arbeit zu besuchen.


Noch ist Zeit zum Absichern

Outsourcing nach Indien unsicher?

Ryan verwies mit Nachdruck darauf, dass der Anschlag die Bereitschaft von Firmen, in Indien zu investieren, nicht beeinträchtigen würde. “Sieht man sich die Qualität und die Kostenvorteile an, so kann Indien nicht ignoriert werden”, war sein Argument.

Sieht man jedoch, dass Firmen wie SAP sich zurückziehen aus Indien, ist die Bombe nur ein kleines Mosaiksteinchen im Globalisierungs-Puzzle: Der deutsche Konzern zog sich vor allem wegen der steigenden Lohnkosten zurück. Das haben die Briten wohl noch nicht bemerkt – oder bessere Deals mit den Unternehmen der ehemaligen Kolonie abgeschlossen.

Ramadorai stimmte natürlich zu, dass Indien gegenüber konkurrierenden Offshore-Standorten nicht als Verlierer dastehen wird. “Leider ist jeder Teil der Welt von dieser Bedrohung betroffen”, fügte er hinzu.

Wegen aktuellerAuseinandersetzungen um ironische Mohammed-Zeichnungen mag er da recht haben. ur Zeit sind skandinavische Länder wohl eher Ziel von Anschlägen – nicht Hightech-Unternehmen, sondern klassische Verlage haben dort mehr zu fürchten. Das gibt den Hightech-Firmen in Indien wenigstens Zeit, ihre Sicherheitsmaßnahmen auch auf physischer Ebene zu überdenken. Gegen Bombenbastler hilft eben auch die beste Security-Software nichts.