IT hat ein Image-Problem
Hemmschuh für den Nachschub an qualifiziertem IT-Personal

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Es müssen mehr junge Leute davon überzeugt werden, dass die IT ein interessanter und lohnender Beruf ist. Eigentlich ist das sehr einfach – aber der Schock der geplatzen Dotcom-Blase wirkt immer noch auf unbeteiligte IT-Bereiche nach.

Schiefes Ansehen der IT-Spezialisten

IT hat ein Image-Problem

Der wahrscheinlich verblüffendste Aspekt der bevorstehenden IT-Qualifikationskrise ist, dass grundlegende wirtschaftliche und psychologische Prinzipien Glauben machen wollen, dass es diesbezüglich eigentlich gar kein Problem geben sollte.

Theoretisch implizieren die Gesetze von Angebot und Nachfrage, dass durch den Kampf der Firmen um einen schrumpfenden Talente-Pool die Gehälter steigen, was wiederum die Leute in die Industrie lockt. So funktioniert der Kapitalismus nun mal (im Großen und Ganzen) – und das ist auch der Grund dafür, dass ich mir überlege, Klempner zu werden.

Wenn man dann noch bedenkt, dass viele erstklassige globale Handelsmarken und vier der reichsten Männer unseres Planeten aus dem IT-Sektor kommen, wäre zu erwarten, dass der Status, als einflussreichste Industrie auf dieser Welt zu gelten, die Gewähr für einen wahren Ansturm von aufgeweckten jungen Leuten ist, die sich um IT-Jobs balgen.


In der Computerbranche gelten andere Regeln

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Es war der Philosoph Nietzsche, der zuerst behauptet hat, dass die Menschheit einen inhärenten Drang zur Macht hat, aber wenn seine Theorie auch den stetigen Zustrom an Berufseinsteigern in fast jede andere Einflusssphäre erklärt, bleibt der Technologiesektor eine Ausnahmeerscheinung. Junge Menschen werfen einen Blick auf die Macht, die in den Händen der Glamourgestalten der IT liegt: Die reichen, schönen und prominenten “Glitterati” scheinen aber komisherweise ein “Nein Danke” auszulösen.

Es ist schwer zu sagen, warum diese Regeln für die IT nicht zu gelten scheinen. Warum sind Technologie-Absolventen vom Aussterben bedroht, wenn bei den Gehältern die Zeichen in Richtung Aufschwung deuten?

Warum schätzt Cisco, dass in Großbritannien bald ein Mangel von 40.000 Mitarbeitern im Netzwerkbereich entstehen wird, wenn die Listen der weltweit erfolgreichsten Geschäftsleute von Technologie-Experten dominiert werden? Und warum sehen die Experten auch in Deutschland ein noch viel größeres Problem kommen? (Mehr zu den Aussagen deutscher Industrieller lesen Sie hier)


Bill Gates’ Friseur weiß weiter

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Aber eine Antwort auf die Frage, wieso vieles in de IT nicht passt, findet man bei genau einem Menschen – und dieser Mann ist der Friseur von Bill Gates.

Es ist das schmutzige Geheimnis der IT, dass der Grund für die sich abzeichnende Mitarbeiter-Qualifikationskrise darin besteht, dass sie eine Industrie bleibt, die einfach nicht sexy oder zumindest modisch ist. Das Image des Computer-Stubenhockers ist die einzige Erklärung dafür, warum in den westlichen Gesellschaften der Strom der IT-Absolventen zu einem Rinnsal geworden ist.

Das Problem ist so ernst, dass es angeblich unverrückbare gesellschaftliche Gesetzmäßigkeiten neu geschrieben hat, und es gibt keine Anzeichen einer Besserung. Die Optimisten behaupten, dass bei der jungen Generation mit ihren Taschen voll von technologischen Reichtümern, die Krösus erblassen lassen würden, das Interesse an der IT ganz automatisch erwachen würde. Aber wenn auch einige Teenager Stunden damit zubringen, anrüchige Bilder auf ihre 3G Telefone herunterzuladen, so sind es doch viel weniger, die Stunden damit zubringen, den Code zu analysieren, mit dem das funktioniert.


Globalisierung hilft nicht

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Andere behaupten, dass die Globalisierung es mit sich bringt, dass andere Länder diese Lücken bei der Qualifikation schließen werden. Das aber bringt wenig für die europäische Wettbewerbsfähigkeit und ignoriert die Warnungen des indischen IT-Unternehmensverbands Nasscom, dass es auch dort zu einem Mangel von einer halben Million IT-Fachleuten bis 2010 kommen könnte.

Angesichts dieser Probleme wird staatlichen Programmen wie dem englischen ‘Computerclub für Mädchen’ nur wenig Erfolg beschieden sein, wenn sich nicht die gesamte Branche einer gründlichen Veränderung ihres Images unterzieht.

Das wird extrem hart, weil die IT notwendigerweise Engagement und den Blick fürs Detail braucht – was man leicht als den Gipfel von spießigem Strebertum karikieren könnte. Wenn sich aber die Industrie nicht diesem empfundenen Negativbild stellt und deutlich macht, dass die IT nicht nur an vorderster Front in der New Economy steht, sondern auch eine Quelle für finanziell reizvolle, intellektuell anspruchsvolle und sozial einflussreiche berufliche Laufbahnen ist, dann wird sich die Qualifikationskrise weiter vertiefen.


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