Mirosoft legt Betriebssystem-Geheimnisse offen
Windows Vista – Ein Blick hinter die Kulissen

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Der Chef des Windows Vista Kernel-Entwicklungsteam ist überraschend offen, wenn es um Probleme seiner Software-Entwicklungen geht. Dabei sehen die Microsoft-Programmierer das System nur als ein Release von vielen – die Marketing-Leute dagegen als das ultimative Ziel.

Wenige Entwickler reichen

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Ich habe mich oft gefragt, wie viele Leute man braucht, um ein Windows-Kernel zu schreiben – jetzt sieht es so aus, als hätte ich die Antwort von Microsoft selbst bekommen: Es sind überraschend wenige.

Meine Quelle ist Rob Short, der Unternehmens-Vizepräsident, der für das Team zuständig ist, das das kommende Windows Vista-Kernel entwickelt. Short hat kürzlich in einem Interview erzählt, dass das Kernel-Architektur-Team sechs Vollzeit-Mitglieder hat und etwa 30 Teilzeitmitarbeiter. Ich würde mich wundern, wenn am Linux-Kernel nicht mehr Leute arbeiten als im Vista-Team.

Short war jedenfalls sehr offen, was die Mängel der Windows-Umgebung angeht. Er räumte zum Beispiel ein, dass NT kein klassisches Echtzeit-Betriebssystem ist, und sprach über den Konflikt zwischen den Zielen der Techniker – sein Team wird sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren mit der NT-Architektur befassen – und denen der Marketing-Leute. Er hält das Vista-Release für das erste in einer ganzen Serie, während das Marketing-Personal das nächste Release für das ultimative hält.


HighEnd-Fuktionen auf dem Desktop

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Short sprach auch über die Unterstützung des “Non-Uniform Memory Access” (Numa) unter Vista. Auf den ersten Blick scheint es, als sei das eine ziemliche High-End-Funktion für ein Desktop-Betriebssystem – man sollte aber nicht vergessen, dass die Opteron-Chips von AMD über einen integrierten Memory-Controller verfügen. Das bedeutet, dass Multiprozessor-Systeme, die mit diesen Chips gebaut werden, einschließlich der Dual-Core-Versionen, Numa nutzen. Daher ist es für Microsoft wichtig, diese Funktion auch mit einem Desktop-Betriebssystem zu unterstützen.

Angesichts des Performance-Engpasses, der dadurch entsteht, dass alle Prozessoren einen gemeinsamen Memory-Bus nutzen, ist es auch gut möglich, dass Intel künftig einige seiner Chips auf Numa umstellt. Dass Microsoft sich darauf schon jetzt einstellt und die Numa-Unterstützung in Server- und Desktop-Produkte integriert, ist ein kluger Schachzug.


Treiber im sicheren User-Modus

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Short erwähnte auch, dass es ein neues Treiber-Modell geben soll, dass eine Reihe von Gerätetreibern im “User-Modus” ausführt. Wie bekannt läuft Software heutzutage auf einem Prozessor auf einer bestimmten Rechte-Ebene. Das Kernel hat die am weitesten reichende Kontrolle über die Hardware.

Anwendungs-Software und einige Gerätetreiber operieren im User-Modus, der nur über eine niedrigere Ebene von Kontrollrechten über die Hardware verfügt. Das bedeutet beispielsweise, dass ein Grafikkarten-Treiber, der im User-Modus läuft, bei einem Ausfall nicht das ganze System zum Absturz bringen kann. Es scheint allerdings unwahrscheinlich, dass Microsoft diese Funktion in die Windows Server-Software einbauen wird.

Short wies explizit darauf hin, dass sich dieser Ansatz zum Beispiel nicht für Netzwerkkarten-Gerätetreiber eines Servers eignet. Eine Schande – ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern, als NT stabiler war als heute, was zum Teil daran lag, dass es damals keine Kernel-Modus-Netzwerktreiber nutzte.


Chaotische Daten werden sortiert

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Das größte Problem der Architektur-Gruppe ist laut Short die verbesserte Separation der Statusinformationen in Windows-Informationen in Windows-Systemen, wozu Informationen über den Inhalt von Dateien der Nutzer und Dinge wie Druckereinstellungen gehören – ein Eingeständnis, dass die Bedeutung des Stateless Linux-Projektes von Red Hat unterstreicht.

Short räumte ein, dass diese Informationen unter Windows nicht gut strukturiert sind und dass hier etwas geändert werden muss, damit Microsoft das System wirklich so wie gewollt steuern kann.

Es sieht ganz so aus, als würde sich die Herangehensweise von Windows und Linux manchmal gar nicht so großartig unterscheiden.