Software zwingt zu Hardware-Käufen
Microsoft drängt seine Nutzer zu 64 Bits

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Die Entscheidung des Software-Riesen, Exchange 12 und andere Programme nur noch auf der 64-Bit-Basis herzustellen, wird viele IT-Kunden zu ungeplanten Serverkäufen zwingen.

Ein Thema für Verschwörungstheoretiker

Software zwingt zu Hardware-Käufen

Microsoft hat sich das kürzlich in Barcelona stattgefundene IT Professional Forum für die Bekanntmachung ausgesucht, dass die nächste Version von Exchange und einige andere Programme nicht mehr so entwickelt werden, dass sie als 32-Bit-Programme arbeiten. Stattdessen wird man einen Server brauchen, der in der Lage ist, 64-Bit-Brocken zu verarbeiten, wenn man mit Exchange12, Windows Compute Cluster Server 2003, Windows Server Longhorn Small Business Server, Centro und Windows Server Longhorn R2 (einiges davon sind Arbeitsbezeichnungen) operieren möchte.

Falls Sie es vergessen haben sollten, der Compute Cluster Server 2003 ist Microsoft’s Paradepferd für das Supercomputing, Longhorn ist die nächste Generation bei den ServerBetriebssystemen und Centro ist eine Infrastruktur-Software für mittelgroße Unternehmen. Einige, wenn vielleicht auch nicht alle dieser Anwendungen, werden Sie interessieren. Wenn Sie kein eingefleischter Notes-Kunde sind, wird dies bei Exchange 12 wohl sehr wahrscheinlich der Fall sein.

Die Ankündigung von Microsoft impliziert, dass man einen Server haben muss, der auf Intel Xeon, AMD Opteron oder ähnlichen Chips, die über 64-Bit-Adressierungserweiterung verfügen, basiert, wenn man mit dem nächsten Exchange arbeiten möchte. Wenn Sie in den letzten Jahren Geld für Mailserver ausgegeben haben, sind Sie diesen Schritt vielleicht bereits gegangen. Falls nicht, ist es ratsam, dies ins Auge zu fassen, bevor Exchange 12 Ende 2006 oder Anfang 2007 auf den Markt kommt.

Hierbei macht Microsoft aber den Fehler, eigenmächtig für den Kunden die Entscheidung selbst zu treffen anstatt sich reaktiv und bewahrend zu zeigen.

Es ist interessant, wie wenig sich die Medien mit dieser Ankündigung befasst haben. Die Protagonisten von Verschwörungstheorien könnten behaupten, dass Microsoft die Nachricht regelrecht vergraben hat – ihr wurden gerade mal 83 Worte in einer Pressemitteilung von 1400 Worten gewidmet, in der auch eine Reihe weiterer Produktankündigungen vorgenommen wurden, einschließlich Dynamics GP 9.0.


Gut versteckte Wahrheit

Software zwingt zu Hardware-Käufen

Wie viele Gleichgesinnte habe ich diese Mitteilung überflogen und angenommen, dass Microsoft für die 64 Bit zwar Grünes Licht gibt, dies aber nicht gleichzeitig den Rausschmiss für die 32-Bit-Technik bedeutet. Deshalb habe ich den Teil des Artikels verpasst, bei dem einem die Kinnlade herunterfällt – weil sich Microsoft über seinen Chef für Server und Tools, Bob Muglia, die Rolle der überfürsorglichen Kinderfrau anmaßt:

“Die Möglichkeiten und den Wert, die 64-Bit-Rechner für den Kunden darstellen, liegen klar auf der Hand und Microsoft erkennt, was benötigt wird, um den Kunden bei der Umstellung zu helfen”, sagte Muglia. “Wir setzen großes Vertrauen in die 64-Bit-Technologie und arbeiten eng mit unseren Partnern in der Industrie zusammen, damit für die Kunden ein glatter Übergang gewährleistet wird”.

Und “was benötigt wird” stellt sich natürlich als ein Auftrag für ein Server-Upgrade heraus, wenn man die neueste Software haben will.

Fairerweise muss gesagt werden, dass Microsoft eine Frage-Antwort-Veranstaltung abgehalten hat, wobei Muglia zu einer Anfrage hinsichtlich des 64-Bit-Zwangs Stellung nahm.

“Wenn Sie heutzutage einen Server kaufen, dann ist es ein 64-Bit-Gerät. Die einzige echte Ausnahme ist der Kauf einer Desktop-Anlage, die als Server läuft”, ist der Hauptpunkt seiner Argumentation.

Schön und gut, wenn Sie das Geld jetzt unter die Leute bringen, aber was ist mit all jenen Firmen, die nicht gleich heute einen neuen Server kaufen?


Fehlkalkulation von Microsoft?

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Bis zu Exchange 12 ist es laut Microsoft gerade mal noch ein Jahr. Wenn Sie also eine IT-Abteilung haben, die nur auf der Basis von Intel arbeitet und Dell-Server kauft, werden Sie zum Zeitpunkt, wenn es das neue Exchange geben wird, nur zweieinhalb Jahre gehabt haben, um sich in die Pläne von Microsoft einzugliedern.

Hier ist Microsoft hinsichtlich der Verhaltensmuster beim Serverkauf eine echte Fehlkalkulation unterlaufen. Wenn sie sich dessen erst einmal richtig bewusst werden, dann wird es wohl einen Kundenkreis von beträchtlicher Größe geben, der es gar nicht mag, dass ihre Hardware-Entscheidungen von anderen getroffen werden.