Software-Unsicherheiten machen Sinn – oder?
Für dumm verkauft – Microsofts neue Spielchen mit den Kunden

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6 Monate weniger beim Upgrade-Zyklus macht Anwendungen anfälliger für Bugs denn je zuvor.

Logik vom anderen Stern

Software-Unsicherheiten machen Sinn – oder?

Träum ich, oder was? – Nein, alles real. Man muss sich nur immer häufiger in den Hintern kneifen, um glauben zu können, was man so liest. Diese Woche war es gleich zweimal nötig. Die Logik der IT-Industrie scheint auf einem anderen Planeten angesiedelt zu sein, auf dem Vernunft noch ein Fremdwort ist. Führen Sie sich doch einmal die folgenden beiden Pressemeldungen zu Gemüte, die vor ein paar Wochen gleichzeitig zu lesen waren:

Meldung 1: “Microsoft wurde im November heftig dafür kritisiert, die Visual Studio 2005 Entwickler-Suite zu früh herausgebracht zu haben.” Die Opfer, ähm – Benutzer, bemängelten, das Produkt habe noch ernsthafte Bugs.

Meldung 2: “Nach Microsofts Herausgabe von Visual Studio 2005… gab das Unternehmen seine Absicht bekannt, ab sofort die Upgrade-Intervalle seiner Produkte zu verkürzen, um den Kundenanforderungen gerecht zu werden”. Dies sei unter anderem mit Entwicklungsmethoden wie Extreme Programming und “Scrum” erreichbar – damit ist wohl irgendetwas gemeint, was die genaue Überprüfung des zu entwickelnden Systems verhindert. Steve Ballmer wurde zitiert, der gesagt haben soll, der Upgrade-Zyklus werde von 24 Monaten auf 18 Monate reduziert. Mal ehrlich: Würde ich für jedes verrückte Statement von SB einen Euro bekommen, wäre ich noch reicher als er.


Entwicklungsmethoden für Börsianer

Software-Unsicherheiten machen Sinn – oder?

Gibt es überhaupt jemanden, der diesen Unsinn glaubt? Also mal im Klartext: Microsoft möchte von uns allen mehr Geld. Zu diesem Zweck will das Unternehmen seine Produkte früher auf den Markt werfen, natürlich mit einer Menge mehr Bugs, denn sein naives Vertrauen in Entwicklungsmethoden wie Extreme Programming “Extreme” bergen immer Risiko – und Scrum – was immer das bedeuten soll- mag zwar rührend sein, aber völlig aus der Luft gegriffen. Das Einzige, was die Erfahrung bestätigt hat: Bringt man komplexe Anwendungen übereilt unters Volk, wimmeln sie nur so von Bugs. Der wirkliche Grund, warum Microsoft die Entwicklungsphasen für seine Projekte überhaupt erst verlängert hat, war die außergewöhnliche Verlässlichkeit von Linux.

Wie bringt man also komplexe Anwendungen mit wenig Bugs rechtzeitig auf den Markt und lässt dabei den Rubel weiter rollen?

Nun, ich kann zwar zur Untermauerung meiner persönlichen Antwort auf diese Frage nur 30 Jahre Erfahrung mit großen Computersystemen ins Feld führen, doch sie ist simpel und heißt: Es geht nicht. Da führt kein Weg hin. Wer glaubt, dass unwahrscheinliche Technologien irgendwann unsere Erwartungen doch noch erfüllen, glaubt an Märchen, an Telepathie, oder an die Rettung der Welt durch Außerirdische, oder dass Accrington irgendwann den European Cup gewinnt, oder wie das Ding dieses Jahr heißt.


Neue Wege…

Software-Unsicherheiten machen Sinn – oder?

Jetzt stelle ich Ihnen einmal meine brandneue Methodik vor, die ich beim Schreiben gerade erfunden habe. Sie heißt, sagen wir mal, “Der Pudel im Kinderwagen”. Ja, das ist das wichtigste Gesetz für neue Software-Strategien: Sie müssen einen echt albernen Namen haben.

Meine Strategie bringt garantiert Systeme ohne Bugs hervor, und zwar bis zu jedem beliebigen Auslieferungszeitpunkt. So funktioniert das. Du haust eine Zeitlang in die Tasten, brennst das Ganze auf CD und jubelst es den armen Benutzern unter. Dann schreibst du als Betriebsanleitung: NICHT VERWENDEN. – Just a joke!