Finanzwahnsinn im IT-Markt
Fusionen und Unternehmenskäufe verändern IT-Verträge

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Der Boom bei den Mergers&Aquisitions wirkt sich auf IT-Verträge aus: Kunden sollten in ihren Vereinbarungen gezielt Vorkehrungen treffen, um die Dienstleistungsqualität aufrecht zu erhalten.

Finanz-Boom in der IT

Finanzwahnsinn im IT-Markt

Der Geldwert von Fusionen und Übernahmen, in Finanzdeutsch kurz M&A genannt (Mergers & Acquisitions) auf dem Technologiesektor hat sich in den ersten neun Monaten des Jahres 2005 auf 81 Milliarden Euro gesteigert – also fast verdoppelt – und der Trend zu großen Deals scheint sich kaum zu verlangsamen. Das jedenfalls ist die Schlussfolgerung eines neuen Berichts von dem Wirtschaftsprüfungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC). Experten meinen, dass IT-Käufer deshalb bessere Strategien entwickeln müssen, um mit den Auswirkungen dieser Aktivitäten auf die Lieferanten fertig zu werden.

Die Studie hat ergeben, dass die Anzahl der M&A Deals relativ stabil ist – aber die Zahl der hochwertigen “Megadeals” hat sich erhöht. Der Grund dafür liegt in dem Wunsch der globalen IT-Lieferanten, den Absatz zu steigern – und auch in einem Zufluss an Venture-Capital, das sich in Zeiten des Platzens der Dotcom-Blase fast verflüchtigt hatte. Außerdem zählt der Wunsch von IT-Käufern, es mit weniger Lieferanten zu tun zu haben.

Der gegenwärtige Trend wird laut Peter Rowell, Vorstandsvorsitzender des M&A-Beratungsunternehmens Regent Associates, wohl anhalten. “Was wir hier sehen, ist keine Seifenblase”, meinte Rowell. “Diese Anbieter handeln nach etablierten Strategien”.


IT-Käufer sind besorgt

Finanzwahnsinn im IT-Markt

Die derzeit laufende Konsolidierung wurde in großem Maße begrüßt und brachte den IT-Chefs Vorteile hinsichtlich Administration und Integration – weil sie es bevorzugen, mit einer kleinen Anzahl von großen Lieferanten zu arbeiten. “Die Botschaft der Käufer lautet, dass sie mit wenigeren, größeren Anbietern zu tun haben wollen”, fügte Rowell hinzu.

Aber trotz dieser Vorteile sind einige IT-Käufer besorgt, dass Service und Support nach einem M&A-Geschäft leiden könnten.

Andy Morgan, Technologiechef bei PwC meinte, dass die Unternehmen IT-Verträge so modifizieren müssen, dass sie gegen ein Risiko abgesichert sind, wenn Lieferer als Folge einer Fusion umfassende Veränderungen bei ihren Dienstleistungen, Produkten oder Mitarbeiterstab vornehmen könnten. “Man muss die richtigen Service-Level Agreements zur Hand haben und über effiziente alternative Lieferanten unterrichtet sein”, sagte er.

Schutzklauseln bei Eigentumswechsel – auf deren Basis Firmen die Konditionen neu aushandeln können, falls ihr Lieferant aufgekauft wird – sind ebenfalls ratsam und machen es leichter, ein besseres Geschäft herauszuschlagen oder den Lieferanten im Falle einer Fusion zu wechseln.


Achtung, Wissensflucht!

Finanzwahnsinn im IT-Markt

Die Tatsache, dass es nach Übernahmen oft zu einem starken Personalwechsel bei IT-Dienstleistern kommt, bedeutet, dass die Unternehmen keinesfalls ihre gesamten IT-Kapazitäten outsourcen sollten, sagte Morgan. “Es besteht das Risiko, dass die Kompetenzträger bei Ihrem Outsourcing-Unternehmen weggehen, und es ist deshalb von entscheidender Bedeutung, dass Sie Leute auf Ihrer Seite des Zauns haben, die sich mit Ihrer IT bestens auskennen”, erläuterte er.

Am wichtigsten mag es allerdings sein, dass die Käufer schnell handeln, wenn ihre Lieferanten aufgekauft werden. “Es zahlt sich aus, an der Spitze der Schlange zu stehen und die richtigen Fragen hinsichtlich des Support -Levels und der Produktplanung zu stellen”, riet Morgan.

Unternehmen sollten eine vollständige technische Integration der Produktpalette von zwei Anbietern für mindestens zwei Jahre erwarten und ihre Kaufentscheidungen dementsprechend planen, meinte Tim Jennings von der Analystenfirma Butler Group.

Allerdings behauptet Bob Tarzey von der Analystenfirma Quocirca, dass die Risiken, die bei Fusionen gesehen werden, häufig überbewertet werden. “Große Fusionen erfolgen, weil die Unternehmen Marktanteile kaufen wollen – und sie wären deshalb ja richtig blöd, Kunden zu vergraulen”, stellte er fest.