Vermarktung der Breitbandtechnik
UMTS fünf Jahre danach

MobileMobilfunk

Fünf Jahre nach dem 50-Milliarden-Deal um UMTS-Lizenzen werden Betreiber wie Vodafone und O2 nicht müde, die Vorteile der Breitband-Technik anzupreisen. Doch welche UMTS-Angebote sind mehr und welche weniger sinnvoll?

UMTS – Ein Rückblick

Vermarktung der Breitbandtechnik

Rolf Hansens Rückblick auf die UMTS-Geschichte ist bissig: »Man hat dem Angebot einen Namen gegeben, es über den Zaun geworfen und gewartet, bis der Kunde es kauft«, kommentierte der Geschäftsführer des noch jungen Mobilfunkanbieters Simyo die träge Vermarktung von UMTS in Deutschland.

Er hat nicht Unrecht: Was nutzt ein erhöhter Datentransfer, wenn keine Dienste damit verbunden sind? Und wer soll ihn nutzen, wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht überzeugt? Schließlich genügen ein paar Mobilfunk-Freaks nicht, um die Unsummen einzuspielen, die E-Plus, Vodafone, T-Mobile und O2 für ihre Lizenzen an das Finanzministerium überwiesen haben.

Die Anbieter verstärken ihre Präsenz deshalb seit längerem mit Web-Portalen, die UMTS-Zusatzangebote zu Zusatzkosten anpreisen. Das umfangreichste dürfte Vodafones»Vodafone Live!« sein. T-Online bietet seine mobilen Services in der»T-Zone« an, E-Plus unter dem Schlagwort »Mobiles Leben« und O2 can do unter www.o2online.de/o2/interessenten/smsmehr/o2active.


UMTS-Mobil-TV eine Qual

Vermarktung der Breitbandtechnik

Kräftig beworben wird der Trend, auf dem UMTS-Handydisplay fernzusehen. Doch allzu oft ertönt beim Betrachten eines Bundesligaspiels etwa auf einem Sharp 903 SH der typische Ausruf: »Das weiße Pixel ist der Ball«. Das lässt Zweifel aufkommen, ob Fernsehen auf dem Handy das Zeug zur Killer-Applikation hat.

Selbstverständlich gibt es News-Freaks, die für einen Blick auf N24 selbst in den unmöglichsten Situationen das Handy zur Hand nehmen, um sich zu informieren. Oder TV-Junkies, für die eine verpasste Soap-Folge dem Herztod gleicht. Der könnte jedoch mit der Handyrechnung folgen: Bei bis zu 3 Euro pro Stunde ist Fernsehen per UMTS kein Spaß.

Dennoch lassen sich Enthusiasten nicht von hohen Preisen und kleinen Displays abschrecken: Wie die Marktforscher von Goldmedia in der Studie »Mobile TV 2010« Mitte Oktober feststellten, würden Deutsche bis zu 12,50 Euro monatlich für TV to go ausgeben.

Mobil-TV mag der auffälligste UMTS-Dienst sein, es gibt aber sinnvollere: Download-Angebote für Videos und Musik etwa. Musikdownloads lohnen sich, wenn es nicht nur Streams sind, sondern sich die Titel auch am PC anhören lassen und man so mit dem Download eine dauerhafte Investition tätigt. Bei schnell geschnittenen Musikvideos sind die Minidisplays zu klein für echten Langzeitgenuss. Zudem sind die Videos meist auf Display-Formate abgestimmt, da bringt auch eine Übertragung auf den Monitor nichts.


UMTS ernsthaft nutzen

Vermarktung der Breitbandtechnik

Sinnvolle UMTS-Anwendungen sind Navigationsdienste und Positionsfinder. Speziell Geschäftsleute schätzen es, sich an fremden Orten sofort zurechtzufinden. Allerdings sollte der Positionsfinder vor dem Abonnement im Shop ausprobiert werden, denn nicht alle Angebote liefern exakte Treffer: Im Praxistest liegt der Vodafone-Positionsfinder um rund 20 Meter daneben. Ein anderes Angebot im gleichen Portal verfehlt das Ziel gleich um 100 Meter in einer verwinkelten Altstadt ein Problem.

Auch Location-Finder in Kombination mit Infodiensten sind praktisch: Infos zu Hotels und Restaurants oder der Weg zur nächsten Tankstelle sparen wertvolle Zeit.
Generell zeigt sich: Die Service-Portale der Carrier haben als Zielgruppe vor allem Privatkunden im Visier. Für Geschäftskunden wichtige Angebote finden sich fast durchgängig erst auf Unterseiten der Portale. Sichert man sich diese nicht als Favoriten im Mobiltelefon, ist der Weg hierhin unter Zeitdruck zu umständlich und wird durch viele Zwischenschritte auch teurer als nötig sofern nicht ein Sondertarif die Nutzung der providereigenen Infobasis kostenfrei erlaubt.


UMTS für Reisende

Vermarktung der Breitbandtechnik

Für UMTS im Ausland gilt: Vodafone oder T-Mobile haben das breiteste UMTS-Angebot fern der Heimat. Das liegt unter anderem daran, dass E-Plus und O2 nicht überall die ausländischen Dienste der Konkurrenten nutzen können und sich andere Partner suchen müssen. Bieten die kein UMTS, bleibt nur GPRS. Eine starke Präsenz im Ausland garantiert jedoch nicht schnellen Datenfluss allerorten: Trotz T-Mobile USA hat auch der Magenta-Carrier kein UMTS für die Staaten im Angebot.

Zudem sind die Roaming-Kosten gepfeffert: Zusätzlich zum Tarif, der für Deutschland anfällt, kommen die Auslandsgebühren. Diese liegen derzeit zwischen 3,36 und 14,50 Euro pro Megabyte, je nach Land und Anbieter. Auch billig ist nicht gleichbedeutend mit gut: Vodafone schlägt zwar alle im Preis, rechnet aber auch volle Megabyte ab, wo andere in 100-KByte-Schritten zählen. Interessant ist der Blick in die Niederlande: Als O2-Kunde zahlt man dort nämlich für UMTS via KPN weniger als bei E-Plus einem Tochterunternehmen von KPN.


Videotelefonie & Co.

Vermarktung der Breitbandtechnik

Fraglich auch die Zukunft der Video-Telefonie: Derartige Dienste kranken an schwammig nachziehenden Minibildchen in grober Auflösung und der Tatsache, dass viele Menschen sich beim Telefonieren gar nicht sehen wollen. Die Behauptung, Videotelefonie sei bei Usern beliebt, mag freilich stimmen denn noch ist der Dienst meist kostenlos.

Autor: natalie
Anklicken um die Biografie des Autors zu lesen  Anklicken um die Biografie des Autors zu verbergen