Fehlende Decoderchips für HDTV
HDTV ohne Zuschauer

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Ende Oktober feierten Sat1 und Pro Sieben mit großem Tamtam den Sendestart ihrer HD-Programme. Mangels passender Empfangsgeräte kann die hochauflösenden Sendungen allerdings niemand sehen weder am Fernseher noch am PC.

Hochauflösendes Fernsehvergnügen

Fehlende Decoderchips für HDTV

Zwar sind Pro Sieben und Sat1 mit ihrem Umsonst-Angebot dem Bezahlsender Premiere beim HDTV-Sendestart (High Definition Television) um zwei Monate zuvorgekommen. Einen Nutzen zieht daraus aber bislang niemand, denn Empfangsgeräte gibt es nicht. Das gilt auch für Besitzer von bereits HD-tauglichen Flachbildfernsehern oder Beamern, denn die notwendigen Set-Top-Boxen sind nirgendwo erhältlich.

Damit das hochauflösende Fernsehvergnügen stattfindet, ist eine Set-Top-Box nötig, die DVB-S2 (Digital Video Broadcast-Satellite) beherrscht und mit dem per MPEG-4/H2.64 encodierten Bilderstrom klarkommt. Letzteres ist laut Brancheninsidern kein Problem, entsprechende Decoderchips sollen in großen Stückzahlen erhältlich sein.

Stein des Anstoßes sind jedoch die Demodulations-Chips für DVB-S2. Diese gibt es wenn überhaupt nur in geringen Stückzahlen. Zwar haben Hersteller wie STMicroelectronics passende Chips schon Anfang 2005 vorgestellt, der Mangel an Boxen in den Händlerregalen zum HDTV-Start spricht jedoch nicht dafür, dass ausreichendene Chip-Stückzahlen vorliegen.


HD-freie Zone im PC

Fehlende Decoderchips für HDTV

Bezahlsender Premiere geriet dadurch bei seinem HD-Start terminlich ins Straucheln und versuchte, die Set-Top-Boxen-Hersteller und die wiederum die Chiplieferanten auf einen fixen Liefertermin festzulegen. Dass selbst eine großer Sender wie Premiere nichts erreicht, lässt ahnen, wie schlecht die Chancen für TV-Kartenhersteller sind. Sie können bei weitem nicht so viel Druck ausüben, schließlich ist DVB-S2 für sie bestenfalls ein Nischenprodukt mit geringen Stückzahlen.

Alle großen TV-Kartenhersteller wie Hauppauge oder Pinnacle halten sich mit Produktankündigungen auffallend zurück. Weder das Quartal des Verkaufsstarts noch der Grund der Zurückhaltung sind zu erfahren. Bis zur Fußball-WM dürften aber entsprechende Produkte im Handel sein. Die Preise für DVB-S2-Karten liegen dann zwar über denen herkömmlicher TV-Karten, nicht jedoch um mehr als 100 Euro so zumindest die momentane Spekulation.

Klar ist schon jetzt, dass die TV-Karten einen kräftigen MPEG-4-Decoderchip brauchen, um nicht alle Last der rechenaufwändigen H.264-Decodierung den Prozessoren zu überlassen. Derzeit sind nur Spitzenmodelle der 3-GHz-Klasse in der Lage, hochauflösende Videos ruckelfrei abzuspielen. Damit wäre der Markt für DVB-S2-TV-Karten denkbar klein zu klein für Kartenhersteller.


Auftritt ATI und Nvidia

Fehlende Decoderchips für HDTV

Zwar arbeiten auch Grafikchip-Hersteller wie ATI und Nvidia an Hardware-Decodern, um sie in ihre Grafikchips (GPUs) zu integrieren. Bei ATI wird ganz sicher nur die X1800-Serie H.264 in Hardware decodieren können. Dass diese Karten aber mindestens 400 Euro kosten, schränkt den Käuferkreis stark ein. Ob die 150-Euro-Karten der X1600-Familie H.264 beherrschen, ist noch unklar. Konkurrent Nvidia legt sich noch nicht fest, welche GPUs die aufwändige Decodierung erledigen. Einzig zu erfahren ist, dass es »aktuelle Chips« sein werden.

Und der Decoderchip ist nur ein Teil des HD-Puzzles: Um HDTV-fähig zu sein, müssen die Karten mit dem Kopierschutz HDCP (High Bandwidth Digital Content Protection) umgehen können. Dieser ist nicht nur für TV-Signale, sondern auch bei hochauflösenden DVD-Filmen wichtig: Egal, ob sich HD-DVD oder Blu-Ray durchsetzen wird, die Kopierschutz-Unterstützung ist eine zwingende Voraussetzung für HD-Kompatibilität.


Schlüsselspielereien

Fehlende Decoderchips für HDTV

Um den passenden Digitalausgang machen sich die Hersteller keine Sorgen: DVI ist Standard und der HDMI-Stecker ist leicht anstelle eines zweiten DVI-Ports am Slotblech unterzubringen. Die Kosten dafür halten sich also in Grenzen.

Deutlich komplexer wird die Verwaltung der für HDCP notwendigen Schlüssel. Jeder Grafikkartenhersteller und nicht Chip-Hersteller wie ATI und Nvidia müsste sich solche Schlüssel besorgen und mit der Grafikkarten-Seriennummer in einer Datenbank ablegen. Noch haben Branchengrößen wie Club 3D nicht damit begonnen, sich um das Key-Management zu kümmern. Insofern ist mit HD-fähigen Grafikkarten so bald auch nicht zu rechnen.