Unsere Zukunft mit HDTV
High Definition: Erwartungen lieber drosseln

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Zugegeben, HD hat hervorragende Ton- und Bildqualitäten. Doch wer soll die teueren Geräte kaufen?

Angelhaken: Bildqualität

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Sind Sie auch schon ganz aufgeregt? High-Definition-TV erobert die Landkarte Europas stetig. Die Aussicht auf eine überlegene Bildqualität, die selbst auf großen Displays detailreich und lebendig erscheint, hat uns mittlerweile alle gepackt. Klar, High Definition sieht gut aus. Doch Euer Schwanzwedeln beim Anblick dessen ist noch gar nichts im Vergleich mit der Euphorie in der Consumer-Elektronik- und IT-Branche. Glaubt mir, die können kaum noch an sich halten.

Buchstäblich jede Präsentation oder Handelsmesse des Jahres 2005 hatte High Definition Technologie als Eckpfeiler der künftigen Firmenstrategie vereinnahmt. Man könnte fast den Eindruck bekommen, ohne High Definition gäbe es die gesamte Branche gar nicht mehr. Logisch, die Industrie setzt natürlich darauf, dass das Christkind den Baum mit HD-Gaben schmückt.

Und so wurde uns von der Industrie ein Köder namens Qualität, befestigt am Angelhaken, vor die Nase gehalten. Um uns schön in Richtung neuer Hardware zu dirigieren. Sowohl bei CDs als auch bei DVDs versprach HD die beste Lösung zu sein. Nur wenige haben da nicht angebissen. Jetzt haben wir endlich High Definition, und nun stellt sich heraus, dass es zwei wichtige Dinge gibt, die einem den Spaß daran ein wenig verderben können.


Alles Neue macht HD

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Erstens brauchte man bisher, um CDs oder DVDs anhören oder anschauen zu können, lediglich in einen Laden zu gehen, Disks und entsprechenden Player zu kaufen und zu Hause ans vorhandene Home Entertainment anzuhängen. Was im Normalfall auch wunderbar gelang. High Definition dagegen brauch alles neu, einschließlich des wohl wichtigsten Geräts hierfür: Auch ein neues Fernsehgerät muss im Zuge der HD-isierung des Haushalts her. Und wir reden hier nicht über irgendwelche paarhundert Euro Billigfunzeln. Ein brauchbarer High Definition Fernseher kostet im Schnitt einen Betrag deutlich jenseits der 2000 Euro Marke.

Zweitens darf man nicht vergessen, dass der Siegeszug der CD Hand in Hand ging mit der Möglichkeit, alte Formate wie beispielsweise die Musikkassette oder Vinylschallplatten durch das bequeme und schnell zugriffsfähige neue Disk-Format zu ersetzen. Schmackhaft gemacht wurde einem das damals mit dem Zauberwort ?unverwüstlich?. Das waren alles Dinge, die den Konsumenten einleuchteten und so war es leicht, zuzugreifen.

Also bleibt unterm Strich, dass High Definition eine sehr viel bessere Qualität liefert als DVD. Das wars dann aber auch schon. Ok, in Punkto Langlebigkeit und Anlagen-Vorraussetzungen stehen die HD-Datenträger den DVD-Disks in nichts nach. Bloß, einen DVD-Player kriegt man für ein Taschengeld. Alles verstöpseln und los gehts. Ein recht günstiger Eintrittspreis fürs Heimkino. Und von der Qualität her wahrscheinlich auch für die meisten Leute definitiv prima. Is ja auch schließlich noch nicht all zu lange her, dass wir unseren VHS-Rekorder ins Eck geschmissen und uns neu mit DVD-Playern ausgestattet haben. Nicht zu vergessen der Austausch der Video-Kassetten durch DVDs.


Genickbruch & Formatechaos

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Das könnte dem High Definition Fernsehen das Genick brechen. Nochmal, natürlich schaut das alles toll aus und ist ne ganz feine Sache, aber ist Bildqualität allein das, was zählt? Rechtfertigt sie die nicht unwesentlichen Summen, die man in neue Hardware und Software investieren soll? Und dazu kommt noch, dass selbst PCs zunächst einmal eine Generalüberholung brauchen, bevor sie die HD-Datenträger auch fressen.

Wenn man sich also vorstellt, welches Ausmaß an Neuanschaffungen am geistigen Auge der Industrie vorüberzieht, all die neuen Bildschirme, Peripheriegeräte, Satelliten-TV-Abos und dergleichen, dann kann man sehr wohl nachvollziehen, warum sich die Industrie wegen der neuen HD-Technologie fast ins Hemd macht. High Definition bietet aber, gemessen am Übergang von VHS zu DVD, zu wenig deutliche Verbesserungen und Vorteile, um die Massen zum erneuten Wechsel zu bewegen. Und schon gar nicht nach so kurzer Zeit.

Ich würde dennoch jedem, der sich einen großen Fernseher zulegen möchte, empfehlen, sich für ein mittelgroßes, High-Definition-fähiges Modell zu entscheiden. Und trotzdem würde es viele viele Jahre dauern, bis ein signifikanter Prozentsatz der Bevölkerung einen HD-Fernseher zu Hause hätte. Allein schon, weil viele den Sprung finanziell gar nicht machen können. Und die anderen? Die erneuern durchschnittlich alle zehn Jahre ihre Fernsehgeräte. Den Rest besorgen dann noch Gerüchte über die Konkurrenz verschiedener Formate, die den Durchschnittsverbraucher eher verunsichern und vorsichtiger machen, als ihn zum schnellen Zugriff zu bewegen. Klar auch das wird sich geben. Aber eben erst mit der Zeit.

Bleibt das Fazit, dass High Definition zwar fantastisch aussieht, aber einfach nicht das Zeug hat, eine massentauglich zugkräftige Verbesserung gegenüber der DVD zu sein. Hoffentlich hat sich die Industrie da nicht in etwas verrannt.