Hardware-Zuverlässigkeit nur in Spezialfällen
Yachtrennen beendet Apple- und Sony-Mythen

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Zuverlässigkeit hängt laut Guy Kewney immer von der Umgebung ab, in der ein Computer arbeitet.

Zu viele Problemfälle bei Windows- und Mac-Notebooks

Hardware-Zuverlässigkeit nur in Spezialfällen

Ich persönlich kenne keinen einzigen Mac User, der sich darüber bewusst ist, dass fast die Hälfte der neuesten G5 PowerMacs bereits innerhalb des ersten Betriebsjahres den Überhitzungstod stirbt. Wenn dagegen irgend jemand draufkäme, dass BMW ein Automodell verkauft, das in 40 Prozent der Fälle ein Wiedersehen mit dem Herstellungsbetrieb hat, wie zum Teufel sollte man das denn verheimlichen? Und doch ist es wirklich so passiert. Bei Apple. Das Magazin Popular Electronics hat einen Bericht veröffentlicht, dass 40 Prozent der Apple Produkte an das Herstellerwerk zurückgesendet wurden. Sei es nun zur Reparatur oder zum Austausch. Also, wo bleibt jetzt der Aufschrei?

Die Geschichte kam fast schon auf klassische Weise zustande. Das Magazin hatte ein paar G5s bestellt und prompt funktionsuntauglich erhalten. So ging es auch anderen Käufern. Selbst in bekennenden Mac-Liebhaber Foren wie beispielsweise bei Macintouch kamen derlei Geschichten auf. Allerdings wurde nicht wirklich laut aufgeschrieen dabei. Ok, das kann man noch damit erklären, dass Mac-Jünger schon ein besonderer User-Schlag sind. So verliebt ins Design, in das gesamte Erscheinungsbild… ja, und in was noch?


Unvereinbare Mythen streiten um Zuverlässigkeit

Hardware-Zuverlässigkeit nur in Spezialfällen

Die Dinge sind in den meisten Fälle nicht ganz so einfach, wie sie auf den ersten Blick erscheinen. Neulich hielt ich ein Interview mit einem Datenverarbeitungsberater, der gerade am vielleicht robustesten PC den ich mir vorstellen kann arbeitet. Ich war überrascht zu erfahren, dass sein System auf einem Sony Vaio Notebook, einem Apple G4 iBook und ein paar anderen Kleinteilen basierte.

Der Typ arbeitet für Livewire Connections und das System, das er sich zusammenbaut, ist dazu bestimmt, um den gesamten Erdball zu reisen – und zwar auf einer Yacht, die am Volvo Ocean Race teilnimmt. Nur schwerlich ist eine computerfeindlichere Umgebung vorstellbar. Die Temperaturen werden um die 40 Grad Celsius in Tropischen Regionen und um die Null Grad in antarktischen Gewässern schwanken. Vibration und Lärm sind vergleichbar mit der Geräuschkulisse im Cockpit eines Formel-1-Rennwagens. Nicht zu vergessen die enorme Luftfeuchtigkeit, der Salzgehalt der Luft und – hier kommen wir nun zum kritischsten Punkt – das Damokles-Schwert versiegenden Stroms.


Keine computerfeindlichere Umgebung als eine Rennyacht

Hardware-Zuverlässigkeit nur in Spezialfällen

Es gibt keinen Extrastrom auf Rennyachten. Alles muss sozusagen frisch generiert werden. Und jeder erdenkliche Weg, Strom selbst herzustellen, geht einher mit entweder zusätzlichem Gewicht, größerem Luftwiderstand oder beidem. Deshalb ist ein hervortretender Aspekt seines Computer Systems, das er “video capture and editing suite driving a satellite link” nannte, dass es nie mehr als 80 Watt verbraucht und innerhalb einer Sekunde auf Tastendruck in Standby-Schlummer fällt. Und natürlich muss das System ebenso schnell auch wieder voll da sein.

Ein wesentliches Merkmal von global ausgetragnen Yachtrennen, ist die ihnen zu teil werdende Publicity. Sponsoren solcher Veranstaltungen gehen grundsätzlich glücklich lächelnd nach Hause. Was immer auch geschehen mag, das Sponsoren-Logo wird über den Äther des gesamten Globus gehen. Ganz wichtig ist, den Pressehaien auch schmackhaftes Futter zum Fraß vorzuwerfen. Wer also schlau ist, überwacht per Video konstant jeden Zentimeter Planke an Bord. Und dann muss alles möglichst aufeinander so abgestimmt sein, dass man im Fall des Falles nur noch den dicken roten Panik-Knopf drücken muss und – Kamera läuft. Action!


An Bord: Tiefes Vertrauen in Apples und Sonys Integrität

Hardware-Zuverlässigkeit nur in Spezialfällen

Das hervorragende Design, dieser Stil, diese Klasse in der Erscheinung, das ist die eine Seite des Mythos Notebook: Die Seite, auf der die Mac- und Vaio-Enthusiasten stehen. Auf der anderen Seite stehen die Computerspezialisten. Deren Mythos besagt im Gegensatz dazu, dass nichts unzuverlässiger ist, als Apple oder Vaio Produkte. Und trotzdem ist da dieses Volvo Open Race und besagte Video Editing Suite, die doch so sehr auf die Stärken beider namhaften Notebooks baut. Wie geht das bloß zusammen?

Ich glaube, die Antwort ist ganz einfach. In erster Linie ist jeder Vielzweck-Computer, der ständig neue Programme laden und laufen lassen muss, geradezu prädestiniert für unzuverlässiges Verhalten und Arbeitsverweigerung. Die spezielle Video Editing Suite des Yachtfreunds ist dagegen dazu bestimmt, immer das gleiche Programm laufen zu lassen. Ich glaube ferner, dass Livewire einen Mac für das Hauptsystem haben wollte, weil dessen Zuverlässigkeit der Standby- und Restart-Leistung von zusammengesetzten Komponenten wohl schwerlich erreicht werden dürfte.


Erst der Konsument öffnet die Schleusen für Spyware und Co.

Hardware-Zuverlässigkeit nur in Spezialfällen

Und am Ende eines langen Tages musste ich dann feststellen, dass mein Vertrauen in moderne Hardware doch ungleich größer ist als das der meisten meiner Kollegen. Erst das, was die Konsumenten mit den Computern tun, lässt Probleme auftauchen, die da heißen Shareware, Spyware, Viren und die unendlichen toughen Weiten des Internet. Und zu guter Letzt noch eine mögliche Moral dieser Geschichte: Vielleicht sollten Windows-Notebook-Besitzer doch einmal ein Powerbook ausprobieren. Allein schon wegen der Standby- und Restart-Leistung!