IT-Markt – Kampf der Giganten
Wird sich Google ein paar von Bill Gates’ Milliarden unter den Nagel reißen?

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Bei der Schlacht zwischen Google und Microsoft geht es um mehr als nur Suchmaschinen.

Adlerauge sei wachsam!

IT-Markt – Kampf der Giganten

Glückwunsch an alle Leser, die mit ihren scharfen Adleraugen unseren subtilen Versuch bemerkt haben, den superreichen Bill Gates zurück auf den Boden der etwas moderateren finanziellen Erwartungen des lediglich “ziemlich” wohlhabenden Teils der Menschheit zurückzubringen.

“Ist der liebe Bill von einem Phishing-Angriff heimgesucht worden?” fragte Keith Barlow, nachdem er gelesen hatte, dass der Microsoft-Gründer laut Computing (genau genommen war ich das – schließlich muss ja jemand schuld sein!) bis auf seine letzten 50 Milliarden Dollar geschrumpft ist.

“Ich bin mir sicher, dass er im Laufe der Jahre von mir selbst diese Summe bekommen hat – was hat er also mit dem Rest gemacht?”, schrieb Mike Casey.
Bills Bewunderer brauchen keine Angst zu haben; wir sind ziemlich sicher, dass sein auf 50 Milliarden Dollar geschätztes Bankkonto nicht einem amüsanten Tippfehler zum Opfer gefallen ist.

Aber die Herren Barlow und Casey werfen dennoch eine interessante Frage auf. Wie konnte es dazu kommen, dass das Gates-Vermögen um den Faktor Tausend geschwunden ist? Und wird Google daran schuld sein?


Ist Google das neue Microsoft

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Zu viele Experten sind vom Aufstieg der Suchmaschinenfirma und dem Einfluss auf das erfolgreichste Software-Unternehmen der Welt geradezu besessen. Gates hat wirklich die Nase davon voll, immer wieder danach gefragt zu werden.

Aber ist Google das neue Microsoft? Beim Marketing gibt es sicher Parallelen. In den späten 80ern und frühen 90ern war Microsoft die zerstörerische Macht in der Industrie; sein aggressiver Ansatz, preiswerte High-Volume-Software für alle anzubieten, hat den Marktführer IBM fast zerstört. Das Unternehmen aus Redmond schwamm auf der PC-Welle um die Welt, als IBM bei seinem kränkelnden Mainframe-Geschäftsmodell blieb. Und jetzt, da jedermann surft, versucht Google das gleiche mit der PC-Software zu machen.

Gates weist ganz richtig darauf hin, dass Googles Konkurrenz nicht auf die Mehrheit der geschäftlichen Aktivitäten von Microsoft abzielt, als da wären: Entwicklungs-Tools, Productivity Software, Server-Software und so weiter. Aber Microsoft konkurriert nicht bei den Mainframes, der Server-Hardware, dem Corporate Networking und den vielen anderen Bereichen des alten IBM – und Big Blue hat dennoch 5 Milliarden Dollar in einem Jahr verloren. Was dazumal den größten Verlust in der Unternehmensgeschichte ausmachte.

Google fordert die Erwartungen der Menschen heraus, so wie es einst Microsoft getan hat. Damals hat Microsoft die Leute dazu gebracht, sich zu fragen, warum sie unflexible, teure “Green-Screen”-Systeme verwenden. Jetzt möchte Google die Menschen fragen, warum auf einem PC eine Menge Gigabytes von teurer Software installiert sind, wenn ein Browser und das kleine weiße Suchkästchen den Zugang zu all dem ermöglichen, was ein Durchschnittsnutzer jemals brauchen kann.


Microsoft Live nur eine taktische Reaktion

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Google stellt Microsoft mit Sicherheit Fragen – aber es wäre naiv anzunehmen, dass ein Unternehmen mit einem der weltweit größten Budgets für Forschung und Entwicklung nicht in der Lage ist, Antworten zu geben.

Die Markteinführung von Microsoft Live in diesem Monat, einem Paket von Online-Versionen auf Windows-basierter Software ist nur der Anfang. Sie vermittelt mehr das Gefühl einer taktischen Reaktion als das einer strategischen Offensive.

Die breitere Strategie ruht auf dem Prinzip von Online-Software, die Microsoft seit einigen Jahren mit unterschiedlichem Erfolg über seine Webservices-Initiativen vorantrieb.

Aussagen von Gates, die darauf hindeuten, dass Windows Live ein Meilenstein in der Geschichte des Web ist, sind nur dazu gedacht, Google aus den Schlagzeilen zu drängen.

Die Live-Initiative wird zwar für einige nützlich sein, vor allem für kleinere Unternehmen, aber es geht dabei viel mehr um die Eroberung eines Anteils auf dem durch Werbung finanzierten “freien” Softwaremarkt, den Google dominiert. Es werden nur wenige Großunternehmen Interesse zeigen, obwohl zukünftige Ankündigungen auf den Absatzmarkt im Konzernbereich gerichtet sein könnten.


Me-too-Unternehmen?

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Gates nennt Google gern ein “ICH AUCH” Unternehmen, ein Etikett, das seine Gegner Microsoft in seinen Anfängen ebenfalls umgehängt haben. Hat Apple nicht zuerst Windows erschaffen? Gab es WordPerfect nicht lange vor Word? Novell vor NT?

Die wichtigste Lektion, die Google den IT-Chefs vermitteln kann, hat nur wenig mit der Zukunft von Microsoft zu tun. Der Erfolg dieser Suchmaschine zeigt, wie wertvoll Einfachheit ist – dieses leicht handhabbare weiße Kästchen, das das Web für Millionen von Technikmuffeln zum Leben erweckt hat.

Google zeigt auf, dass IT-Nutzer weltweit fordern, dass es mit der Komplexität ein Ende haben muss; sie wollen die Technologie und das Web nutzen, aber zu ihren eigenen Bedingungen und nicht wie es von technischen Spezialisten diktiert wird. Die IT-Strategien von Unternehmen und Regierungen werden reagieren müssen.

Aber wird Google sich ein Stück von Bills Milliardenkuchen abschneiden? Die Parallele zu Microsofts Jugend ist frappierend. Jeder kann sich erinnern, wie Microsoft IBM ein blaues Auge verpasst hat. Aber wer sitzt heutzutage als weltweit größtes IT-Unternehmen fest im Sattel? Nun, das wäre wohl IBM – auch ohne die verkaufte PC-Sparte.