Achterbahn für leitende IT-Angestellte
IT-Konsolidierung – Führungskräfte auf Schleuderkurs

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Die Software-Industrie steckt mitten in der vorhergesagten Konsolidierungsphase. Auch Führungskräfte bleiben nicht vor den Auswirkungen verschont.

Akquisitionswelle erst am Anfang

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Die Anzahl der Firmen, die aufgekauft werden, um Marktanteile zu gewinnen und Lücken in IT-Portfolios zu schließen, steigt von Woche zu Woche an. David Mitchell, Software-Praxisexperte beim Analysten Ovum, meint sogar, wir stünden erst am Beginn einer enormen Akquisitions-Euphorie.

“Wir durchlaufen erst die erste oder zweite Welle der Konsolidierung”, so Mitchell. “Nach weiteren fünf Jahren werden wir nur mehr fünf oder sechs große Player im Softwaremarkt haben, die Anzahl mittelgroßer Anbieter wird sich drastisch reduziert haben.”

Jede Akquisition bringt zwangsläufig die Verdopplung von Personal mit sich, und darüber erfährt man nirgends so viel, wie wenn es um Führungsleute geht.
Gary Bloom war fünf Jahre Geschäftsführer der Veritas Software, bevor die Firma in diesem Jahr von Symantec für etwa 11,5 Milliarden Euro aufgekauft wurde. Bloom ist jetzt zweiter Geschäftsführer und Präsident bei Symantec und hat sich um die Produktlinien der Firma zu kümmern – die Integration von Veritas inklusive.

Bloom, der schon mit Oracle – wo er als Hauptgeschäftsführer die Zweite Hand von Larry Ellison war – von Veritas übernommen wurde, sagt, er genieße jetzt sein Leben ohne den Druck eines Hauptgeschäftsführers.


Fortschritt durch Rückschritt

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“Ich bin nicht wirklich versessen darauf, möglichst rasch wieder ganz an der Spitze zu stehen”, beteuert Bloom gegenüber Computing. “Es ist ein ziemlich großer Unterschied zu meinem Job vor fünf Jahren. Hier geht es viel mehr und Regulierung und Corporate Compliance als darum, Kreativität an den Tag zu legen.”

“Ich trage nicht die Last eines Sarbanes-Oxley und bin nicht für das Vorstands-Management verantwortlich, aber was meinen Beitrag zum Management des Unternehmens-Ablaufs betrifft, bin ich stark involviert. Allzu verschieden von meiner Rolle bei Oracle ist diese Aufgabe hier nicht. Allgemein gesagt, ich trug dazu bei, das Unternehmen zu leiten. Es gibt natürlich auch einen emotionalen Teil in mir – wie wohl in jedem -, der ein gewisses Problem damit hat, nicht mehr in der Rolle des Hauptgeschäftsführers zu agieren, aber man akzeptiert das eben.”

Nach Meinung Mitchells (von Ovum) bringen die Regulierungsmaßnahmen für Geschäftsführer erheblichen Stress mit sich: “Die Regulierungen erfordern von den Führungskräften einen verschärften Blick in alle Unternehmensbereiche, für die sie verantwortlich sind. Alle Vorgänge ausnahmslos im Griff haben zu müssen, ist schon eine furchterregende Vorstellung, wenn man etwa mit 150 Ländern und 25.000 Leuten zu tun hat.”


Einmal Chef, immer Chef?

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Mitchells Eindruck ist, dass es den meisten Führungsleuten enorm schwer fällt, einen Schritt zurückzugehen. “Einmal Chef, immer Chef” , davon ist er überzeugt. “Es kommt wohl eher selten vor, dass ein Unternehmensleiter einer übernommenen Firma in das neue Unternehmen eintritt und dort eine ihm genehme Rolle übernehmen kann. Diese Leute sind Getriebene, leidenschaftliche Frontkämpfer. In ein Unternehmen zu kommen und nicht mehr die Nr. 1 zu sein – das sehe ich nicht. Nicht viele bleiben da am Ball. Sie werden sich zwar nicht beim Sozialamt anstellen, aber sie werden sich früher oder später einen anderen Tätigkeitsbereich suchen, der sie wirklich interessiert.”

Bloom ist sich hier nicht sicher: “Ich bin mit John Thompson (Chef von Symantec) einer Meinung, dass es drei Szenarios gibt, die mich an das Unternehmen binden: Erstens, man will mich. Zweitens, es macht mir Spaß. Und drittens, ich kann etwas bewirken. Für mich gehen die Freude und die Einflussnahme Hand in Hand, und so wie es jetzt läuft, stimmt beides.”


Wo seid ihr jetzt, Chefs?

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Trotz aller Übernahmen: Bisher verschwindet fast keiner aus der Führungsriege in “niederen” Jobs. Ein kurzer Überblick, welcher Ex-Chef aus der Branche wo hägengeblieben ist:

Craig Conway, PeopleSoft, von Oracle aufgekauft. Jetzt Chef bei Salesforce.com

Bob Dutkowsky, JD Edwards, von PeopleSoft übernommen, als PeopleSoft selbst von Oracle übernommen wurde. Hauptgeschäftsführer des Utility-Erstellers Egenera und im Vorstand von Network Associates and Sepaton.

Mike Devlin, Rational, übernommen von IBM. Jetzt General Manager von Rational Software, das Teil der IBM Software Group ist.

Dave DeWalt, Documentum, aufgekauft von EMC. Blieb bei EMC und stieg auf zum Chef der EMC Software Group im Mai dieses Jahres.

Richard Seibt, SuSE, aufgekauft von Novell. Ursprünglich Geschäftsführer für Europa, verließ das Unternehmen im Mai. Letzten Monat wurde er in den Vorstand von Open-Xchange, Anbieter von E-Mail-Server-Software, berufen.