Praxis: Windows im Eigenbau
Windows XP abspecken

BetriebssystemWorkspace

Windows von der Stange verbraucht übermäßig viel Speicherplatz und belastet unnötig die Systemressourcen. Mit XP Lite Professional lassen sich problemlos XP-Standardkomponenten entfernen.

Maßgeschneidertes Windows

Praxis: Windows im Eigenbau

Die im Zusammenhang mit dem Einbau neuer Hardware oft gehörte Binsenweisheit »Never change a running system« gilt nicht mehr. Ganz im Gegenteil. Anwender, die Windows XP an ihre Wünsche anpassen möchten, sind permanent am Tweaken, Tunen und Optimieren. Ziel aller Bemühungen ist es, das letzte Quäntchen Leistung herauszuholen und die Verschwendung von Systemressourcen zu stoppen. In der Praxis zeigt sich: XP lässt sich auf vielfältige Art und Weise optimieren, sobald es aber um das Entfernen überflüssiger Komponenten geht, kommt der Anwender nicht sehr weit ohne Zusatz-Tools zumindest.

Eine große Hilfe auf dem Weg zum maßgeschneiderten Windows stellt XP Lite Professional 1.6 dar. Die rund 35 Euro teure Shareware analysiert eine Windows-Installation, informiert über alle installierten Komponenten und erlaubt es, Ballast über Bord zu werfen. Sollte sich nach so einem Eingriff herausstellen, dass der Rechner nicht mehr stabil läuft oder bestimmte Funktionen wegen Abhängigkeiten zur gelöschten Komponente ihren Dienst verweigern, lassen sich die entfernten XP-Bestandteile wieder einspielen. Zudem setzt das Tool vor jeder Manipulation einen Systemwiederherstellungspunkt, das reduziert die Gefahr, Windows zu zerstören.

Auf den folgenden Seiten erklärt PCpro, wie Sie Windows gefahrlos abspecken können und zeigt auf, welche XP-Komponenten sich auch ohne Unterstützung von XP Lite Pro 1.6 entfernen lassen.


Standardkomponenten deinstallieren

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XP Lite Pro kann theoretisch maximal 162 Komponenten aus einem Windows-XP-System rückstandsfrei entfernen. Auf einem Testrechner mit einer Standardinstallation von XP sind 154 dieser Komponenten zu finden. Einige davon lassen sich auch mit Hilfe der XP-eigenen Deinstallationsroutine, andere durch das Löschen der entsprechenden Dateien und Ordner entfernen.

Die erste Aufgabe auf dem Weg zum Mini-Windows dreht sich um die Deinstallation nicht benötigter Microsoft-Applikationen. Dazu gehören unter anderem Paint, MSN Explorer und Spiele. Die große Gemeinsamkeit dieser Komponenten: Sie lassen sich allesamt mit Hilfe der XP-eigenen Deinstallationsroutine aus dem System entfernen. Tiefe Eingriffe in die Systemarchitektur sind nicht nötig. Sie wählen Start/Systemsteuerung, öffnen Software und klicken auf Windows-Komponenten hinzufügen/entfernen. Im Dialog Assistent für Windows-Komponenten entfernen Sie das Häkchen bei all jenen Anwendungen, die Sie deinstallieren möchten.

Gefahrlos von allen Systemen entfernen lassen sich MSN Explorer, der Windows-Messenger-Startmenüeintrag sowie alle unter Zubehör und Dienstprogramme zusammengefassten Komponenten, darunter Paint, Rechner und diverse Spiele. Dieser erste Durchgang erleichtert Windows XP um exakt 22 Komponenten, der so zurückgewonnene Speicherplatz beträgt rund 40 MByte und der Programmordner ist ein gutes Stück übersichtlicher geworden.


Windows Messenger entfernen

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Standardmäßig zeigt Windows XP nicht alle installierten Betriebssystem-Bestandteile im Assistenten für Windows-Komponenten an. Verantwortlich dafür ist der Schalter hide. Vor der Deinstallation des Windows Messengers müssen Sie die Systemdatei sysoc.inf editieren. Im Windows-Explorer wechseln Sie in den Ordner Windows\INF und öffnen die Datei sysoc.inf per Doppelklick. Sollte die Datei auf Ihrem System nicht aufzufinden sein, müssen Sie dem Windows-Dateimanager erst mitteilen, dass er auch versteckte Dateien anzeigen soll.

Im Editor entfernen Sie im Abschnitt [Components] in der Zeile msmsgs=ms grocm.dll,OcEntry,msmsgs.inf,hide,7 den Eintrag hide. Sichern Sie die Datei, schließen Sie den Editor und gehen Sie so vor, wie im vorigen Abschnitt beschrieben. Nun können Sie im Assistenten für Windows-Komponenten den Windows Messenger auswählen und aus dem System entfernen. Jetzt zeigt XP Lite Pro nur noch 131 Komponenten an.


Weg mit Multimedi-Tools

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Neben den Komponenten, die sich mit Hilfe des Systemsteuerungs-Controls Software deinstallieren lassen, finden sich in Windows XP auch Komponenten, die Sie mangels Deinstallationsroutine auf manuellem Wege entfernen müssen. Dazu gehören etwa Windows Movie Maker, Bilder und Hintergründe sowie Musikbeispiele. Um diese Elemente zu entfernen, wechseln Sie in das entsprechende Verzeichnis und löschen den Inhalt. Ratsam ist es, erst einmal den Ordner Eigene Dateien zu öffnen und die in den Verzeichnissen Eigene Bilder\Beispielbilder und Eigene Musik\Beispielmusik gespeicherten JPG-Grafiken und WMA-Songs zu löschen.

Weitere potenzielle Löschkandidaten sind Desktop-Hintergründe (Windows\Web\ Wallpaper), Bildschirmschoner (Windows\System32), Windows-Sounds (Windows\Media) und Windows-Tour (System32\tourstart.exe). Ebenfalls gefahrlos löschen Sie die Eingabehilfen Bildschirmlupe (System32\magnify.exe), und Bildschirmtastatur (System32\osk.exe) sowie den Eingabehilfe-Assistenten (System32\ accwiz.exe) und den Hilfsprogramm-Manager (System32\utilman.exe).


XP-Bestandteile um 20 Prozent reduzieren

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Anwender, die mit Zusatz-Software arbeiten, können sich auch von eingebauten System-Tools verabschieden. Dazu gehören etwa die XP-Assistenten für Defragmentierung (System32\dfrg.msc), Sicherung (System32\ntbackup.exe) und Datenträgerbereinigung (System32\cleanmgr.exe). Das Gleiche gilt für Remotedesktop-Verbindung (System32\mstsc.exe), Audiorecorder (System32\sndrec32.exe) und Hyperterminal (Programme\Windows NT\hypertrm.exe).So können Sie die Anzahl der XP-Bestandteile um rund 20 reduzieren, XP Lite meldet dann noch 112 installierte Komponenten.

Bedenkenlos entfernen können Sie auch alle auf Festplatte gespeicherten SP- und Windows-Update-Backups. Diese speichert XP im Windows-Verzeichnis. Zu erkennen sind diese Ordner daran, dass das erste Zeichen des Verzeichnisnamens das Zeichen »$« ist. Auf Desktop-PCs spart man sich da schnell einige hundert Megabyte Platz.


Sonderfall Windows Media Player

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Abgesehen von der seit kurzem erhältlichen OS-Variante Windows XP Reduced Media Edition, gehört der Windows Media Player 9 (WMP 9) zur Grundausstattung von XP. Im Gegensatz zu den in den vorherigen Abschnitten aufgeführten Komponenten ist der WMP allerdings tief in der Systemarchitektur verankert. Darüber hinaus findet sich auf allen Systemen auch der Uralt-WMP 6.4. Eine saubere Deinstallation dieser beiden Komponenten ist mit Bordmitteln nicht möglich, auch wenn im Systemsteuerungs-Control Software der Eintrag Windows Media Player etwas anderes vermuten lässt. Hier handelt es sich wie auch beim Windows Messenger und Outlook Express lediglich um den Startmenüeintrag der Anwendung, und nicht um die Software.

Microsoft zufolge soll der Verzicht auf eine Deinstallationsroutine sicherstellen, dass kein Anwender den WMP aus Versehen entfernt. Und die Folgen sind tatsächlich gravierend: In Webseiten eingebundene Multimedia-Elemente können das System zum Absturz bringen. Das Abspielen von Audio und Video ist kaum mehr möglich, da das Löschen des WMP dazu führt, dass ein Großteil der auf dem Rechner vorhandenen Audio- und Video-Codecs entfernt wird.

Anwender, die den Media Player dennoch rückstandfrei entfernen möchten, kommen nicht um den Kauf von XP Lite 1.6 herum. Nach dem Programmstart bringen Sie das Register Add/Remove Components nach vorne und doppelklicken auf Multimedia. Entfernen Sie das Häkchen bei Windows Media Player und klicken Sie auf Next, um die Deinstallation zu starten. Nach Abschluss des Löschvorgangs, bei dem neben dem Windows Media Player 9 auch sein 6.4-Pendant, Skins
sowie die Player-Tour entfernt werden, starten Sie den Rechner neu.


Vorsicht bei Outlook Express

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Was für den Windows Media Player gilt, trifft auch auf Outlook Express zu. Prinzipiell lässt sich der standardmäßige News- und E-Mail-Client vom System entfernen. Allerdings hat die Deinstallation von Outlook Express weitreichende Folgen, die unter anderem Nutzer von Microsoft Office betreffen. Der zum Büropaket gehörende Personal Information Manager Outlook lässt sich nur dann installieren, wenn Outlook Express auf dem System vorzufinden ist. Darüber hinaus verschwindet mit Outlook Express auch das Windows-Adressbuch.

Die dritte, nicht ganz so gravierende Folge: Die Verknüpfung mit MHT-Dateien (Webarchive im Internet Explorer) geht verloren. Somit ist das Löschen von Outlook Express nur für Anwender interessant, die mit einem anderen E-Mail-Client arbeiten, auf das Windows-Adressbuch verzichten können und Geld für XP Lite Pro ausgeben wollen. Trifft das auf Sie zu, deinstallieren Sie Outlook Express so, wie im vorigen Abschnitt beschrieben. Den entsprechenden Eintrag finden Sie in der Rubrik Communication and Messaging.


XP Lite entfernt 162 Windows-Internas

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Windows Media Player und Outlook Express sind nicht die einzigen Komponenten, die Sie mit XP Lite 1.6 entfernen können. Auch weitere fest im System integrierte XP-Bestandteile, etwa den Internet Explorer, Direct-X und den Suchassistenten putzt die Shareware von der Platte. Die einzelnen Applikationen, Systemkomponenten und Dienste sind in zwölf Rubriken, beispielsweise Communication and Messaging, Server Components und System Tools & Utilities eingeteilt. Das vereinfacht die Suche nach einem bestimmten XP-Feature.

Für die Nutzung des Programms spricht, dass sich der Großteil der vorhandenen Komponenten gefahrlos entfernen lässt unabhängig von Konfiguration und Einsatzgebiet des Rechners. Lediglich einige wenige Features wie Wireless Zero Configuration, Remote Access Dial-Up Support und Windows Installer sollten verschont bleiben, das Entfernen kann fatale Folgen haben. So ist die Funktionsfähigkeit von WLAN und Einwählverbindungen stark eingeschränkt. Zudem wird die Installation von Programmen per MS-Installer verhindert. In der Praxis macht das einen Großteil der Desktop-Rechner und Notebooks schlicht unbrauchbar.


Schneller und sicherer?

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Wie viel Speicherplatz sich freischaufeln lässt, ohne Sicherheit und Systemstabilität zu gefährden, ermitteln die PCpro-Tester beispielhaft anhand einer frischen Installation von Windows XP Professional mit Service-Pack 2. Als Testrechner dient ein Pentium-M-Notebook, das drahtlos in einem Netzwerk eingebunden ist und die Internetverbindung über einen Router herstellt.

Ein frisch installiertes XP beansprucht inklusive Treibern abzüglich der Auslagerungsdatei pagefile.sys 1110 MByte Festplattenspeicher. Nach der Deinstallation aller 162 Komponenten sinkt der Speicherplatzverbrauch auf 416 MByte. Das ist eine Verringerung um 694 MByte. Doch Vorsicht: XP Lite bietet zwar viele Reduktionsmöglichkeiten, alle auf einmal einzuschalten, ist aber Unsinn. Denn ein zu radikaler Kahlschlag gefährdet die Grundfunktionen von Windows.


Vorsicht vor radikalem Kahlschlag

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Deutlich zeigt sich das im Testlabor. Bereits nach dem Willkommens-Bildschirm meldet sich der Windows-Dateischutz und weist die Tester darauf hin, dass sie die XP-Installations-CD einlegen sollen, da Dateien in den DLL-Cache kopiert werden müssen. Da das Leeren des Caches aber erwünscht war, klicken die Tester auf Abbrechen. Die Internetverbindung per WLAN ist ebenso wenig möglich wie die Einrichtung einer Netzwerkverbindung. Die Installation von Software scheitert, da der Windows-Installer Inkompatibilität meldet.

Und auch das Fehlen des Internet Explorers, genauer der Komponente IE HTML Rendering Engine, macht sich an allen Ecken und Enden bemerkbar. So ist es zum Beispiel unmöglich, den Geräte-Manager oder das MMC-Snap-in Computerverwaltung aufzurufen. Das erschwert die Fehlersuche und das manuelle Starten von Services.

Anwender, die solche Komplikationen vermeiden wollen, gehen am besten von der im Folgenden beschriebenen Minimal-Konfiguration aus und testen das System damit. Bei Schwierigkeiten lassen sich die nötigen Komponenten mit XP Lite zuschalten.


50-Prozent-Windows

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Keinesfalls sollten Sie die in der Rubrik Advanced Components zusammengefassten XP-Funktionen entfernen. PCpro hat das für Sie im Testlabor ausprobiert. Beginnend mit der Aktivierung der in der Rubrik Advanced Components zu findenden Komponente Windows Management Instrumentation versuchen die Tester, ein lauffähiges System zu konfigurieren. Wie bereits aufgeführt, ist die IE HTML Rendering Engine von elementarer Bedeutung bei der Fehlersuche; Wireless Zero Configuration aktiviert die WLAN-Verbindung. Allerdings müssen die Tester den Starttyp des gleichnamigen Dienstes erst noch in Eigenregie auf Automatisch stellen.

Dennoch: Nur diese drei Komponenten sind nötig, um die WLAN-Internetverbindung zu reaktivieren und mit Firefox im Web zu surfen. Ebenso schnell verläuft auch die Wiederherstellung des Windows-Installer-Features, so dass sich auch Software einspielen lässt, die mit einem MS-Installer ausgestattet ist: Unter Advanced Components aktivieren die Tester Windows Installer.


Das abgespeckte XP

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Unwesentlich komplexer gestaltet sich die Reparatur der Netzwerkaufgaben. Zwar ist der Netzwerk-Assistent voll funktionsfähig, so dass sich der Testrechner leicht ins LAN integriert; das elementare Feature Arbeitsgruppencomputer anzeigen ist aber nicht funktionsfähig. In der Rubrik Advanced Components/MS Networking Services aktivieren die Tester den Eintrag Computer Browser. Der Hinweis, dass weitere Komponenten benötigt werden, wird mit Ja bestätigt. Dieser Eingriff stellt das Feature Arbeitsgruppencomputer anzeigen wieder her.

Am Ende steht ein 449 MByte großes Betriebssystem, von den ursprünglich 154 XP-Komponenten sind nur noch acht vorhanden und das System läuft für den gedachten Einsatzzweck einwandfrei. Auf besonderen Bedienkomfort muss man aber ebenso verzichten wie auf weiterführende Funktionen. In der Praxis können Sie aber dieses abgespeckte XP als Grundlage für eigene Experimente nehmen und sich Schritt für Schritt an Ihr optimales XP herantasten.