Amerika warnt vor der Spaltung des Internets

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Die US-Regenten fordern die EU auf, von ihren alternativen Internet-Verwaltungsideen Abstand zu nehmen.

In einem Brief forderten US-Außenministerin Condoleezza Rice und US-Handelsminister Carlos Gutierrez die EU auf, doch bitte ihren Vorschlag zu einer alternativen Internet- zurückzuziehen. Dies berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Die EU hatte bemängelt, dass das weltweite Netz eher diktatorisch vom US-Staat gesteuert werde (wir berichteten).

Der Staat hatte 1998 die Kontrolle und die Vergabe der lokalen Domainverwaltungen an das ICANN-Gremium übergeben. Die ICANN soll eigentlich unabhängig sein, doch die Undurchschaubarkeit mancher Entscheidungen ist den Brüsseler Bürokraten ein Dorn im Auge. Deren Ideen für ein von den USA unabhängig verwaltetes Netz gefällt wiederum den Amerikanern nicht.

Im Brief von Rice und Gutierrez heißt es, die EU solle doch bitte mit den USA zusammenarbeiten, “um alle am Nutzen der Informationsgesellschaft zu beteiligen”. Die USA halten bereits die UN für bürokratisch; ein internationales Gremium ist ihnen schon wegen der eigenen Erfahrungen ein Dorn im Auge.

Doch selbst die Organisation Reporter ohne Grenzen warnte in Paris, das derzeitige System habe zwar Schwächen, der Gegenvorschlag erscheine aus Sicht der Reporter ohne Grenzen aber “weitaus schlimmer”. Totalitäre Staaten könnten dann theoretisch ihren Einfluss auf das Internet ausweiten – wenn einer anfängt, auszubrechen, tun das alle. (mk)

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