IT-Markt: Web 2.0 entsteht – mit neuer Sprache
Mashups und Splogs kündigen das neue Internet an

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Die Gerüchteküche um “Web 2.0”, das Internet als Plattform für “Social Software”, führt zur Entwicklung eines völlig eigenen Vokabulars.

Themensammlung mit “Mashups”

IT-Markt: Web 2.0 entsteht – mit neuer Sprache

Es ist lohnend, neue Begriffe unter die Lupe zu nehmen – vor allem, wenn es sich dabei um Kreationen einer Community handelt und nicht um Kreationen von Anbieterfirmen.

Anfang des Jahres tauchte etwa der Begriff “Mashup” auf, der eine Website beschreibt, die so programmiert ist, dass sie Content aus verschiedenen Quellen zusammenzieht. Ein bekanntes Beispiel dafür ist Google Maps AP, das Sites wie Housingmaps.com und Chicagocrime.org ermöglicht, die Karten mit Daten über Immobilien beziehungsweise Kriminalität kombinieren.

Der Karten-Content wird direkt mittels eines JavaScript-API geliefert. Im Moment ist er bis auf ein Logo und einen Copyright-Vermerk dankenswerterweise sauber, wobei Google sich aber ausdrücklich das Recht vorbehält, im Laufe der Zeit Werbung in die Bilder einzubauen.

Weitere Mashup-Projekte sind Sites wie PubSub.com oder Technorati.com, mit denen man die neuesten Blog-Überschriften zu einem Thema auf einer Website anzeigen lassen kann. Das unterscheidet sich von einem normalen Newsfeed-Abonnement dadurch, dass man einen Newsfeed anzeigt, der nur dadurch entsteht, dass andere Newsfeeds durchsucht werden. Das klingt gut, bringt mich aber zu meinem zweiten neuen Wort: “Splog”.


“Splogs” missbrauchen Content

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Splog ist ein Begriff, bei dem Spam und Blog zusammengezogen werden. Er beschreibt ein Bot-generiertes Blog, das willkürlich Content, der von echten Blogs gestohlen wurde, mit dem üblichen Sortiment von Werbe-Links für pharmazeutische Mittel, Kredite, Glücksspiel und so weiter kombiniert. Splogs stellen ein großes Problem dar – vorletzte Woche haben sie das zu Google gehörige Blogger.com für die Suche fast nutzlos gemacht. Das ist die dunkle Seite der Zusammenarbeit im Web. Öffnet man die Tür weit genug, um wirklich umfassende Kooperation zu ermöglichen, kommt auch der Müll mitgesegelt.

Das Splog-Problem illustriert den anhaltenden Wildwuchs im Web. So schädlich diese Aktivitäten sein mögen, sind sie doch nicht in der Lage, den Trend zur Internet-Plattform zu stoppen. Die von Sun als Marke eingetragene Formulierung “Das Netzwerk ist der Computer” gilt nicht mehr. Inzwischen ist das Internet der Computer; das JavaScript und das XML hinter Mashups sind seine APIs.


Richtig netzwerken

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Die besten Mashups sind schon beeindruckend, aber es ist nicht genau zu erkennen, wie sich dieses Konzept auf normale Firmen übertragen lässt. Natürlich sollte sich jeder, der eine Website betreibt, zuerst fragen, ob seine eigenen Daten von anderen als Mashup genutzt werden können. Der zweite Schritt besteht darin, sich zu fragen, ob und wenn ja welcher Content sicher auf die eigene Site gezogen werden kann, um dem Besucher zusätzlichen Nutzen zu bieten.

Komplexer ist die Aufgabe, Elemente des Mashup-Konzepts in einen persönlichen Web-Arbeitsplatz zu integrieren. An dieser Stelle kommen E-Mail, Kalender, Dokumentenverwaltung, Instant Messaging und VoIP zusammen. Das Konzept ist überzeugend, einerseits, weil man überall dort arbeiten kann, wo es einen Breitbandanschluss gibt, andererseits, weil ein Großteil der Aufgaben der Systemverwaltung anderen übertragen wird. Eine Site wie Writeley.com zeigt beispielsweise, wie web-basierte Textverarbeitung aussehen könnte.

Writely.com ermöglicht es nicht nur, Dokumente online zu erstellen und zu bearbeiten, sondern verwischt auch die Grenze zwischen Dokumenten und Web-Sites. Ein privates Dokument ist eine Web-Site, die man anderen nicht zugänglich macht. Andere Dokumente können für bestimmte Team-Mitglieder zugänglich sein. Ein Dokument kann sogar Teil eines Mashups werden, das jemand anders betreibt.

Ein weiteres Beispiel ist CalendarHub.com, das ein ähnliches Prinzip auf Kalendereinträge anwendet. Ich habe keine Ahnung, ob diese kleinen Web-Sites eine Zukunft haben – aber wenn es irgendjemand gelingt, das Konzept des Web-Workspace zu dominieren, könnte er das nächste Microsoft sein.