Auslagern ist nicht immer gut
Outsourcing wird zum Opfer seines eigenen Erfolgs

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Firmen, die zwecks Kosteneinsparung Arbeit auslagern, könnten herbe Enttäuschungen erleben und dann vor unerwarteten Komplikationen stehen.

Wissensverlust ist vorprogrammiert

Auslagern ist nicht immer gut

Neue Industriezweige entwickeln sich nach dem Clusterprinzip. Einige wenige Neuerer (Innovatoren) schaffen eine neue Industrie und binnen kurzem kommt es zu Wechselwirkungen, die sich auf Produkte und Dienstleistungen sowie auf Jobs und Menschen auswirken.

Anfänglich sind die neuen Mitarbeiter wegen der eingeschränkten Möglichkeiten für einen Jobwechsel loyal. Aber mit der Zeit, wenn die Anzahl der Arbeitgeber im entsprechenden Business-Sektor zunimmt, müssen die Firmen Wege finden, gute Mitarbeiter bei der Stange zu halten, um die Kosten für die Einarbeitung neuer Leute zu vermeiden.

Aber für die Arbeitgeber ist es immer schwierig, das richtige Gleichgewicht zwischen den Kosten für die Einarbeitung neuer Mitarbeiter und den Kosten für Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen, zu finden. In schnell wachsenden Industriezweigen haben die Unternehmen größere Probleme, denn für die Mitarbeiter ist es leichter, von ihrer starken Position zu profitieren und dem frischen Wind einer gehörigen Gehaltserhöhung der Konkurrenz zu folgen.

Konkurrierende Firmen treffen manchmal informelle Vereinbarungen, sich nicht gegenseitig die Mitarbeiter abzuwerben. Aber diese Deals brechen meist auseinander, wenn der Nutzen der Abwerbung mehr Gewicht hat als die Kosten für den Verlust des ideellen Firmenwerts. Wesentlich häufiger werden Sonderzulagen, Provisionen und lange Kündigungsfristen – mit Androhung der berüchtigten “bezahlten Freistellung” – angewendet, um Belohnungen für Mitarbeiter zu minimieren, die versucht sind, den Arbeitgeber zu wechseln.


Outsourcing-Partner instabil?

Auslagern ist nicht immer gut

All diese Schwierigkeiten sind den heimischen Unternehmen vertraut, die danach streben, die besten IT-Leute zu behalten. Für Outsourcing-Unternehmen ist diese Problematik vielleicht weniger erwartet und eine doppelte Misere.

Es handelt sich hier sowohl um ein Problem für die Firma, die Outsourcer nutzt als auch für die Outsourcing-Industrie, der sehr daran gelegen ist, sich mit dem Image der Stabilität zu schmücken.

Ein kürzlicher Bericht von Pricewaterhouse-Coopers (PwC) über das Outsourcing von Dienstleistungen im Finanzwesen gibt aber Grund zur Sorge. Darin heißt es, dass mehr als die Hälfte der Outsourcing Projekte in der Finanzindustrie im ersten Jahr keinerlei Kostenvorteil gebracht haben. Bei 15 Prozent der untersuchten Projekte wurden sogar nach fünf Jahren keine Kosteneinsparungen festgestellt. Bezeichnenderweise sagt PwC, dass ein Grund dafür in dem zunehmenden Belegschaftswechsel in Indien und an anderen Orten, wo die Outsourcing-Aktivitäten schnell gewachsen sind, zu suchen ist.

PwC zieht den Schluss, dass die Unternehmen mehr tun müssen, um hervorragende Mitarbeiter zu belohnen und die Offshore-Mitarbeiter in ähnlicher Weise behandeln sollen, wie die zuhause – und zwar, indem sie für ständige Weiterbildung und Karriere-Entwicklung sorgen.


Unbehagliche Zeiten für Erbsenzähler

Auslagern ist nicht immer gut

Beim Lesen des Berichts werden sich solche Unternehmen unbehaglich fühlen, die Offshoring als eine leichte Sache betrachten, bei der die Dinge mit wesentlich geringeren Kosten erledigt werden.

Und bei den wachsenden Investitionen ins Outsourcing ist dies ein immer größeres Problem. Ein Viertel der untersuchten Firmen hatte bis zu einem Fünftel ihrer Mitarbeiter in Offshore-Zentren – und die Hälfte meinte, dass sie innerhalb der nächsten drei Jahre 10 bis 20 Prozent Beschäftige im Ausland haben werden. Fast die Hälfte hatte transaktionsbasierte IT-Aktivitäten Offshore und nur 12 Prozent gaben keinerlei Offshore-Aktivitäten an.

Die Analystenfirma Gartner hat kürzlich berichtet, dass die hohe Fluktuationsrate bei der Belegschaft auch Sicherheitsrisiken mit sich bringt. Darin heißt es, dass dieses Problem die Offshore-Outsouring-Unternehmen dazu veranlassen wird, weniger qualifizierte Mitarbeiter einzustellen und es könnte auch zu selteneren Kontrollen kommen. Eine Boulevardzeitung hatte neulich mitgeteilt, dass sie für ein paar Hundert Euro vertrauliche Datenbankinformationen von einem indischen Callcenter-Mitarbeiter abgekauft hat.

So, wie das Outsourcing wächst, müssen die Unternehmen diese neuen Probleme anpacken. Zur Absicherung von Qualität und Service ist es wahrscheinlich, dass die Personalchefs und leitenden Angestellten mehr tun müssen, als sie erwartet haben.