Software wird aufdringlich
Internet-Riesen greifen nach Ihrem Desktop

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Vorsicht vor der wachsenden Zahl von unerwünschten Software-Downloads, die mehr installieren als Ihnen lieb ist.

Billige Installationstricks

Software wird aufdringlich

Vorige Woche habe ich WinZip heruntergeladen, ein Tool für die Dateikomprimierung, das jeder genutzt hat, bis Microsoft den Zip-Support in Windows eingebaut hat. Wenn Sie die Installation durchlaufen lassen, erscheint plötzlich ein Dialog, der die Google Toolbar und die Google Desktop Search anbietet, beides mit der voreingestellten Option für “Ja”. Es kommt einem wie ein billiger Trick vor, bei dem man etwas bestellt und noch etwas dazu bekommt, was sowohl aufdringlich als auch ohne jeden Bezug zu dem ursprünglichen Vorhaben ist. Aber dies wird bei kostenlosen Downloads wie WinZip immer mehr zur generellen Praxis.

Ein wesentlich markanteres Beispiel ist der Flash Player von Macromedia, der die Yahoo Toolbar während des Setups einschmuggelt, wenn er nicht daran gehindert wird. Jetzt macht auch noch Sun mit und kündigt an, dass die Google Toolbar mit dem Java Runtime Environment (JRE) gebündelt wird. “Was Netscape für das Java-Runtime getan hat, kann das JRE jetzt für die Google Toolbar tun”, meinte Scott McNealy von Sun auf einer gemeinsamen Pressekonferenz.


Werbung eingeschmuggelt

Software wird aufdringlich

Das Hauptgeschäft von Google ist Werbung. “Nutzer der Toolbar gehen mit der Werbung differenzierter um”, sagte Google-Chef Eric Schmidt, was meiner Meinung nach nichts anderes bedeutet, als dass sie mehr Geld ausgeben. Es ist wahrlich enttäuschend, dass Sun die Absicht hat, diesen Trägermechanismus für Werbung auf Ihren Desktop zu schmuggeln, wenn Sie in Wirklichkeit nur eine Runtime-Engine brauchen, damit eine bestimmte Software funktioniert.

Der große Tollbar-Krieg geht los
Wir haben es mit einer neuen Gefechtsstufe zu tun, nicht mehr mit den Browser-Kriegen sondern mit den Toolbar-Kriegen. Sowohl Yahoo, Google als auch Microsoft haben Toolbars und sie werden alles nur Mögliche tun, damit Sie diese installieren. Das zukünftige Windows Vista hat eine Sidebar, die nicht den Eindruck macht, als wäre eine friedliche Koexistenz mit dem Google Desktop möglich. Das bereitet Kopfzerbrechen.

Es lohnt sich, einmal darüber nachzudenken, warum so viele Heimcomputer mit Windows in einem derart fürchterlichen Zustand sind. Das ist nicht nur das Werk von Viren, sondern auch von der unkontrollierten Installation vieler einzelner Software-Stücke, wovon jedes darauf erpicht ist, beim Starten aktiv zu werden und ein Eckchen auf dem Desktop zu ergattern. In einigen Fällen wird der PC dadurch fast unbrauchbar. Für eine optimale Vorgehensweise ist es zwingend, dass die Software einen geringen Umfang hat und nicht mehr oder weniger macht, als notwendig.


Enttäuschung bei der Presekonferenz

Software wird aufdringlich

Die Ankündigung, die wir wirklich von Sun und Google erwartet haben, war keine Bündelung von geschäftlichen Aktivitäten sondern die nächste Stufe bei Web 2.0 – Web als Plattform. Google hat gezeigt, dass es Web-E-Mail realisieren und enorme Mengen an Online-Speicherkapazität bieten kann. Warum also nicht Google Office unter Verwendung von Sun&aposs Arbeit an Open Office, um die Dokumenten-Erzeugung und -verwaltung hinzuzufügen? Das könnte einen echten Internet-Arbeitsraum schaffen und Microsoft an der Stelle treffen, wo es ihnen am meisten weh tut. Ich bin sicher, dass dies in Planung ist – aber eben noch nicht aktuell.

Die Absicht scheint darin zu bestehen, Open Office, JRE und die Google Toolbar auf jeden Desktop zu bringen und dann darüber zu reden, was man mit diesen Dingen machen kann. Das mag man ihnen wohl zugestehen, wobei andere, einschließlich IBM, Oracle und Microsoft, den gleichen Bereich im Visier haben.

Auch gibt es einen Haufen ungeklärter Fragen wie Sicherheit, Offline-Arbeiten und Unternehmens-Integration, um nur drei der wichtigsten Problemkreise zu nennen.


Bitte an ScottMcNealy

Software wird aufdringlich

Innovation durch die Nutzung des Internets (wie Realzeit-Webservices) ist die eine Sache. Aber zusätzliches Zeug auf überlastete Desktops zu installieren, um hilflose Nutzer auszubeuten, ist eine ganz andere.

Darum meine Bitte an Scott McNealy: Sie lieben doch das Wort “Open”, wie in Open Office und Open Solaris. Bitte gehen Sie noch einen Schritt weiter und wenden es auch auf Software- Installationen an, die offen und ehrlich sind. Sicher kann es Sun besser als WinZip!