Zweifelhafte Statistiken
Guter Rat ist teuer

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Studien und Statistiken werden häufig manipuliert oder falsch dargestellt, um den Angeboten der IT Lieferanten Nachdruck zu verleihen, weiss Martin Courtney.

Statistiken

Zweifelhafte Statistiken

Die Anzahl von Befragungen, die um die Meinung der IT Profis buhlen, erreicht epidemische Ausmaße – aber häufig ist es notwendig, die Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen.

Die meisten Analysen werden von unabhängigen Meinungsforschungsunternehmen durchgeführt, die sich darauf verschrieben haben, Informationen einzuholen, indem sie die Leute am Telefon piesacken. Man muss allerdings berücksichtigen, dass diese Firmen gewöhnlich von Herstellern oder Service Providern beauftragt und bezahlt werden, die alle starke kommerzielle Interessen auf dem Markt haben.

Dies bedeutet nicht, dass die Ergebnisse automatisch als sinnloser, Anbieter-gesteuerter Quatsch abgetan werden sollten, weil viele davon Fingerzeige für die tatsächlichen Trends in der Industrie sowie für authentische Verbrauchermeinungen liefern.

Aber es ist wichtig, sich dessen bewusst zu sein, dass die veröffentlichten Ergebnisse sorgfältig selektiert sein könnten oder die Fragen manipuliert sind, um einen bestimmten Gesichtspunkt herauszustellen, der eine spezielle Handlungsweise oder Kaufentscheidung begünstigen könnte. Die Befragten könnten sogar ganz bewusst ausgewählt worden sein, anstelle des Zufallsprinzips, weil deren spezifische Denkweise im Voraus erraten werden könnte.

Von größerem Interesse sind die Studien, die Hersteller verwenden, um die Einstellung von potentieller Kunden zu ihren Waren herauszufinden. Diese Erhebungen lassen häufig eine heroische Gleichgültigkeit gegenüber den Reizen irgendeiner neuen Technologie unter der Verbrauchergemeinschaft in ihrer Gesamtheit erkennen.

Solche Untersuchungsergebnisse könnten aus Sicht der Sponsoren durchaus nützlich sein. Die Erkenntnis, dass große Teile der potentiellen Kunden keinen Wert oder keine Rendite in dem Produkt oder der Dienstleistung sehen, die von dem Sponsor verkauft werden, könnte mit dazu beitragen, dem Verkaufsteam etwas Feuer unter dem Hintern zu machen und ihm einige Ratschläge geben, wie man potentielle Kunden erfolgreicher von den neuesten Glanzleistungen der modernen Technik überzeugen kann.


Zahlen der Anbieter

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Einige Anbieter schalten sogar die Mittelspersonen aus und veröffentlichen ihre eigenen Ergebnisse. Ein Beispiel ist die Sicherheitsfirma Sophos, die kürzlich darauf aufmerksam gemacht hat, dass 80 Prozent der Bedrohungen für die Integrität der Unternehmensnetzwerke aus den Reihen der eigenen Mitarbeiter statt von externen Hackern kommen (als ob wir das nicht wüssten!). Nach meiner Rechnung wird diese Statistik so circa aller drei bis sechs Monate in Umlauf gebracht und zwar von verschiedenen Anbietern, um die IT Manager anzumahnen, mehr Sicherheitssoftware zu kaufen und einzusetzen.

Dass in den Medien so viele Artikel veröffentlicht werden, die auf lausigen, arrangierten oder geradezu bedeutungslosen Statistiken beruhen, ist keine Überraschung. Die für Journalisten am schwierigsten herzustellenden Kontakte sind immer die an der vordersten Front der IT Industrie, weil solche Leute gewöhnlich einfach zu beschäftigt sind, um Gespräche zu führen, was wiederum bedeutet, dass man sich sofort auf jegliche Studien stürzt, die behaupten, deren Meinung wiederzugeben, und sie dann veröffentlicht.

Wir von der IT Week bemühen uns jedoch, etwas selektiver vorzugehen und ein wohldurchdachtes Urteil darüber abzugeben, ob die angebotenen Forschungsergebnisse korrekt und auch an sich interessant sind, wenn erst einmal die Tentakeln eines symbiotischen Sponsors sorgfältig abgelöst worden sind.

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