Ciscos Würgegriff
Ein weiterer David rüttelt an der Tür des Netzwerk-Goliaths

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Kann es dem chinesischen Netzwerkunternehmen Huawei gelingen, sich nicht in die lange Liste von Anbietern einzureihen, die es versucht und nicht geschafft haben, Ciscos Führungsposition ins Wanken zu bringen?

Der Herausforderer

Ciscos Würgegriff

Huawei ist der neueste Herausforderer in einer langen Schlange von Anbietern, die versucht haben, die Vorherrschaft von Cisco auf dem Unternehmens-Netzwerkmarkt anzufechten. Und es gibt nur wenig Grund für die Annahme, dass die chinesische Firma es besser kann als all die anderen Hersteller, die bisher heroisch versucht haben, eine maßgebliche Anzahl von Kunden aus dem Würgegriff des Unternehmens aus San Francisco zu reißen – und dabei versagt haben.

Huawei mag es zumindest mit einem etwas anderen Aufhänger versuchen und die übliche Taktik vermeiden, die legendär hohe Preisgestaltung von Cisco zu unterbieten; eine kluge Politik, wenn man bedenkt, dass die meisten Einkäufer auf Unternehmensebene niedrige Preise nicht als ein wichtiges Kriterium für einen Kauf zu werten scheinen.

Die meisten Netzwerkmanager führen als primäre Kaufentscheidungen die Einhaltung von Standards, gute Management-Funktionen und hohe Verfügbarkeit an. Und viele werden nur dann einen Wechsel an ihrer Ausrüstung vornehmen, wenn Aufrüstungen wegen des Ablaufs ihres Lebenszyklus oder wegen außergewöhnlich schlechter Leistung unumgänglich sind. Der Gedanke, den Router-Anbieter zu wechseln, wird häufig als ein Schicksal angesehen, das schlimmer als der Tod ist.


Netter Versuch…

Ciscos Würgegriff

Huawei und andere Anbieter mögen auch festgestellt haben, dass Cisco nur allzu bereitwillig seine finanziellen Muskeln spielen lässt, um auch dem niedrigsten Konkurrenzangebot die Stirn zu bieten.

Die neusten Analystenzahlen deuten darauf hin, dass Cisco 56 Prozent des IP Edge Router Weltmarkts hält, wobei sein schärfster Konkurrent, Juniper Networks bei 26 Prozent liegt.
Huawei liegt mit nur neun Prozent ziemlich zurück, obwohl es das Doppelte ist, was es vor zwölf Monaten hatte.

Ein ähnliches Muster lässt sich auf anderen Gebieten des Router-Markts erkennen – wobei der einzige Unterschied darin liegt, dass der Name des Zweitplazierten je nach regionaler Präsenz oder der Bevorzugung durch die Käufer variiert.

Juniper hat es geschafft, Cisco in einigen Gegenden einen kleinen Marktanteil abspenstig zu machen, aber sein Zuwachs an Bedeutung geht vorwiegend auf Kosten der anderen Anbieter, die seither aus dem Gesichtsfeld ganz verschwunden sind.

Für Huawei spricht, dass es über die neueste Technologie verfügt und die kraftvolle chinesische Wirtschaft hinter sich weiß. Und wenn das Unternehmen auch noch keine etablierte europäische Nutzerbasis aufweisen kann – eine schwer zu überwindende Hürde -, so stehen zumindest keine Wolken am Himmel, die die Zuverlässigkeit und die langfristige Bindung an Router-Käufer auf Unternehmensebene beeinträchtigen könnten – etwas, das 3Com noch heute verfolgt.

Cisco ist eines der Unternehmen, die man zu hassen liebt. Die Abneigung gegen die Firma durch diejenigen, die auf Cisco-Router angewiesen sind, brodelt immer knapp vor dem Punkt, wo es zum Überkochen kommt. Aber ob sich dieses Grummeln bei den Netzwerkmanagern dahin gehend umsetzen wird, dass sie langfristige Beziehungen auflösen, ist eine andere Frage – insbesondere wenn große Rabatte als Friedensangebot gewährt werden.
Huawei scheint für einen Absturz vorgesehen zu sein, aber wir sollten dankbar sein, dass zumindest ein Anbieter noch immer versucht, den Cisco-Damm zu brechen.