Suchmaschine als Betriebssystem?
Das Google-Betriebssystem ist nur eine Illusion

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Googles Spezialität ist kontextabhängige Werbung. Auch die Neuheiten, die dem Google-Imperium kürzlich hinzugefügt wurden, werden dies nicht ändern.

Google-Addons – Viel Rauch um Nichts?

Suchmaschine als Betriebssystem?

Als Google im August mit der Inbetriebnahme von Google Talk seinen Einzug in den Bereich Instant Messaging und Voice over IP (VoIP) hielt, haben sich die Berichterstatter bei der Ankündigung überschlagen, dass Google nun in der Welt der Betriebssysteme angekommen sei. “Für mich ist es nicht allzu schwer, mir einen Tag in einer nicht mehr fernen Zukunft vorzustellen, da ich mich in allen Belangen im Computerbereich auf Google verlassen werde”, schrieb Robert Young in einem markanten Blog.

Solche “Experten” liegen voll daneben. Was Google aufbaut, hat nichts mit einem Betriebssystem fürs Web zu tun, sondern ist eine Plattform für kontextabhängige Werbung. Die Firma hat Einiges an exzellenter Software entwickelt, aber ihre wahre Leistung liegt darin, dass sie uns überzeugen kann, überall ihre Werbung zu akzeptieren, sei es bei der Suche, bei E-Mails oder bei offensichtlich jeder kleinen Webseite mit ihrer dezenten Google AdSense Leiste.

Nutzer, die die Google Toolbar installieren und ihr Einverständnis zu ihren geheimnisvollen “Advanced Features” erklären, gestatten es dem Suchgiganten, jede ihrer Bewegungen zu verfolgen. Damit wird es Google möglich, eine ganz präzise Zielgruppenwerbung zu betreiben – das elementare Geschäftsmodell der Google-Dienste. Seit 50 Jahren steht das Fernsehen als Werbemedium an erster Stelle. Es wird vom Internet verdrängt und Google hat vor, dabei im Mittelpunkt zu stehen.


Schwierigkeiten im Business-Markt

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Aber das Unternehmen wird mit einigen nicht unwesentlichen Hindernissen konfrontiert. Beim Suchdienst kommt heftige Konkurrenz von Yahoo und Microsoft. Ein grundlegendes Problem besteht darin, dass Google seinen Inhalt nicht besitzt und deshalb immer dafür anfällig ist, dass jemand mit einem besseren Portal auf der Bildfläche erscheint. Google Talk trifft auf eine nur sehr zurückhaltende Akzeptanz, da es versucht, sich Zugang auf einen sehr heiß umkämpften Markt zu verschaffen. Das Modell von AdSense pay-per-click (Zahlung pro Klick) ist gefährdet, weil es anfällig für Betrüger ist, ob es nun die Besitzer von Webseiten sind, die auf leichtes Geldverdienen aus sind, oder Firmen, die wie wahnsinnig auf die Werbeanzeigen der Konkurrenten klicken, um deren Werbeausgaben in die Höhe zu treiben.

Auch wird es für Google schwer werden, sich außerhalb des Suchdienstes in der Unternehmenswelt zu etablieren. Nachdem ich kürzlich den aktualisierten Google Desktop auf einem Test-PC installiert hatte, würde ich nicht erwarten, dass irgendein IT Administrator mit gesundem Menschenverstand es zulässt, dass ein Display voller Arbeits-Ablenkungsfunktionen auf irgendeinem Gerät oder Netzwerk auftaucht. Ich selbst würde die bereits erwähnten “Advanced Features” ebenfalls nicht zulassen. Die Erweiterungen von Google üben hauptsächlich auf den Privatkonsumenten große Anziehungskraft aus.


Paranoia bei Microsoft

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Steve Ballmer von Microsoft soll einen Stuhl quer durchs Zimmer geschmissen haben, als der in einer Schlüsselposition tätige Mark Lucovsky ihm gesagt hat, dass er zu Google wechselt. Lucovsky war lange Zeit Entwicklungsleiter für Windows NT und das Gehirn hinter der DotNet-Strategie.

Diese Abwanderung muss frustrierend sein, aber diese Anekdote – gemeinsam mit Großinvestitionen in MSN Search – deutet darauf hin, dass Microsoft die Bedrohung durch Google nicht im im richtigen Blickwinkel hat. AQuch, wenn der Software-Riese mit Paranoia bisher weit gekommen ist.

Das “Google-Betriebssystem” ist eine Fata Morgana und sogar der Webbrowser von Google, über den gemunkelt wird, kommt mir unwahrscheinlich vor, obwohl er eine enge Verbindung zum Firefox Browser hat – Ben Goodger, ein Firefox-Ingenieur, ist ein Google Angestellter. Die Ironie ist, dass bis heute Google Windows besser unterstützt hat, als irgendein anderes Betriebssystem.

Google wird nicht verschwinden. Es hat noch immer die beste Suchmaschine und muss der erste Anlaufpunkt für jeden sein, der eine Online-Marketingkampagne plant. Es wird noch mehr Einführungen von innovativen Produkten geben – aber Google ist weder ein Betriebssystem noch kann es das Betriebssystem ersetzen. Bis man bei Google wirklich alle Bedürfnisse im Computerbereich abdecken kann, ist es sicher noch ein weiter Weg.


Diskussion!

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