Nikon Coolpix & Sony Cybershot
Ultraflache Digicams im Vergleich

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Ein ansprechendes Äusseres öffnet nicht nur die Augen und das Herz, sondern auch die Brieftasche. Daher setzen die neuen Modelle Nikon S1 und Sony T7 mit ihrem ultraflachen Gehäuse starke Akzente, um so die Neugier der Käufer auf sich zu ziehen.

5-Megapixel-Kameras

Nikon Coolpix & Sony Cybershot

Schon die alten Römer wussten es: »Major e longinquo reverentia«,
aus der Ferne besehen ist alles schön. Womit wir auch schon gleich im doppelten Sinn beim Test von zwei wirklich außergewöhnlichen Miniaturdigitalkameras wären.
Denn die 5-Megapixler von Nikon und Sony beeindrucken nicht nur durch äußerst ansprechende Formen: Auch fürs Sehen in die Ferne sind sie Dank eingebautem Dreifachzoom aufs Beste eingerichtet. Wie die japanischen Ingenieure das Licht durch die schmalen Gehäuse leiten und dass es dann mit solcher Genauigkeit auf den Sensor trifft, grenzt schon fast an ein Wunder. Und Wunder sind auch nötig in der hart umkämpften Preisklasse zwischen 400 und 500 Euro, in der sie gegeneinander antreten. Die Differenzierung über das Design ist den beiden Modellen dabei gut gelungen. Das S soll laut Nikon für »stylish, schlank, sexy« stehen, und Sony preist die T7 als »flachzinierend«. Hinter diesen Werbebotschaften stecken in der Tat beeindruckende Ingenieurskünste.
immer kleiner und flacher sollen Digicams sein.

Große Displays
Dieser Trend zu immer größeren Monitoren, die nahezu die gesamte Rückseite beanspruchen, führt dazu, dass beide Kameras keinen optischem Sucher haben. Nun gut, angesichts der winzigen Gucklöcher der meisten Konkurrenzmodelle vermissen wir dieses Merkmal gar nicht so heftig. Aber wenn beispielsweise das Sonnenlicht die Monitorbetrachtung erschwert oder wenn der Akku erschöpft ist, lernt man auch einen optischen Sucher zu schätzen, und sei er noch so mickrig. Apropos Akku: Die Miniaturisierung bringt auch kleinere und noch leistungsfähigere Energiepacks mit sich. Es ist genau dieser Fortschritt bei den Lithium-Ionen-Stromspeichern, dem die beiden Flachmänner es verdanken, dass sie immer noch ordentliche Betriebszeiten aufweisen. So gibt Nikon die Akkukapazität mit 200 Bildern an, Sony spricht von 160 Aufnahmen.


Testbericht

Nikon Coolpix & Sony Cybershot

Es ist gar nicht leicht, auch noch ein Dreifachzoom mit gefaltetem Strahlengang in den ultraflachen Gehäusen unterzubringen. Angesichts solcher Konstruktionsprobleme sind die Messergebnisse aus dem Testlabor von Anders Uschold wirklich überraschend: Bei der Auflösung erreichen die Flachen sehr hohe Werte, wobei die Nikon insgesamt vorteilhafter abschneidet. Zwar ist die Auflösung der Sony in der Weitwinkelposition besser als bei der Nikon, doch sie nimmt mit der Brennweite kontinuierlich ab.
Die Schärfeleistung der Sony hat einen gleichmäßigen Verlauf mit einem nur minimalen Randabfall im gesamten Bildfeld bei allen drei gemessenen Brennweiten. Bei der Nikon ist der Leistungsabfall zum Bildrand hin im Weitwinkelmodus am größten.

Keine Artefakte
Erfreulicherweise wird die Auflösung bei beiden Prüflingen nicht durch eine aggressive kamerainterne Aufbereitung der feinsten Bilddetails künstlich erhöht, was sich in den guten Noten in puncto Artefakte niederschlägt. An sehr feinen horizontalen und vertikalen Strukturen ist bei beiden Geräten nur geringes Farbmoiré sichtbar. An diagonalen Linien entstehen dann jedoch geringe Störungen. Trotzdem: Die Fotos beider Kameras eignen sich aufgrund der dezenten softwarebasierten Signalaufbereitung gut für die anspruchsvolle Bildbearbeitung am PC.

Bild: Auch wenn die Nikon nur wenige Millimeter dicker als die Sony ist, so fällt dieser Unterschied im direkten Vergleich doch deutlich auf. Der etwas massiveren Ausführung verdankt das Gerät aber ein Gewinde für den Betrieb an einem handelsüblichen Stativ.


Bildrauschen

Nikon Coolpix & Sony Cybershot

Beim Rauschen hat die Nikon geringfügig die Nase vorn. Es steigt im dunklen Bereich an und nimmt in den hellen Bildpartien ab, zeigt jedoch mitunter störende Anteile von »Salz und Pfeffer«. Bei der Sony ist ebenfalls eine Rauschzunahme im Bereich der dunklen Bildpartien festzustellen, die als hochfrequentes Helligkeitsrauschen erscheint und als störend empfunden wird. Die Tonwertwiedergabe ist bei beiden Kameras im Ganzen sehr neutral, die Nikon kann jedoch einen größeren Kontrastumfang aufzeichnen.
Bei der Verzeichnung schneiden beide Modelle erwartungsgemäß nicht so gut ab, aber auch hier erreicht die flachere Sony die besseren Messwerte. Bei Weitwinkelaufnahmen verzeichnet sie zwar stark tonnenförmig, bleibt aber mit 1,9 Prozent unter den 2,6 Prozent der Nikon, die nichts Gutes für Architekturaufnahmen verheißen. In Teleposition verzerren beide Modelle deutlich.

Bild: Die Sony ist so flach, dass die Grenze des technisch Durchführbaren erreicht scheint. Bei der T7 reicht es nicht einmal für ein Stativgewinde. Um sie am Dreibein zu befestigen, braucht es einen Adapter, der einer Dockingstation ähnelt.


Belichtung

Nikon Coolpix & Sony Cybershot

Die Reifeprüfung im Fotoalltag zeigt, dass sich bei der Belichtung beide Kameras keine Blöße geben. Bei Motiven mit normalem und leicht erhöhtem Kontrast belichtet die Nikon sehr ausgewogen, und zwar sowohl im Quer- als auch im Hochformat. Eine Überbelichtung von etwa einer Stufe tritt erst bei Gegenlicht auf, aber sogar diese Aufnahmen sind mit der kamerainternen D-Lighting-Funktion normalerweise zu retten. Insgesamt sehr korrekt belichtet auch die Sony, bei allen Motivkontrasten und Aufnahmepositionen. Die Querformataufnahmen sind bei normalen Bedingungen zwar etwas heller als bei der Nikon, das Ausmaß der Abweichung ist jedoch so minimal, dass es im Fotoalltag nicht weiter stört.

Gegenlichtaufnahmen
Zudem belichtet die Sony die Gegenlichtaufnahmen schon beinahe richtig. Die Farbsättigung könnte in der Grundeinstellung bei beiden Modellen etwas kräftiger ausfallen. Wenn es schnell gehen muss, macht die Sony das Rennen. Sowohl bei der Einschaltzeit als auch bei der Auslöseverzögerung schneidet sie etwas ab. Zwar lässt sie sich beim Zoomen alle Zeit der Welt, agiert dann aber recht flott und leise beim Fokussieren. Die Nikon zoomt schneller, fokussiert aber langsamer.


Autofokus

Nikon Coolpix & Sony Cybershot

Die aktiven Autofokussensoren der Sony werden innerhalb des markierten AF-Messfelds auf dem Monitor angezeigt; bei der Nikon leider nicht. Überhaupt wird man bei der Coolpix über die Lage der Messfelder im Dunkeln gelassen, was ziemlich praxisfern ist. Dafür überrascht die Nikon aber mit so genannten Motivassistenten für Porträt-, Sport- Nachtporträt- und Landschaftsaufnahmen. Dabei werden beispielsweise die Umrisse einer oder mehrerer Personen an diversen Stellen auf dem Monitor eingeblendet. Sogar eine Gitterstruktur für die genaue Ausrichtung der Kamera bei Architekturaufnahmen lässt sich einblenden allerdings, für Anfänger etwas verwirrend, im Landschaftsmodus (was mit der Unendlich-Einstellung in diesem Programm zu tun hat). Praxisrelevant bei Aufnahmen von bewegten Objekten könnte die mit 1/350 Sekunden knapp bemessene kürzeste Verschlusszeit der Nikon sein die Sony erreicht immerhin die 1/1000 Sekunde. Die Nikon bietet zusätzlich den manuellen Weißabgleich, die Sony trumpft mit manuellen Fokuseinstellungen sowie mittenbetonten Integral- und Spotmessungen auf.


Handhabung

Nikon Coolpix & Sony Cybershot

Der Charme des Besonderen, den beide Kameras ausstrahlen, belebt indes nur dann die Nachfrage, wenn die Form die Funktion nicht behindert. Doch genau hier bei der Handhabung haben beide Modelle Defizite.
Die edle Metalloberfläche der Sony gibt den Fingern nicht den nötigen Halt und die Tasten für die Menünavigation sowie für wichtige Einstellungen sind recht klein, wenn auch eindeutig markiert und gut zu bedienen allerdings nu
r mit der linken Hand. Bei der Nikon sind die eindeutig markierten Bedienelemente ebenfalls klein geraten, aber zumindest auf der rechten Kameraseite angebracht wo man sie als Erstes sucht. Die Menüführung ist bei beiden Modellen weitgehend logisch aufgebaut und gibt keine Rätsel auf.
So bleibt als Fazit nach dem Test: »Non omnia possumus omnes!« Wir können zwar nicht alle alles, aber was diese kleinen Wunderwerke leisten, ist schon aller Achtung wert. Für Alltagsfotografie sind sie auf jeden Fall viel besser geeignet als die allgegenwärtigen, aber für schöne Bilder völlig untauglichen Kamerahandys.


Nikon Coolpix S1

Nikon Coolpix & Sony Cybershot

Produkt: CoolPix S1
Hersteller: Nikon
Internet: www.nikon.de
Preis: EUR 400

TECHNISCHE DATEN
Auflösung: 5,1 Megapixel
Bildpunkte: 2592 x 1944
Sensor: 1/2,5?-CCD
Dateiformate: JPEG, QuickTime, WAV
Direktdruckverfahren: Pictbridge
Wechselspeicher: Secure Digital, Multimedia
SchnittstellenUSB 2.0/AV-out (an Dock)
Stromversorgung: Lithium-Ionen-Akku 730 mAh
Brennweite: 35105 mm
LCD-Monitor: 2,5-Zoll-TFT
Abmessungen (BxHxT in mm): 89,9 x 57,5 x 19,7
Gewicht (g): 118

WERTUNG
Dynamik: 90%
Rauschen: 79%
Scharfzeichnung/Artefakte: 100%
Auflösung: 81%
Randabdunkelung: 76%
Verzeichnung: 77%

GESAMTWERTUNG: gut

FAZIT: Die Testergebnisse beweisen, dass selbst eine ultraflache designorientierte Bauweise gute Bildqualität nicht ausschließt: Die Nikon Coolpix S1 schlägt die Sony T7 um nur vier Prozent. Diesen kleinen Vorsprung erlangt sie vor allem durch die hervorragende Kamerasoftware, die eine sehr gute Scharfzeichung hat und dabei keine sichtbaren Artefakte produziert.


Sony Cyber-shot DSC-T7

Nikon Coolpix & Sony Cybershot

Produkt: Cyber-shot DSC-T7
Hersteller: Sony
Internet: www.sony.de
Preis: EUR 500

TECHNISCHE DATEN
Auflösung: 5,1 Megapixel
Bildpunkte: 2592 x 1944
Sensor: 1/2,5?-CCD
Dateiformate: JPEG, MPEG 1
Direktdruckverfahren: Pictbridge
Wechselspeicher: Memorystick Duo (MS Duo)
SchnittstellenUSB 2.0/AV-0ut (Adapter)
Stromversorgung: Lithium-Ionen-Akku 450 mAh
Brennweite: 38114 mm
LCD-Monitor: 2,5-Zoll-TFT
Abmessungen (BxHxT in mm): 91,7 x 60,2 x 14,7
Gewicht (g): 136

WERTUNG
Dynamik: 82%
Rauschen: 69%
Scharfzeichnung/Artefakte: 88%
Auflösung: 78%
Randabdunkelung: 87%
Verzeichnung: 77%

GESAMTWERTUNG: gut


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Nikon Coolpix & Sony Cybershot

Der Schwachpunkt der Nikon Coolpix S1 ist das Objektiv: Die Randabdunkelung ist wie das Diagramm beweist deutlich sichtbar. Dazu kommt eine sehr starke Verzeichnung in der kurzen und langen Brennweite. Die wählbaren Komprimierungsstufen lassen dem Fotografen keinen großen Spielraum und könnten qualitätsorientierter sein.


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Nikon Coolpix & Sony Cybershot

Die Randabdunkelung der Sony Cyber-shot DSC-T7 ist praktisch nicht sichtbar und die Tonwertwiedergabe ist sehr neutral und präzise. Die Scharfzeichnung greift maximal in den dunklen Partien des Fotos. Dieser Bereich ist aber für das menschliche Auge nicht kritisch. Die Kamera zeigt für eine superflache Ultrakompaktkamera erstaunliche Leistungen.

Autor: swasi
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