PC-Schrauber nach Osten, Server nach Westen
Kann der chinesische Drache Dell-PCs in die Lüfte schwingen?

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Für Dell gibt es gute Argumente, sich auf Dienstleistungen und Server zu konzentrieren – und die Herstellung von PCs nach Osten zu verlagern.

“Nur” 15 Prozent Gewinnsteigerung

PC-Schrauber nach Osten, Server nach Westen

Ganz augenscheinlich waren die Ergebnisse von Dell im letzten Quartal enttäuschend. Dell-Chef Kevin Rollins meinte, dass man eben zu viele Low-End Geräte verkauft habe, was bedeutete, dass der Profit “nur” um 15 Prozent im Jahresvergleich gestiegen war – bei Umsätzen von satten 13,4 Milliarden Dollar.

Macht aber nichts. Es gibt nicht nur schlechte Nachrichten: Die Verkäufe von Arbeitsplatzrechnern sind gestiegen, was den Marktanteil von Dell um ein halbes Prozent in die Höhe schnellen ließ. Weiterhin hat das Unternehmen 47 Prozent mehr Laptops und 25 Prozent mehr Server verkauft. Über das Hardwaregeschäft hinaus hat die Firma über eine 35prozentige Zunahme beim Verkauf von Software und Peripheriegeräten berichtet. Dazu kommen noch 41 Prozent Mehreinnahmen aus den Dienstleistungen und 50 Prozent mehr Speichergeschäft.


Dell dominiert den Markt – noch

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Nichts davon wird auch nur für einen der anderen Anbieter, die versuchen, PCs zu verkaufen, eine Überraschung darstellen. Wie einige lokale PC-Verkäufer in Europa herausfanden – als sie Insolvenz anmelden mussten – ist es einfach unmöglich, mit der weltweiten Nummer Eins unter den Lieferanten zu konkurrieren.

Die Zahlen aber deuten noch auf etwas anderes hin. Dell drängt nicht nur andere aus dem PC-Geschäft, sondern scheint Gefahr zu laufen, auch sich selbst aus dem Business mit PCs auszubooten. Und ich habe den Verdacht, dass dies sehr wohl den Wendepunkt ankündigen könnte, den wir schon so lange vorhergesehen haben: Dass der Ferne Osten wirklich ein für alle Mal zum Hauptlieferanten von PC-Hardware wird.

IBM hat den wenig profitablen Teil schon abgestoßen – und Dell?
IBM hat sich bereits seines PC-Geschäftes entledigt und es dem chinesischen Giganten Lenovo übergeben. Was soll eine Firma wie Dell davon abhalten, das Gleiche zu tun? Wenn man im Grunde von der hochmodularen und auf Komponenten aufbauenden Konstruktion der PCs ausgeht, dann ist der Bau eines PC nichts Weiter als das Zusammenstellen einer attraktiven und kosteneffizienten Spezifikation, die Beschaffung von etwas Elektronik, Gehäusen und Kabeln, den Kauf aller Komponenten zum bestmöglichen Preis und dann das Verschrauben des Ganzen auf irgendeiner Gewerbefläche. Ja, und China ist nun mal der billigste Schrauber in diesem Geschäft und seine Gewerbeflächen sind auch sehr billig zu haben.

Dells Notebooks sind sowieso schon immer in Asien hergestellt worden – also wäre eine Kopie von IBMs Vorgehensweise ein logischer nächster Schritt.


Warum nicht wie bei IBM handeln?

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Das Einzige, was diese Vorgehensweise verhindert, ist die kundenspezifische Anpassung der Geräte – was einen ganz wesentlichen Teil der Dell-Erfolgsgeschichte darstellt. Aber wenn man auf den Onlineshop von Dell sieht, findet ohnehin schon eine Menge von vorkonfigurierten, nicht anpassbaren Systemen, die direkt an die Privatkunden verkauft werden.

Was soll also Dells Direkt-Business davon abhalten, standardisierte Geräte, die in China hergestellt worden sind, auszuliefern? Und tatsächlich wir der PC zu einem echten “Gebrauchsgut” wie Fernseher und Kaffemaschinen. Dem Vorteil des Kunden, jeden Aspekt der Spezifikation selbst auswählen zu können, kommt so einfach eine geringere Bedeutung zu.

80er-Jahre neu aufgelegt
All das heißt, dass die Vertriebsmodelle der späten 80er Jahre, als vorkonfigurierte Client Systeme verkauft worden sind – in diesem Fall über Zwischenhändler – wiederkehren. Es ist fast so, als ob der direkte Verkaufsprozess für PCs zu seinem Ausgangspunkt zurückgekehrt ist und wir wieder bei der alten Vertriebsstruktur gelandet sind, nur dass die PC-Läden von damals durch E-Commerce Warenhäuser ersetzt worden ist.

Wenn sich das Unternehmen in diese Richtung bewegt, so bedeutet es, dass Dell seine Anstrengungen auf lukrativere und weniger standardisierte Arbeiten, die im Bereich Server- Hardware und Dienstleistungen liegen, konzentrieren könnte.