BenQ-Übernahme der Siemens-Handysparte – Standorte gesichert

Allgemein

Zwei der Siemens-Handystandorte sind gesichert, berichtet die IG Metall. Wichtiger für den Konzern sind jedoch die weiteren juristischen Baustellen: Bei all den Verträgen, die bis zum “Closing Date” am 30. September umgeschrieben werden müssen, blieb noch keine Zeit, weitere Personal-Absicherungen juristisch festzumachen.

Wenig Abbau ___

Seit Freitag ist klar: Die Siemens-Handysparte wird nur 340Arbeitsplätze abbauen und zwei Standorte in Deutschland behalten. BenQ will München zum Hauptquartier und Entwicklungszentrum machen, Kamp-Lintfort soll Fertigungs- und Logistik-Zentrum bleiben.

Nach den Gesprächen mit dem neuen Besitzer erreichte Siemens-Aufsichtsrat und -Gewerkschaftsmann Wolfgang Müller zwar keine juristische Absicherung, doch er glaubt, dass die Handy-Standorte Kamp-Lintfort und München gesichert seien. Gefährdet sei aber der Standort Ulm (130 Beschäftigte). Die ausgehandelte Beschäftigungssicherung gilt allerdings noch bis Mitte 2006. Dann wird es sicherer als vor den Gesprächen – aber noch nicht juristisch.

Eine Zentrale, wenig Niederlassungen, viele Verträge ___

BenQ wird München als Zentrale auswählen, um von dort aus das weltweite Mobiltelefongeschäft zu steuern. Rund 1400 Beschäftigte in der bayerischen Landeshauptstadt werden bleiben und dort hauptsächlich in der Entwicklung arbeiten. 2000 bleiben in Kamp-Lintfort, um dort für BenQ Logistk- und Fertigungsaufgaben zu übernehmen – auch über die Handys hinaus. Bislang waren die Entwicklungsprozesse recht kostspielig auf mehrere Standorte verteilt.

Juristische Absicherungen konnte BenQ, über deren Unternehmergeist selbst die deutschen Gewerkschafter begeistert sind, nicht geben… Schließlich könne man auch nicht vorhersagen, wie sich das Geschäft entwickle.

Doch für eine Zeitverzögerung bei juristischen Maßnahmen gibt es noch einen weiteren Grund. Der Testticker.de-Redaktion bekannte Quellen im Umfeld der Anwaltskanzlei CliffordChance zufolge, die im Siemens-Auftrag alle Verträge weltweit an den neuen Eigentümer anpasst, müssen in rund 60 Ländern neue Vertragsgrundlagen mit Zulieferern und Abnehmern erarbeitet werden. Und das ist mit Zeitdruck verbunden – am 30.09. muss alles fertig sein. Da hat man eben noch Zeit, bis die derzeitige Beschäftigungsgarantie ausläuft. (mk)

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