Windows Vista Beta 1
Microsoft setzt auf mehr Sicherheit und Speed

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Microsoft setzt in der Windows Vista Beta 1 auf Neuheiten unter der Haube und korrigiert dabei hauptsächlich bekannte Fehler von Windows 2000 und XP.

Schneller Start

Windows Vista Beta 1

Der Traum vieler PC-Nutzer ist ein schnellerer Windows-Start. Windows Vista soll neuartige Hybrid-Festplatten unterstützen, die das Betriebssystem aus einem Flash-Speicher in wenigen Sekunden booten.

Aber auch »normale PCs« sollen mit Vista schneller starten, nach Microsoft-Angaben sollen es etwa 50 Prozent sein (siehe dazu auch Weblog-Beitrag unter softblog.pcpro.de/2005/07/schnell_schnell.html). Die Beta 1 ist noch sehr überladen mit Starteinträgen. So werden 63 Systemdienste automatisch gestartet, bei XP sind es dagegen bloß 34. Auch an anderer Stelle startet Vista wohl aus Kompatibilitätsgründen mehr als nötig. Beispiel Explorer: Windows XP lädt für Windows und Internet Explorer 180 Shell Extensions, Vista erhöht die Zahl auf 223 Erweiterungen. Vista startet also nicht schneller als XP zumindest nicht in der Beta 1.


Schneller dank Super Fetch

Windows Vista Beta 1

Dem Phänomen, dass der Windows-PC mit höherem Dienstalter immer langsamer wird, setzt Vista eine neue Funktion namens Super Fetch entgegen. Das ist ein neuer Name für eine alte Idee, nämlich das vorsorgliche Laden von Programmteilen in den Arbeitsspeicher. Startet der Nutzer dann das Programm explizit, sind Teile davon schon im RAM, und der Startvorgang verkürzt sich scheinbar.

Das Neue an Super Fetch ist, dass es sich an das Nutzerverhalten anpasst. Startet ein Anwender etwa jeden Tag Firefox, dazu Outlook und Photoshop, dann reserviert Vista für diese Programme schon vorab Platz im Arbeitsspeicher und lädt Teilkomponenten. Der intelligente Paging-Mechanismus geht aber noch weiter. Super Fetch soll nicht nur das Verhalten des Nutzers nach dem Start lernen, sondern auch im laufenden Betrieb erahnen, welche Programmteile als Nächstes in den Speicher geladen werden müssen und welche nicht mehr gebraucht werden.

Interessant ist Super Fetch vor allem für PCs, in denen der Arbeitsspeicher knapp bemessen ist. In der Beta 1 ließ sich der Paging-Mechanismus nur als noch nicht genutzer Registry-Eintrag aufspüren weder konnten die Tester Leistungssprünge messen, noch gibt es ein Konfigurationswerkzeug für Super Fetch.


Hybrid Sleep spart Strom

Windows Vista Beta 1

Besonders für Notebooks interessant ist ein neuer Energiesparmodus namens Hybrid Sleep, eine Mischung aus Stand-by (S3) und Hibernation (S4). Das Ziel: Der Nutzer soll keine großen Gedanken mehr daran verschwenden, welcher Schlafmodus denn jetzt der bessere für seine Zwecke ist.

Hybrid Sleep soll zum einen besonders ressourcenschonend arbeiten und zum anderen auch den PC in wenigen Sekunden aus dem Schlafmodus aufwecken. Mit der Beta 1 gab es im Test schwere Probleme mit dem Schlafmodus auf einem HP Compaq NC6220. Im schlimmsten Fall kassierten die Tester Bluescreens wohl ein Zeichen für nicht kompatible Treiber. Außerdem fehlt auch hier ein passendes Konfigurations-Werkzeug.


Neue Treiber, weniger Neustarts

Windows Vista Beta 1

Ein gutes Hausmittel gegen Windows-Probleme ist der Neustart. Außerdem ist oft nach der Installation neuer Geräte ein Reboot nötig, denn erst dann werden neu eingespielte Treiber initialisiert. Für Vista gibt es seit kurzem neue Richtlinien und Entwicklungswerkzeuge für Gerätetreiber (www. microsoft.com/whdc/driver/wdk). Vista-Treiber sind zwar noch rar, zumindest ATI und Nvidia liefern aber schon passende Software für ihre Grafikkarten. Eine Übersicht von Gerätetreibern für Vista gibt es unter www.bleepingcomputer.com/forums/Windows_Vi sta_Driver_List-t26655.html. Bei Geräten, deren Treiber Vista-konform sind, sollen nach der Treiberinstallation keine Neustarts mehr nötig sein.

Die neue Windows-Suche ist überall präsent: als Icon im Systray, Eintrag im Startmenü, per Shortcut [Windows + F] oder als Eingabefeld im Explorer. Im Hintergrund legt die Suche einen Index aller Dateien auf dem System an. Leistungseinbußen sind dadurch im Test nicht spürbar, Vista nutzt für den Aufbau des Index geschickt Arbeitspausen des Nutzers.

Zuständig für den Indexaufbau ist der Dienst Windows Search Engine, der automatisch mit dem System gestartet wird. Über das Kontextmenü der Desktop-Suche bekommt der Nutzer nur spärliche Konfigurationseinstellungen geboten. So erlaubt ein Button den Neuaufbau des Index (Rebuild), ein zweiter Funktionsknopf zeigt den aktuellen Status an. Die Indexierung lässt sich nur explizit abschalten, indem der Windows-Dienst beendet wird.


Ordnerstruktur entrümpelt

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Neben den Standardelementen zum Eingeben des Suchbegriffs und zum durchsuchenden Ort fällt die neue Typisierung auf. Die Suche kann auf Musik, Bilder, Videos, Dokumente oder E-Mails eingeschränkt werden. Außerdem wurde die Ordnerstruktur in Vista aufgeräumt. So hat man auf oberster Ebene wie gewohnt den Computer mit allen Partitionen und Laufwerken im Blick, dazu aber auch die Ordner aller Nutzer. Der Vorteil: Man muss sich nicht mehr durch Dokumente und Einstellungen zu den einzelnen Verzeichnissen hangeln. Außerdem gibt es noch einen Ordner namens Public, der für den Datenaustausch genutzt werden soll.

Der Explorer blendet unter Vista die Menüleiste aus. Wählt man die Darstellungsoptionen unter der Orderliste aus, dann kann man das Menü mit dem Befehl Show Classic Menus oder mit gedrückter Alt-Taste wieder zurückholen. Über fünf verschiedene Stufen lassen sich außerdem Ordnerdarstellungen anpassen. Über einen Schieberegler können Sie dies fließend einstellen.


Schnellere Installation

Windows Vista Beta 1

Die Beta 1 von Windows Vista gibt es nur als DVD-Image. Ob Microsoft für die Final-Version auch einen Satz Installations-CDs mit in die Box legt, ist unklar. Ein versteckter Hinweis darauf: Liegt die Vista-DVD im Laufwerk, weist die Meldung nicht mehr allein auf das Booten von CD, sondern auf das Booten von CD oder DVD hin. Ansonsten ist nicht viel von der alten Installations-Routine übrig geblieben. DVD einlegen und auf Tastendruck vom Medium booten ist eine Möglichkeit alternativ kann die Installation aber auch aus einem laufenden Windows XP heraus gestartet werden. Die Routine ist insgesamt schlanker geworden, auch wenn sie von Anfang bis Ende 14 Einzelschritte erfordert.

Die Vista-Installation ist grob in zwei Abschnitte aufgeteilt: Im ersten Abschnitt werden alle nötigen Benutzereingaben gemacht, danach wird das Vista-Image auf den PC kopiert. Das Gute daran ist, dass die Installation nach dem ersten Abschnitt bis zum Ende durchläuft, ohne auf zusätzliche Benutzereingaben zu warten. Im PCpro-Labor dauerte die Installation auf mehreren Rechnern zwischen 30 und 50 Minuten.

Allerdings fehlen noch einige Komponenten, die für die Installation wichtig sind: Etwa lassen sich in der Vista Beta 1 während der Installation noch keine Benutzer anlegen oder Passwörter vergeben. Der Rechner startet automatisch mit dem Konto Administrator. Achtung: Die Installationsroutine verschluckt sich an nicht partitionierten Festplatten. Über den Shortcut [Shift + F10] kann der Nutzer eine Shell öffnen und mit dem Tool Diskpart die Festplatte partitionieren.


Eingebauter Zugriffsschutz

Windows Vista Beta 1

Unter dem Namen User Account Protection (UAP) baut Microsoft eine nützliche Schutzfunktion in Vista ein, die Experten schon lange für Windows XP fordern (früher Least Privileged User Account). Bisher gab es die Administratoren, die so gut wie alles mit dem
System machen konnten, und die normalen Benutzer, die noch nicht einmal die Uhrzeit einstellen können. Da sich viele XP-Nutzer nicht so weit einschränken lassen wollen, arbeiten sie immer als Administrator und öffnen Angreifern dadurch Tür und Tor.

Unter Vista werden jetzt Nutzer mit lokalen Administratorrechten durch UAP geschützt, was einen Kompromiss zwischen »immer Admin« und »für alle Einstellungen Benutzerwechsel« darstellt. UAP lässt sich über das Startmenü für den angemeldeten Nutzer einschalten und erfordert einen neuen Login. Danach werden alle Systemarbeiten, etwa Änderungen in der Systemsteuerung oder Programm-Installationen, erst möglich, wenn man sich explizit als Administrator anmeldet.


UAP deaktiviert Vista Beta 1

Windows Vista Beta 1

In der Beta1 ist UAP nicht standardmäßig aktiviert, Microsoft will das jedoch ändern. Profis mit lokalen Admin-Rechten müssen aber nicht immer ihr eigenes Kennwort neu eingeben. Sie können die aufspringende Dialogbox über die Registrierung konfigurieren (HKLM\Software\Microsoft\Windows\CurrentVersion\Policies\System). Der Wert ConsentPromptBehavior kann auf 1 gesetzt werden.

Dann fragt Vista nur explizit nach, ob der Vorgang fortgesetzt werden soll oder nicht, das Passwort muss nicht mehr explizit eingetippt werden. Da aber zumindest ein Mausklick nötig ist, hält auch diese Methode Malware auf dem Rechner davon ab, Systemeinstellungen zu ändern. Achtung: Wer UAP zuschaltet, kann die Vista Beta 1 nicht aktivieren. Ein Bug, den Microsoft im nächsten Release repariert haben sollte.


MMC für Profis

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Die Management Konsole (MMC) ist auf den ersten Blick nur in Nuancen überarbeitet worden. Im rechten Fensterbereich hat sich eine neue Spalte namens Action eingeklinkt. Überarbeitet wurden einige Snap-ins, etwa Event Viewer, Scheduled Tasks und Print Management, und genau beim Einbinden von Snap-ins spielt die Action-Spalte ihre Stärke aus. Abhängig vom Kontext werden dort nützliche Aktionen eingeblendet.

Mit Scheduled Tasks lassen sich Aufgaben automatisieren und zeitgesteuert starten. Die Einstellungsmöglichkeiten können feingranular vorgenommen werden. So lassen sich etwa Backup-Jobs nur starten, wenn eine aktive Netzverbindung besteht, oder ein Virenscan nur durchführen, wenn der PC seit 15 Minuten nicht benutzt wurde.


Backups so wichtig wie Updates

Windows Vista Beta 1

Komplett überarbeitet zeigt sich das Windows-Backup-Programm. Die größte Neuheit: Automatische Datensicherungen werden ähnlich wichtig angepriesen wie automatische Updates. Microsoft sieht also auch hier Nachholbedarf bei den Nutzern. Zwar gibt es keinen Eintrag für Backups im Security Center, Auto-Backups lassen sich aber per Mausklick aktivieren. Microsoft stellt dafür als Intervall eine Woche ein.
Manuelle Backups lassen sich mit der neuen Oberfläche noch nicht erstellen, der Menüpunkt ist ausgeblendet. Eine neue Funktion, die sich Microsoft auch noch für die nächste Vista-Version aufgespart hat, ist das Wiederherstellen von Dateien und Ordnern, die aus Versehen gelöscht wurden.

Die neue Windows-Shell (Codename Monad), die nach dem Vorbild von Linux und Unix eine leistungsfähige Kommandozeile für Windows nachrüsten sollte, wird wohl so schnell nicht kommen. Dafür gibt es ein paar neue Kommandozeilen-Tools, die normalerweise mit den Support-Tools nachinstalliert werden müssen. Etwa findet der Befehl where den Speicherort eines angegebenen Programms heraus, und whoami gibt Auskunft über den angemeldeten Nutzer.

Vista integriert auch IPv6-Unterstützung. Ruft ein Administrator in der Shell ipconfig /all auf, werden die IPv6-Adressen angezeigt. Außerdem zeigt der Befehl ein Teredo-Interface an, das für die Tunnels von IPv4 zu IPv6 zuständig ist. IPv6-Pakete werden dabei als IPv4-basierte UDP-Pakete geschickt.


Kommandozeilen-Tool

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Praktisch ist ein neues Tool namens WinSAT (Windows System Assessment Tool). Im aktuellen Vista-Build hat Microsoft dieses Benchmark-Programm untergebracht. Das Kommandozeilen-Tool kann einfach per Shell gestartet werden.

Bisher ist WinSAT nur mit einer Hand voll Tests ausgestattet: DWM (Display Window Manager), D3D (Direct3D), MEM (Speicherbandbreite), DISK (Festplatten-Check) und CPU (Prozessor), von denen im Testlabor nur MEM, DWM und D3D ohne Probleme funktionieren (etwa winsat mem -v). Auch die Dokumentation zur richtigen Syntax und den vorhandenen Parametern existiert noch nicht.

In der Windows-Vista-Final soll WinSAT automatisch mit einer Meldung einschreiten, wenn der PC nicht genug Ressourcen hat. Der Vorteil: Nutzer sollen sofort wissen, welche Schwachstelle die Ursache eines PC-Problems ist, falls etwa der Computer HD-DVDs nicht korrekt abspielt.


Vista bietet noch zu wenig

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Endlich sind die Unterschiede zwischen Windows Vista und XP eindeutig erkennbar zu Longhorn-Zeiten war das anders. Microsoft setzt mit den Veränderungen in Vista die Hebel an den richtigen Stellen an, und zwar dort, wo es jahrelang Probleme mit Windows XP gab, etwa bei den Benutzerkonten oder den überflüssigen Neustarts.

Außerdem lernt Microsoft von der Konkurrenz. Die Suchfunktion schaut man sich bei Mac OS X (Spotlight) ab, die Shell von Linux und die Neuheiten im Internet Explorer 7 von Firefox und Opera. Vista selbst ist dagegen noch nicht wirklich innovativ. Es fehlen eigene Akzente, die über Feintuning und Fehlerbereinigungen hinausgehen.